Über Namensfragen und eine vertane Chance

Veröffentlicht von leitmedium am

Draußen läuft ein Kind die Straße entlang und ruft lautstark nach einer »Harmony«. Harmony! Haaaaarmooony! Das muss diese Landromantik sein, die mir immer versprochen wurde, denke ich. Und ob die Eltern von Harmony vielleicht ein bisschen sehr viel Germanys Super Voice geguckt haben. Dabei habe ich mir als „Caspar“ ja eigentlich ehrenhalber geschworen, nie Namensscherze zu machen, ja, sie nicht einmal gedanklich zu formulieren, denn wer in der siebten Klasse von den Jungen von vier Klassen in der Sportumkleide „Tri Tra Trallala, der Kasper, der ist wieder da“ zu hören bekommt, solidarisiert sich für immer mit allen Namensopfern dieser, vergangener und zukünftiger Generationen. Aber bei den ganzen Dschäsons und Schantalles – oder genauer Dschäson-Elias und Schantalle-Maries in der Umgebung (Formel: englisch+biblisch) – fällt es zumindest schwer. Aber vielleicht werde ich einfach doch noch katholisch, dann kann ich zumindest um Abbitte leisten. Oder ich programmiere einen regionalen Kindernamensgenerator, der dann Namen ausgibt wie Blue-Aaron oder Sky-Lilith.

Wobei ich ja schon froh bin, wenn mein Name richtig ausgesprochen wird. Als mir letztens eine befreundete Mutter stolz erzählte, dass ihr Kind jetzt meinen Namen aussprechen könne und es auch unbedingt wolle und das schüchterne Kind ein wenig in meine Richtung schob, blickte ich ganz angespannt konzentriert und das Kind auch und erst schwieg es und dann schwieg es weiter und dann sagte es , mich fest im Blick, „FICKER“. Ich blicke etwas konsterniert und sagte, das sei … schön, ob es das nochmal sagen könne, und es wiederholte „FIIIICKKEEER“ und sah nun auch stolz aus und sichtlich erleichtert, es geschafft zu haben, und ich legte mein bestes ich-freue-mich-wirklich-sehr-Gesicht auf und ergänzte die lange Liste falscher Namens-Nennungen und -Schreibungen um ein weiteres, eher unerwartetes Wort.

Die Namensfrage für Kinder stellt sich für uns ja nicht mehr, nachdem wir nach drei Kindern ein bisschen unromantisch vor zwei Jahren dem „Mein Leben, meine Regie – Vasektomie“-Werbeplakat auf einer dieser immer weniger werdenden Uhren auf Plätzen in Berlin gefolgt sind. Aber das eigentliche Problem ist nicht die fehlende Möglichkeit, noch Kindernamen vergeben zu können, sondern die dadurch fehlende Chance auf eine vorgezogene Impfung. Meine schwangeren Freundinnen (manche, bitte keine Nachfragen, wer wo wie wann von wem warum, ich bin kein Mediziner 😉 und ihre Partner wurden in den letzten Wochen geimpft und ich dachte so »Ach Mensch, sieh an, auch nicht schlecht!«, und als ich dann noch las, dass mich meine Gewichtsreduktion der letzten Jahre auch noch ein bis zwei Risikogruppen gekostet hat, muss ich feststellen, dass die Aussage, weniger zu wiegen sei gesünder ja vielleicht pauschal gar nicht so stimmt.

(p.s.: Wer hier einen impfkritischen Kommentar schreibt, bekommt von mir einen Chip eingepflanzt, mit dem ich die Morgellons fernsteuere.)


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Die zu wenigen Texte hier kompensiere ich übrigens durch zu viele Instastories, in denen kleine Anekdoten landen, die es nicht in Texte schaffen.

In der aktuellen Folge MKL reden Patricia und ich über das Thema Vereinbarkeit im Job, davor haben wir über Kinderfilme gesprochen.

Kategorien: Montagspost

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Parteiloser Postprivatier.

1 Kommentar

Barbara Horninger · 28. April 2021 um 11:15

Sky-Lilith hört sich an wie eine Figur von den „My Little Ponys“. Würde gut zu Twilight sparkle, Rainbow dash, starlight Glimmer und co. passen.

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