Über Homeoffice, Kinder-Serien und Krümel

Veröffentlicht von leitmedium am

Fast jeden Montag schreibt @leitmedium seine Gedanken zur letzten Woche mit und ohne Familie. 

Homeoffice ?

Das mit dem Homeoffice hatte ich mir romantischer vorgestellt. Entspannt sitze ich da an meinem eigenen Schreibtisch, die Sonne scheint durchs Fenster, ein wenig Jazz dudelt im Küchenradio vor sich hin, ab und zu gehe ich mir einen Espresso machen und hänge entspannt meinen Arbeitsgedanken nach. In der Realität eile ich zwischen Schreibtisch und Kinderbetten hin und her, der Himmel ist Wolkenverhangen, aus dem Bad höre ich Kotzgeräusche und kurz frage ich mich, was ich eigentlich falsch gemacht habe. Die Familie jedenfalls hängt einer Magendarm-Erkrankung nach und ist ein bisschen sauer auf mich, dass es mich mal wieder nicht so richtig erwischt hat. Mein ja nur gut gemeinter Hinweis, das hänge eben mit der Willensstärke zusammen, hat die Situation auch nicht aufgelockert. Dabei ist mir ja durchaus auch blümerant. In der Telefonkonferenz mit einem Kunden deaktiviere ich hektisch die Videokamera und erkläre es mit technischen Problemen, damit man die Notfallschüssel auf meinem Schreibtisch nicht sieht. Nein, die komischen Geräusche im Hintergrund seien ganz normal – die Nachbarn hätten neue Katzen.

Wartezeit ?

Und dann geht ja nach dem Kranksein immer die Wartezeit los. Bei jeder Erkrankung ergoogle ich leicht panisch die notwendige Wartezeit, bevor alle wieder in Schule, Kita und Büro gehen können. Traumatisches Erlebnis war Scharlach mit mehreren Wochen. W.o.c.h.e.n.* Da sind zwei Tage diesmal ja quasi ein Spaziergang und ich habe dann eben eine Weile technische Probleme bei Videokonferenzen. Aber apropos Google und Krankheit: Überhaupt habe ich letzter viel Krankheitsdiagnostik der Technik überlassen und benutze heimlich eine Diagnose-App, wenn mal wieder jemand gesundheitlich Schlagseite hat. Das muss ich leider heimlich tun, denn natürlich wird einer Grundskepsis gegenüber digitaler Gesundheitsberatung hier ausgiebig Ausdruck verliehen. Dass man auch mit Handy in der Hand seinen Namen tanzen könne, galt nicht als Argument. Genau genommen aber hat mir aber letztens im Widerspruch zu einer Ärztin eine App geraten, fraumierau sofort ins Krankenhaus zu bringen und naja, 1:0 für die App, nicht wahr. Seitdem muss ich sie zumindest nicht mehr verstohlen unterm Tisch bedienen.

Kinder-Serien ??

Und wenn es dann allen besser geht, dürfen die Kinder ein bisschen mehr Serien gucken als üblich, weil irgendwie fällt sonst allen die Decke auf den Kopf. Das Schwierige ist dann nur die Auswahl der Serien. Ich dachte ja früher, dass einem nur von Bibi und Tina die Ohren bluten, aber es geht ja weitaus schlimmer. Aktueller Grund für kalten Schweiß beim bloßen Hören des Titels: Nicky, Ricky, Dicky & Dawn. Mir ist ja unklar, warum man das Konzept „dämliche Comedy – noch dämlicher synchronisiert“ unbedingt noch einmal für Kinder neu auflegen musste. Immerhin ist man so konsequent, völlige Talentbefreiung bei Schauspielerei von Erwachsenenserien übernommen zu haben. Meine Bestechungsversuche der Kinder, sie könnten sich etwas länger diese oder jene Serie ansehen, verpuffte ohne Gnade. Als ich früher krank war, gab es Pumuckl oder „1, 2 oder 3“. Ich muss zugeben, so aus Eltersicht, ist Pumuckl heute zwar unglaublich nostalgisch, die Stimme aber schon auch ein bisschen eine Zumutung. Und „1, 2 oder 3“ gibt es wieder – aber mit Elton. Ey. So dudeln dann jedenfalls zwei Tage lang Nicky, Dicky und Blödie im Nebenzimmer. Und als dann auch noch die Glücksbärchies sich dazugesellten, war ich froh, dass es nicht die alten Folgen sind, die politisch, naja, teilweise auch etwas schwierig waren.

Ist ja eher mein Humor.

Krümel ?

Immerhin, ich schreibe diese Zeilen vom Sofa einer Urlaubswohnung aus. Das Leben ist also wieder schön. Wobei wir fast nicht hergekommen wären. Als wir Sonntag morgens losfahren wollten, hielten die Kinder im Auto alle ein Croissant in der Hand. Ich weigerte mich, einzusteigen. Ein paar Wochen vorher habe ich drei Stunden lang das Auto von Essensresten befreit. Eine mehrere Zentimeter dicke Schicht aus Croissant-Brezel-Maisscheiben-Brötchen-Keks-Krümeln hat den kompletten hinteren Teil bedeckt. Es ist bis heute nicht möglich, alle Anschnaller problemlos zu nutzen, weil es verdächtigt knirscht und manchmal auch blockiert bei der Benutzung. Ich habe damals die Regel aufgestellt: Kein krümeliges Essen mehr im Auto. Niemals! Und wenn wir verhungern. Und überhaupt, stellt sich die Frage, was da evolutionär läuft, dass Kinder unterwegs nur krümeliges Essen wollen. Welchen Vorteil haben Krümel in der Menschheitsgeschichte gebracht? Keinen, sieht man ja bei Hänsel und Gretel. Vielleicht sollten wir das mit dem Scheiß Öko lassen und ab jetzt gibt es nur Quetschies, die wir dann aus dem Fenster werfen. Problem gelöst. Jedenfalls sahen mich ein halbes dutzend hungrige Augen an und jetzt haben sie wieder alles vollgekrümelt und in Zukunft werde ich mir einen Stadtplan erstellen, der sämtliche Bäcker auf Routen meidet und nie Bargeld dabei haben. Mein Trick, immer beutelweise Äpfel mitzuführen, funktioniert noch nicht ganz, wie geplant. Meistens wird leicht mies gelaunt nur die Schale abgeknabbert und der nächste verlangt. Ich esse dann immer verstohlen die Reste. Aber Reste-Essen ist ja eh Eltern-Schicksal.

*Nein, dieser Blogpost ist keine Gesundheitsberatung, ihr dürft alle selber schön zur Ärztin gehen oder auch nicht und müsst auch nicht kommentieren, dass Ihr irgendwas zu dem Thema Krankheit besonders gut wisst, weil dieses Wissen ist bestens bei Euch ganz allein aufgehoben. ?‍♂️

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Kategorien: Montagspost

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Parteiloser Postprivatier.

10 Kommentare

Pia · 5. Februar 2019 um 10:49

Hihi 🙂

„Wir können nicht los, das Kind muss noch Pipi/ hat eine existenzielle Krise/ braucht seinen Teddy/ hat nur einen Schuh/ muss noch gestillt werden/ hat die Milch erbrochen …“ – alles schon dagewesen, aber
„Wir können nicht los, Papa steigt nicht ein!“ – DAS ist neu! (Den Umständen entsprechend jedoch im höchsten Maße verständlich.)

Ich nutze die Gelegenheit um eindringlich vor inflationärem Gebrauch dieser schockgetrockneten Erdbeerstückchen zu warnen: das Abriebpulver (aka Rest in der Tüte, der nicht essbar ist aber ausgekippt werden muss?!?) in Kombi mit Feuchtigkeit gibt dem ganzen Interieur sowohl eine neue Farbe, als auch einen sommerlich-fruchtigen Geruch.

    Annika · 5. Februar 2019 um 11:06

    Oh ja! Unser Auto ist im Innenraum auch vollständig damit ausgekleidet. Fruchtig frisch!

Katrin · 5. Februar 2019 um 14:02

Hach….herrlich. Ich habe mich gerade fast eingepiselt beim Lesen:-))))
Mach es wie wir mit der Couch: Krümel liegen lassen und irgendwann wächst etwas schönes daraus. ?‍♀️?
Und ich freue mich schon sehr auf euren Doppelternin im Mai in Stuttgart. ?

Julia · 5. Februar 2019 um 20:26

Ich bin jetzt doch neugierig: Mehrere Wochen krank wegen Scharlach? Wir haben/hatten gerade Scharlach. Und da hieß es nur: 10 Tage Antibiotikum; und dann nach 48h Antibiotikumeinnahme dürfen die Kinder wieder unter Menschen 🙂
Wobei ich auch fast mit den Kindern die Kinderarztpraxis ohne ärztliche Untersuchung wieder verlassen hätte; sie wirkten wirklich bis auf Halsschmerzen nicht krank. ?

Natascha · 5. Februar 2019 um 21:25

Nicky, Ricky, Dicky und Dawn ist zwar dämlich – aber ich muss gestehen, ich gucke die ganz gern mit dem großen Sohn, wenn wir beide fertig sind. Das ist dann unsere niveaulose Unterhaltung. Ansonsten kann ich (können wir) von Herzen „Gortimer Gibbons“ auf Prime (für eure Großen) empfehlen. Ganz ganz wunderbare, kluge, warmherzige, feministische, zauberhafte Serie – kennt ihr die??
Und ich habe sehr gern mit meinem Großen „das magische Kochbuch“ mitgeguckt. Und die Pfefferkörner. Aktuell gucken wir Hilda zusammen uns mögen es beide sehr.
Mit dem Kleinen (3 Jahre) habe ich neulich Oona und Babas Insel (netflix) entdeckt. Schön! Auch für Kleine: Großartig und wirklich außergewöhnlich finden wir Casper und Emma auf Prime. Auch bezüglich der Geschlechterrollen. Welche Kinderserien guckt ihr denn alle gerne? Liebe Grüße

Anna · 6. Februar 2019 um 10:54

Kannst du verraten, welche Diagnose-App du nutzt?

Judi · 6. Februar 2019 um 18:13

Haha mal wieder sehr lustig!Das mit den Krümeln im Auto kenne ich nur zu gut,vor allem die Croissant-Krümel.Wir haben letztens einen Kinder-Autositz eingeschickt,weil sich der Gurt nicht mehr richtig schließen ließ und wir gesagt haben,der kann ja nicht schon kaputt sein.Wir bekamen den Sitz zurück mit der Mitteilung das Gurtschloß sei verschmutzt gewesen??Sehr peinlich.Jetzt wissen wir dass es einfach an Krümeln liegen kann…

Bernhard Straßer · 10. Februar 2019 um 11:55

Tja, das mit dem Home-Office ist so eine Sache. Einerseits toll, dass der Arbeitgeber das anbietet. Andererseits läuft so ein Home-Office Nachmittag ab und an mal so ganz anders ab als man sich das wünscht.
Jedenfalls hat man als Papa-Blogger dann man wieder was witziges zum berichten : )
(Mein Papa-Blog ist übrigens das „Elterntagebuch“)

Ingfried · 2. Mai 2019 um 16:23

Mache mir wirklich Sorgen über das Vernachlässigen der Impfpflicht bei Masern. Muss denn erst eine Große Epidemie ausbrechen bevor man die dringlichkeit erkennt? Letztes Jahr war man in Köln kurz davor die kritische Grenze an Erkrankungen in kürzestem Zeitraum zu durchbrechen. Nur das Austeilen von Impfstoffen hat in letzter instanz noch schlimmeres verhindern können. Das kann richtig übel und sogar langfristig und schleichend tödlich enden . Man nimmt diesen Impfschutz als so selbstverständlich hin, der eine Masern erkrankung so harmlos macht. Musste ich jetzt mal loswerden.. Gruß aus dem Home-office

Was machst du eigentlich den ganzen Tag, Kerstin? 02/2019 - Kerstin und das Chaos · 5. Februar 2019 um 20:39

[…] ersten Kaffee lese ich noch, dass es bei Herrn Mierau im Home Office wesentlich ungemütlicher ist und fange pünktlich um 9 Uhr mit meiner Arbeit […]

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