Über Mädchen oder Jungen, Babyccinos und umgeschubste OMAs

Veröffentlicht von leitmedium am

(Fast) jeden Montag schreibt @leitmedium seine Gedanken zur letzten Woche mit und ohne Familie.

Mädchen oder Junge?

„Ist das ein Mädchen oder ein Junge?“ Ein älterer Herr beugt sich im Café rüber und versucht, den Kopf des Babysohns zu tätscheln. Ich überlege kurz, ob „Ein Mensch, Sie Pflaume – und jetzt Finger weg“ eine adäquate Antwort ist, besinne mich aber auf ein gequältes „Wenn ich das wüsste!“, und setze das Kind schnell auf die andere Seite. Der Babysohn lächelt ungetrübt in der Gegend rum und merkt an, dass es jetzt Zeit für den nächsten „Tschino“ sei. Zwei Tage die Woche bringen wir die großen Kinder weg, und hängen dann zusammen in einem Café rum. Schließlich muss ich mein Image als bärtiger, tätowierter Klischee-Friedrichshain-Vater verteidigen. Zugegeben: Spätestens, wenn ich das Café betrete und einen Flat White und einen „Babyccino“ bestelle, rollen sich auch meinem früheren Ich ganz kurz die Nägel hoch.

Lächeln!

Aber was soll’s… Jetzt ist jetzt und eigentlich bin ich auch nur noch das begleitende plus eins. Denn der Babysohn wird mittlerweile – im Gegensatz zu mir – namentlich und mit einem High Five vom Cafébesitzer begrüßt und gibt die Bestellung ganz allein auf. Dann gucken immer alle ganz verzückt im Laden und ich kriege diese „Ach, haben Sie aber ein süßes Kind“-Lächelblicke. Muss man dann da eigentlich mit so einem „Ja, ich weiß – Wie wundervoll, dass sie mich drauf hinweisen“-Blick zurücklächeln? Mir ist die Erwartungshaltung da immer noch nicht ganz klar.

Würden Sie etwas für mich aufwischen, bitte?

Welpen-Gucken

Jedenfalls kann ich die leicht entnervten Blicke der Hundewelpen-BesitzerInnen verstehen, wenn sie auf der Straße von Horden von Kindern umringt sind. Na gut, ich bleibe ganz vielleicht auch stehen und gucke den tollpatschigen kleinen Vierpfötern zu. Aber es gibt natürlich auch ganz andere Reaktionen auf kleine Wesen. Zum Beispiel bei diesem einen Paar, wo sie immer so verzauberte Herzblicke zuwirft (dem Babysohn, nicht mir!), ihrem Freund ins Ohr tuschelt und er völlig genervt an die Decke starrt und versucht, mit jeder Pore zu sagen, wie scheiße er Kinder findet, das überhaupt nicht süß findet und jetzt erstmal Kondome für die nächste Dekade kaufen geht. Ich wette, Ende des Jahres haben sie Nachwuchs oder das Café gewechselt.

Väter-Cliquen

Angenehmer ist es ja, wenn noch andere Eltern mit Kindern da sind. Da geht man so ein bisschen in der Masse unter und Menschen ohne Kinder überlegen sich zweimal, ob sie jetzt wirklich einen Kaffee brauchen oder doch gleich Togo nehmen. Nur wenn die anderen Väter dann diesen „Jo, Bro, hast Du auch ein Kind, lass uns auf die Brust trommeln“-Blick draufhaben und sich gefährlich nah setzen, muss ich mich immer ganz geschäftig wegdrehen. Nur, weil man irgendwann mal ungefähr im gleichen Jahr Sex hatte, muss man ja nicht gleich eine WG gründen.

Guck.mir.zu!

Da wird dann aber gerne sehr exaltiert in diesem „seht her, ich habe ein Kind und kümmere mich allein“-Ton alles kommentiert, was man so macht. NA WILLST DU WAS TRINKEN. PAPA GIBT DIR WAS ZU TRINKEN. SOLL PAPA DIR WAS VORLESEN, WÄHREND DIE MAMA NICHT DA IST. Ja, mach Alter, und halt die Klappe, wir wissen, dass Du Dich fortgepflanzt hast, denke ich dann. Aber das darf ich hier nicht schreiben, weil das wäre wahrscheinlich sehr unachtsam. Schlimmer noch sind ja eigentlich nur die öffentlichen Windel-Checks, wo Eltern ihr Baby hochnehmen, ihre Nase tief in die Windel-Hintern pressen und laut die Frage stellen, ob sie Stinkie-Stinkie gemacht haben. Das ist wahrscheinlich so angenehm, wie wenn ein Riesenhund auf der Straße anschawenzelt kommt und einem statt „Hallo“ zu sagen erstmal die Schnauze in die Genitalien presst, um ganz entspannt die Lage zu checken.

OMAs umschubsen

Während ich also im Café immer so meinen misanthropischen Gedanken nachhänge, sitzt der Babysohn neben mir und beschäftigt sich hauptsächlich damit, seine Getränke umzustoßen. Letztens hat er es geschafft, zwei Babyccinos und eine OMA* umzuschubsen. Während andere Kinder wohl Hausverbot hätten, kam jedes Mal eine Bedienung an, stupste ihn auf die Nase und hatte diesen „Ich werde jedes Getränk für Dich aufwischen, Du Knuddel“-Blick. Ich vermute spätestens seitdem fraumierau folgendes Gespräch mitbekommen hat, dass das alles Absicht ist:

https://twitter.com/fraumierau/status/954808264205717505

* Das mit „Der Kleinste hat im Café eine OMA** umgeschubst!“ musste ich jeder Person, die ich kenne, ungefähr fünf Mal erzählen und fürchte, jetzt final im „geht allen mit Dad-Jokes auf die Nerven“-Alter angekommen zu sein.
** OMA = frisch gepresster Orange-Möhre-Apfel-Saft. Mehr dazu auch hier.

 

Hast Du den müden, abgerissenen Vater auf der Straße rumschlurfen sehen? Das war ich! Doch Du kannst mich mit einem Kaffee vor retten. Vielleicht bin ich dann nächste Woche wieder wach genug für einen Post? Lassen wir uns überraschen!

Diesen Sonntag, den 15.4., erscheint Folge Drei von Deutschlands mit Abstand besten Eltern-Podcast „Mit Kindern Leben„. Diesmal reden Patricia und ich über Arbeitsteilung in der Familie und ich verspreche, Patricia erzählt so eine Knallergeschichte, dass ich immer noch kichern muss.

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Kategorien: Montagspost

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Parteiloser Postprivatier.

6 Kommentare

Bergmama · 10. April 2018 um 13:43

hi,ich lese deinen blog noch nicht lange,aber fand ihn auf anhieb sehr witzig,pointiert,gut beobachtet,mit einer schönen portion selbstironie,einfach super zu lesen.
bei den letzten blogs hatte ich den eindruck,man hätte dir gesagt,da müsse jetzt aber unbedingt mehr sex rein und ein bisschen mehr ablästern.ich finde,der stil hat sich total verändert,was ich persönlich schade finde.
lieber gruss bergmama

    ccm · 10. April 2018 um 13:55

    ¯\_(ツ)_/¯

    mamaLu · 10. April 2018 um 20:43

    Eigentlich bin ich froh, dass es hier Stimmungsschwankungen gibt. Wie im Leben halt 🙂

Lena · 30. April 2018 um 14:30

Hab ich jetzt schon öfter gehört, dass es Kleinkindern unangenehm sein soll, wenn man an der Windel riecht in der Öffentlichkeit. Glaubt ihr das wirklich? Die reden doch so gern über ihre Ausscheidungen..

Vierpluseins: Montagspost - Geborgen Wachsen · 10. April 2018 um 21:02

[…] Die Blogartikel meines Mannes bekomme ich ja schon immer vor dem Veröffentlichen zu lesen und kann hier und da noch kommentieren. Meistens aber sehe ich nur kurz darüber, kichere ein wenig und freue mich, unser Leben auch mal aus seiner Sicht zu sehen, die sich doch so manches Mal sehr von meiner unterscheidet. Diese Woche hat er über Vater-Kind-Cafébesuche geschrieben, die immer wieder so ihre Tücken haben bei ihm. Hier gibt es mehr zu lesen und vielleicht zu lachen. […]

12 von 12 im April 2018 - vier plus eins · 12. April 2018 um 23:22

[…] Schule und Kindergarten und hänge mit dem Babysohn im Café rum, wo er seinen Babyccino trinkt und ausnahmsweise nichts umstößt. Das ist auch gut, weil er hat heute auch seinen Laptop dabei und so arbeiten wir beide ein […]

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