Über Mikroplastik, Kinderspiele im Militärischen Sicherheitsbereich und falsche Zeiten an falschen Orten

Veröffentlicht von leitmedium am

(Fast) jeden Montag schreibt @leitmedium seine Gedanken zur letzten Woche mit und ohne Familie.

Mikroplastik!

Es hätte jetzt sehr viel Mikroplastik im Körper, weil ich ihm ein Wasser gekauft habe, beschwert sich eins der Kinder bei fraumierau. Ich hatte den unbedachten Fehler gemacht, unterwegs auf den Satz „Ich habe Durst“ mit dem hektischen Kauf des nächstbesten Wassers zu reagieren. Ein Nicht-Kauf wäre natürlich schlimmer gewesen, aber elterliches Besserwissen hilft jetzt auch nicht. Was ich denn sonst machen solle, wenn unterwegs über Durst geklagt wird, frage ich nach. Schulterzucken. Jetzt sei jedenfalls der ganze Körper voller kleiner Kügelchen! Immerhin würde das ja beim Schwimmunterricht helfen, weil Plastik oben schwimme, versuche ich, die Situation zu retten. Am eisernen Gesichtsausdruck erkenne ich, dass die Lage ernst ist.

Kicker-Unglück

Die letzten Personen, die von den Kindern etwas ungerecht beschimpft wurden, waren dafür selbst aus Plastik. Als ich vor kurzem mit dem Babysohn am Kickertisch stand und er mit seinen winzigen Ärmchen so gut es eben geht die Figuren drehte, platzte ihm irgendwann der Kragen über seine untätige Mannschaft. Er begann lautstark, die Spieler einzeln zu beschimpfen. »Du nichts machst, ich das nicht mag!«, donnerte es durch die Spielhalle, gefolgt von einem leichten Schubser auf den Rücken. Ich muss an Toy Story denken und bemitleide die roten Kameraden heimlich.

Nummernschild-Überprüfung

Schwieriger war die Situation, als wir letztens in einem Park spazieren waren und die Kinder wieder ihr Autokennzeichen-Spiel spielten. Wir kamen an einem kleinen Barock-Schloss an und sie zückten ihren Kennzeichen-Katalog. Auf einer A4-Seite haben sie dutzende KFZ-Kennzeichen notiert, um „zu überprüfen, ob wir ein Auto schon mal gesehen haben“. ?‍♀️ Sie stellen sich jedenfalls lautstark auf den Parkplatz, lesen Kennzeichen vor, zeigen auf Autos, tuscheln und schauen auf ihr Blatt. Ein paar kernige Typen starren etwas irritiert zu uns rüber. Ich überlege, mit einem Berliner „PROBLEME?!“-Blick zurückzustarren, als ich ein Schild mit der Aufschrift „Militärischer Sicherheitsbereich. Vorsicht Schußwaffengebrauch“ entdecke. Wir sind im Vorhof einer „Sicherheitsakademie“ gelandet und offenbar kommt eine unangekündigte Nummernschildüberprüfung nicht gut. Ich hüstle und ziehe die Kinder langsam rückwärts vom Gelände.

Zur falschen Zeit…

Ein bisschen habe ich ja ein Händchen zur Zeit für falsche Orte. Es gibt ja das Gerücht, dass Kitas so funktionieren, dass man morgens einfach sein Kind hinbringt und nachmittags wieder abholt. In der Realität sieht es so aus, dass man sein Kind ständig irgendwohin bringt, nur nicht in die Kita, weil diverse Schwimmeislaufsportbodenturnenchorprobenhastdunichtgesehen-Außentermine stattfinden. Der „Bring“-Kalender der Kinder ist damit voller als der von uns Eltern, nur leider müssen wir ja alle Termine umsetzen. Jedenfalls fragt man sich morgens leicht panisch, ob man irgendwohin muss und ich war froh, dran zu denken, dass ja Schwimmtag ist. Das war besonders knifflig, weil ein Kind war mit fraumierau im Krankenhaus und ich musste morgens gegen acht den Babysohn dort abliefern, um 8:45 an der Schwimmhalle zu sein. Schlau wie ich bin, habe ich in meinen Mails die Adresse rausgesucht und stehe stolz überpünktlich mit Kind und Schwimmsachen 8:35 Uhr vor der Halle und denke mir noch, wie blöd es ist, so weit fahren zu müssen und wie gut ich alles geplant habe, dennoch pünktlich zu sein. Gibt ja auch nähere Hallen, die man hätte nehmen können! Dieser Gedanke weicht zehn Minuten später der Frage, warum eigentlich sonst niemand kommt. Weitere fünf Minuten später kommt der leise Verdacht auf, dass ich vielleicht die falsche Mail erwischt habe. Hätte ich die dick markierten Buchstaben „WICHTIG: Ortsänderung Schwimmen“ gelesen, wäre mir vielleicht die Idee gekommen, woanders zu suchen. Jedenfalls steht man dann mitten in der Pampa, muss dringend arbeiten und es bleibt nichts anderes übrig, als das Kind einfach mit ins Büro zu nehmen. Immerhin gibt es da eine Kiste Lego und den Flair des besonderen Tages.

Sehr erwachsenes Trotzfoto

… am falschen Ort

Dabei hatte ich erst ein paar Tage vorher ein Kind mit Beinschmerzen im Büro, um Mittags zum Arzt gehen zu können. So eine Arztsuche gestaltet sich ja auch als schwierig, weil man erst erleichtert ganz viele Praxen auf Medizin-Portalen findet, dann freudig schier endlose freie Termine erblickt, bis man den kleinen „Privatpatient“-Schalter auf „Kassenpatient“ umlegt und plötzlich mitgeteilt bekommt, dass leider keine Termine online vereinbart werden können. In der Praxis stehe ich jedenfalls mittags fast eine ganze Stunde mit Kind an der Hand in der Schlange im Hausflur, um uns anmelden zu können. Endlich an der Reihe, erklärt man mir, dass seit heute ein neuer Arzt die Praxis übernommen hätte. Der sei wirklich ganz nett, würde aber leider nur Allgemeinmediziner und nicht Orthopäde sein. Da könne man mit dem Bein nichts machen. Es täte ihnen leid, einen schönen Tag noch, der nächste Bitte. Na wenigstens haben sie tausend Schilder in der Praxis, die erklären, dass man keine Handys benutzen darf, wie man atmen soll, aber eins, dass einen davon abhält umsonst im Flur zu versauern, nicht. Das Kind nimmt es jedenfalls mit Humor, wobei ich glaube, ganz heimlich ist es der Meinung, ich hätte nicht gut recherchiert. Und ich fürchte, es hat Recht.

Noch Zeit, was zu hören? In der neuen Folge MKL spreche ich mit Patricia über das Thema Schlaf.

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Kategorien: Montagspost

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Parteiloser Postprivatier.

1 Kommentar

Über autonomes Essen von glattem Müsli, eine Trampolinhalle und einen falsch abgezählten Geburtstag - vier plus eins · 22. Oktober 2018 um 23:40

[…] mal alle Fünfe gerade sein lassen. Und ich habe jetzt auch eine Geschichte, wenn mal wieder meine Schwimmhallenverfehlung von letzter Woche nacherzählt […]

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