Bitte, bitte, bitte, schlaf doch ein. BITTE!

Veröffentlicht von leitmedium am

Fast jeden Montag schreibt @leitmedium seine Gedanken zur letzten Woche mit und ohne Familie. 

22:00 Uhr

Quiiiieeeetsch. Quiiiiieeeeetsch Ich versuche auf meiner improvisierten Blog-Schreibmaschine (ein elf Jahre alter Laptop mit einem „The Internet was a Mistake“-Aufkleber) meinen Montagspost zu schreiben. Neben mir sitzt der Babysohn auf einem Holzdreirad und schiebt es langsam vor- und rückwärts, während er an einer Aprikose kaut und mich sehr aufmerksam beobachtet. Diese subtilen Geräusche bringen mich ein wenig um den Verstand. Und wenn ich beobachtet werde, kann ich nicht. Das ist wie pullern, denke ich. Wobei das wahrscheinlich nur ein Film-Klischee ist, oder? Jetzt zupft er an meinem Bein und fordert mich zum „bauen auf!“ auf. Wahrscheinlich wird er gleich wieder im Spielzimmer verschwinden, den gefürchteten Korb Duplo-Lego reinschleppen und scheppernd auskippen. Ich frage mich, warum die Menschheit zwar Drohnen mit Handysteuerung, aber kein geräuscharmes Lego zustande gebracht hat. Diese schrille Ton beim Kippen und Wühlen ist noch schlimmer, als der Schmerz, wenn man rauftritt.

22:15 Uhr

An den gewöhnt man sich wenigstens mit der Zeit. Letztens ist die große Tochter  auf einen Lego-Stein getreten und statt wie sonst als Kind einfach weiterzulaufen, sah sie aus wie der „shark stepping on a Lego“. Ich musste nach meiner geborgenen Anteilnahme kurz ein wenig kichern, weil es scheint ein Alter zu geben, ab dem Legosteine beim Drauftreten keinen Kinderrabbat mehr gewähren. Arbeitsthese: Mit Menschen über neun Jahren verstehen die Steine keinen Spaß mehr. Zwei Stichproben stehen noch aus.

22:30 Uhr.

Jetzt liegt der Babysohn auf mir drauf. Ich lasse ein paar „Elmo sings“-Videos laufen, was ich nur heimlich machen darf, weil sonst gibt es  Ärger. Geschlafen wird hier schließlich stromlos. Elektrosmog und pipapo. Dabei würde ich ja wirklich gern einen Text schreiben statt Sesamstraße zu sehen, aber was solls. So kann ich wenigstens irgendwas tun. Als die Kinder heute fragten, was eigentlich eine Mikrowelle sei und warum wir keine hätte, konnte ich nur betreten schweigen und zärtlich an diesen kleinen Wunderkasten denken, mit dem ich eine Zeit lang Kartoffeln garte, bis fraumierau ihn mit irgendwelchen Begründungen, die ich unter meinem Trennungsschmerz nicht hören konnte, aus der Wohnung entfernt hat. Während ich also zur Antwort auf die Frage ansetze, erklärt sie, dass es eben keine Mikrowelle gäbe, weil sie eine »Öko-Mutti« hätten. Hätte ich nicht besser formulieren können, doch, wenn ich Mutti gesagt hätte, huiuiui. Ich sehe jedenfalls, wie spätestens jetzt bei den Kindern das Interesse geweckt ist. Vielleicht gehe ich mit ihnen mal heimlich zu Freunden und wir machen uns Dosen-Ravioli, Kakao und Popcorn warm und gucken Fernsehen mit Werbeunterbrechungen.

23:00 Uhr.

Der kleine Sohn ist eingeschlafen. Wir legen ihn vorsichtig ins Bett. Vielleicht kann ich noch schnell ein paar Zeilen tippen?

23:01 Uhr.

Die größeren Kinder wachen auf. Durst. Toilette. Allgemeiner Weltschmerz. Ich fürchte, die haben einen Schichtplan.

23:05 Uhr.

Heute schreibe ich einfach mal nichts.

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Kategorien: Montagspost

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Parteiloser Postprivatier.

13 Kommentare

Martina · 17. Juli 2018 um 0:20

Meine ❤ liche Anteilnahme! Bei uns schlief K2 (21/2) um 22:30 und K1 (51/2) um 23:15. Es scheint etwas in der Luft zu liegen. Oder ist der Sandmann schon im Urlaub?!

    Sophie · 17. Juli 2018 um 10:35

    Hach, auch von mir Mitgefühl und ein aufmunterndes Lächeln! Gestern sind unsere Kinder auch erst 22 bzw 22:30 Uhr eingeschlafen, was bei den Kleinkindern schon sportlich ist. Man denkt ja immer, dass nur die eigenen Kinder so was bringen, deshalb tut es gut, auch diese Momente zu teilen. Merci!
    Und bis eben war es in meinem Kopf immer DIE Montagspost, die ich hier lese… ? Eventuell bin ich doch etwas nostalgisch verkitscht (Mikrowelle gibt es hier natürlich auch nicht!1! :))

Markus Müller · 17. Juli 2018 um 19:53

haha wie lustig und gar keine läuse 😉

June · 17. Juli 2018 um 20:20

Sehr gerne gelesen und mich sehr abgeholt gefühlt 🙂
Gegen das sehr nervige und laute Auskippgeräusch und auch ein wenig gegen das Suchgeräusch helfen diese Play & go Säcke, ich habe mittlerweile einen für Lego, Kapla und wertloses Bastelmaterial…
Liebe Grüsse

Stockenino · 17. Juli 2018 um 20:42

Bei uns herrscht seit dem Wochenende Urlaubsmodus. Das heißt – für mich – entspannter mit dem Ins-Bett-Gehen-Anstoßpunkt. Die andere Erziehungsberechtigte meint es strenger, aber da ich in diesem Tagen mit den Kinder beschäftigt bin, während sie auf ihre Promotion schreibt, diesmal macht man mit eine gewisse Flexibilität. Gott sei Dank, spätestens um 21/21:30 sind K1(5) und K2(3) eingeschlafen. Aber wie bei den üblichen WE, pflegen die beiden auch im Urlaubsmodus das früh Aufstehen – heute 6:30. Das heißt für wir Eltern, einigermaßen im Schichten ein wenig ausschlafen.
Viel Empathie für die unterschiedlichen Haltungen zu Mikrowelle und Co.

Doro · 17. Juli 2018 um 21:38

Unsere Dreijährige hat dafür gesorgt, dass drei andere Kinder im Kindergarten mit ihr Mittagsschlaf gemacht haben. Sie hat nicht geschlafen. *uff*
Ich hoffe, die anderen Eltern reden noch mit uns.

Natascha · 18. Juli 2018 um 0:30

Ein bisschen wie bei uns. Nur dass ich nicht ganz so gut im Durchsetzen bin. Bei stromlos und Mikrowelle und so… und heimlich dann auch die (sehr sehr sehr schädlichen) Vorzüge genieße… ?

    Chrissi · 18. Juli 2018 um 19:42

    Eis und Milch? 😉

Mariana · 21. Juli 2018 um 15:46

Vielen Dank, Herr Mierau! Und ich dachte, nur unsere Kinder schlafen nach 23 Uhr ein! Aber eigentlich ist ja erst um 22 Uhr, Sommerzeit und so.

Tikelli · 29. Juli 2018 um 21:35

Ich lese diesen Post schon zum 3. oder 4. Mal, so sehr tröstet es mich, dass auch andre Kinder abends sehr spät schlafen. Vielen Dank! Aber euer Babysohn muss morgens noch nicht aufstehen? Bei uns zieht das einen elenden Rattenschwanz nach sich: kurze Nacht, langer Mittagsschlaf, spät einschlafen, morgens für Kita wecken … … … Das kann ich dann irgendwann nicht mehr mit Humor nehmen 🙁

    leitmedium · 30. Juli 2018 um 22:25

    Es freut mich, dass der Beitrag Dir zumindest ein bisschen Kraft spendet. Auch wenn es gerade aussichtslos scheint: Es ist nur eine Phase. Wirklich. Und bestimmt wird der dunkler werdende Herbst dann auch wieder mehr Rhythmus bringen. Liebe Grüße!

vierpluseins: Schlaf doch bitte ein, Kind - Geborgen Wachsen · 17. Juli 2018 um 22:15

[…] und – späten Abendschlaf. Leider. Auf vierpluseins gibt es für alle, denen es auch so geht, hier einen Artikel, um es mit Humor zu […]

16. Juli: Und jährlich schläft nicht das Murmeltier - vier plus eins · 16. Juli 2019 um 7:51

[…] ja: Heute vor genau einem Jahr, schrieb ich in genau der Situation: »Bitte, bitte, bitte, schlaf doch ein. BITTE!«. Und LEGO-Steinunfälle gab es heute […]

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