Über vergebliches Pömpeln, Yoga auf der Straße, furchtbarer Kinderschlaf, Gefahr im Bett und XXXXXXXXXL

Veröffentlicht von leitmedium am

(Fast) jeden Montag schreibt @leitmedium seine Gedanken zur letzten Woche mit und ohne Familie.

Gluck

Was der Babysohn eigentlich gerade mache, fragt sie plötzlich. Gerade noch saßen wir als Paar entspannt bei einem Kaffee und redeten. Einfach so. Am helllichten Tag. Doch es war so still. So verdächtig still. Professionell strömen wir sofort wie ein Eingreiftrupp in der Wohnung aus. Ich finde das Kind im Bad auf einem Hocker stehend neben der offenen Toilette. Andächtig sieht es herab, während sich seine Finger in eine halb abgewickelte Toilettenpapierrolle krampfen. »NEIN!«, rufe ich noch, eile auf ihn zu und sehe, wie die Rolle in Zeitlupe in die Toilette fällt. Doch sie platscht nicht mal. Stattdessen versinkt sie sie langsam in einem Brei aus weißer Papiermasse. Eilig fische ich sie mit spitzen Fingern raus und betätige die Spülung. Erbarmungslos steigt der Wasserpegel. Ich versuche, mit dem Pömpel den Abfluss frei zu machen, doch nichts passiert. Die Toilette ist gnadenlos verstopft. Ich weiß, dass jetzt wieder einer der Momente kommt, die erst später lustig sind und greife rein in die weiche, breiige weiße Masse, um die Toilette irgendwie zu retten. Es ist kalt da unten im Ungewissen und ich frage mich, wo ich falsch abgebogen bin im Leben, um mit der bloßen Hand die Abbiegung am Abflussrohr zu ertasten.

Yoga auf der Straße?

Langsam löst sich die Verstopfung, der Babysohn gluckst und zieht weiter. Wahrscheinlich denkt er kopfschüttelnd, was Papa da wieder für einen Unsinn angestellt hat. Mit der Hand in die Toilette, der alte Scherzkeks! Vielleicht sollten wir von Papier ja doch auf eine Podusche umstellen. Aber dann müsste ich wohl die früher oder später aus der Toilette fischen. Mein Rücken ist nach der Aktion jedenfalls vollends ruiniert. Seit ein paar Wochen schon laboriere ich an einem „Ich habe Rücken“-rum, und auf allen Vieren im Bad rumkriechen macht es nicht besser. Mir wurde ja gesagt, ich solle es mit Yoga probieren, aber ein wenig genervt bin ich von dem Thema schon. Also abgesehen davon, dass die Figuren „Seekuh, auf dem Bauch liegend“ und „Walross, gestranded“ noch nicht gibt, quält mich ein wenig die ständige Berieselung mit absurden Yoga-Fotos auf Instagram. Da stehen dann Menschen mitten auf einer Straße und machen eine total entspannte Pose. Auf der Straße. Vielleicht habe ich ja was nicht verstanden, aber Überfahrenwerden ist kein Yoga-Ziel, oder? Aber was mecker ich, für seine Timeline ist man schließlich selbst verantwortlich.

Gefahr im Bett

Vielleicht war am Rücken ja auch der Schreck im Bett letztens schuld. Ich bin es ja schon gewohnt, wenn ich nachts ins dunkle Bett krieche (ich muss immer zuletzt gehen, sonst gibt es Ärger, weil die anderen so ungern das Licht ausmachen), erstmal vorsichtig rumzutasten, um die gefährlichen Gegenstände zu entfernen. Das ist in der Regel eine Handvoll Lego, ein Buch, drei Kilo Kuscheltiere, die zwar nicht gefährlich aber lästig sind. Doch diesmal lag da ein Fleischerhaken! So ein S-förmiges Stück Metall. Direkt auf meiner Bettstelle. Ich hatte kurz einen Herzinfarkt, dachte an alle Horrorfilme, die ich je gesehen haben (außer Nightmare on Elmstreet im Alter von 13 waren das nicht viele) und war dann eine Mischung aus sauer und erschrocken. Das Verhör am nächsten Tag ergab natürlich keine weiteren Ergebnisse, aber ich schwöre, der Babysohn hat ein bisschen verschmitzt geguckt.

Kinderschlaf

Immerhin hatte er an dem Abend geschlafen. Das ist zur Zeit so ein Problem: Zu elternfreundlichen Uhrzeiten einschlafen. Das Schlimme mit dem Kinderschlaf ist ja vor allem, dass er sich immer wieder verändert. Kaum hast Du Deinen Rhythmus gefunden und den Tag auf irgendwelche absurden Einschlaf- und Aufstehzeiten eingestellt, verändert sich der Rhythmus und alles ist dahin. Ich erinnere mich an den einen Kita-Elternabend vor ein paar Jahren, auf dem eine verzweifelte Mutter rumbrüllte, dass Ihr Kind verdammtnochmal nicht in der Kita schlafen solle, weil sie sonst keine Zeit mehr habe fürs Leben. Fand ich lustig damals ein bisschen, aber jetzt muss ich meinem Vergangenheits-Ich sagen: Augen auf beim Humor, Freundchen! Bis zu einem gewissen Kindesalter und einer geringen Kinder-Anzahl ging ja es ja noch, das jeweilige Kind im Auto durch die Gegend zu fahren. Was natürlich eine Umweltsauerei ist und irgendwer erzählte mir mal, das sei verboten. Das stimmt so halb, denn es „Unnützes Hin- und Herfahren“ ist tatsächlich eine Ordnungswidrigkeit nach §30 StVO. Aber die Frage ist ja: Ist Kinder zum Einschlafen bringen unnütz? ICH GLAUBE NICHT! Doch einigen wir uns drauf, dass Hin- und Herfahren mit dem E-Bike ja auch geht, nur fehlt da eben noch das sonore KFZ-Brummen. Ich wittere da eine Marktlücke: Selbstfahrende Einschlaf-Bikes mit beruhigendem Motorgeräusch.

XXXXXXXXXXXXXL

Aber zu den schönen Themen: Ich habe bald Geburtstag und werde 40. Yay! Oder? Na, doch. Jedenfalls sagte mir fraumierau, ich solle mir für mein Geschenk für den Geburtstag einen Anzug besorgen. Auf meine Frage, ob ihr klar sein, dass man sich für sein Geburtstagsgeschenk normalerweise nichts kaufen müsse, zuckte sie nur mit den Schultern. Jetzt ist das mit den Anziehsachenkaufen bei mir ja immer so eine Sache, weil ich passe ja nirgends rein. Und eigentlich hatte ich eh nur noch eine Hose. Also habe ich in den sauren Apfel gebissen und bin zu einem Ort gegangen, zu dem ich nie gehen wollte: Den Dicke-Leute-Anziehsachen-Laden, für alle Menschen bis XXXXXXXXXXL (hab die Xe nicht gezählt, aber es waren sehr viele). Das Gute vorweg: Man ist da freundlich, der Verkäufer ist auch untersetzt und damit vom Fach und ich brauche immer die kleinste Größe, haha! Man war sogar ehrlich und meinte, naja, diese eine Hose also die würde jetzt nicht soooo gut sitzen und vielleicht sollte ich Hosenträger benutzen statt Gürtel. War eigentlich ganz nett alles. Aber dann bekommt man bekommt an der Kasse so eine Tüte mit Aufdruck, bei der man sich dann überlegt, ob man sie vielleicht lieber in eine andere Tüte steckt, damit die Leute nicht sehen, wo man nun einkaufen war. Das ist wie damals, als in der Neunzigern der erste Beate Uhse Sexshop nahe unserer Schule aufgemacht hat und wir es sehr lustig fanden, die Kunden zu ärgern, die man auch hunderte Meter entfernt noch an den schwarzen Tüten mit silbernen Kreisen drauf erkannte.

So, und jetzt erstmal gegen Mitternacht noch mit Babysohn ein paar Bausteine stapeln…

 

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Kategorien: Montagspost

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Parteiloser Postprivatier.

4 Kommentare

j_ules · 19. Juni 2018 um 12:05

Falls du das mit dem Yoga doch ausprobieren möchtest, ich starte nächste Woche Dienstag einen Anfänger_innen Kurs. Körperpositiv, geborgen und garantiert nicht auf der Straße! 😉

einen schöne Woche
j_ules

Mariana · 19. Juni 2018 um 23:35

Danke und liebe Grüße aus der Schweiz, wo ich gerade den lustigen Beitrag las, während die kleine Tochter neben dem Bett Bausteine stapelt. Um 23 Uhr 30.

Doro · 20. Juni 2018 um 8:44

Liebe verstehende Grüße aus dem Süden der Republik. Ich habe gestern die Dreijährige um 22:00 Uhr geschnappt und bin noch eine Runde mit ihr spazieren gegangen.

Frank · 17. August 2018 um 12:47

Sehr schöner Artikel. Ich kann einiges sehr gut nachvollziehen. 🙂

Und daher mein Tipp: zwar keine selbstfahrende Babywiege…aber dafür kann man mit dem Kind zu Hause bleiben und muss keine 30€ Verwarnungsgeld zahlen. 😉

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