Riffel-Chips, Dönermesse, Captain Obvious, ein großes kleines Pferd und … oh… morgen ist schon Nikolaus?

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(Fast) jeden Montag schreibt @leitmedium seine Gedanken zur letzten Woche mit und ohne Familie.

Riffel-Chips

So gegen 22:30 treffen wir uns ja immer, die fraumierau und ich, und gucken eine Stunde irgendwas. Also sie tut so, als würde sie was gucken und schläft dabei in meinem Arm ein und ich gucke und berichte dann später beim Zähneputzen. Diesmal tappst es durch den Flur, der Sohn (4) steht im Zimmer. Wir sehen uns an. Er geht wieder raus und ich denke »ok, erledigt«. Da raschelt es in der Küche, er kommt wieder mit einer Tüte Riffel-Chips in der Hand. Riffel-Chips sind ein sehr wichtiges Gut bei den Kindern. Nichts ist besser als Riffel-Chips, oh Riffel-Chips. Er setzt sich mit den heiligen Riffel-Chips aufs Sofa, sieht eine viertel Stunde Gilmore Girls und knabbert dabei. Irgendwann verzieht er die Nase, kommentiert „Warum müssen sich die Erwachsenen eigentlich immer streiten?“ und geht wieder schlafen. Wenn sich da so eine halbe Portion völlig selbstverständlich kurz vor Mitternacht neben Dich mit einer Tüte Chips aufs Sofa setzt, um eine Runde fernzusehen, denkst Du entweder „Was?!“ oder „alles richtig gemacht“. Ich tendiere zu letzterem, aber das schreibe ich nicht, sonst gibt es Erziehungstipps aus dem Internet.

Bei solchen Auftritten jedenfalls fühle ich mich immer an Fernsehspiele erinnert. Diese merkwürdigen Filme, die eigentlich nur in einem Raum handeln, wo einzelne SchauspielerInnen ihre jeweiligen Auf- und Abtritte haben. Kinder haben auch so Auftritte und man kann eigentlich nur zusehen und etwas in sich hineinkichern.  Den besten Auftritt hatte eines der Kinder auf einer Döner-Messe. Irgendwas hatte mich geritten, dass ich auf eine Döner-Messe gegangen bin. Ich dachte mir, Kinder kriegen, Haus bauen, Dönermesse – mehr musst Du nicht erlebt haben im Leben. Die Ankündigung klang so schräg, da musste ich hin. Laufe ich da also mit dreijährigem Kind umher und wundere mich über das Parallel-Universum. Da wirft sich das Kind plötzlich auf den Boden und rollt sich hin und her. Hatte es noch nie getan und s war jetzt auch nicht idealer Zeitpunkt für einen Selbstfindungsschub. Es ist ja immer großartig, wenn einen dann hundert Leute anstarren und man versucht, den richtigen Ton zu treffen, um das Kind argumentativ wieder in die Senkrechte zu bewegen. Zu Hause jedenfalls sage ich „Kind… das war mir aber wirklich unangenehm vorhin!.“ Fand ich eine diplomatische Ansage. Das Kind sieht mich ernst an und antwortet „Mir auch, Papa, mir auch.“ In einer Sitcom hätte man jetzt einen Lacher einblendet.  Aber klar, nicht so richtig zu wissen, was man gerade will, ist anstrengend. Da muss man sich ja auch mal reinversetzen. Ich glaube, fraumierau schreibt gerade ein Buch über sowas. Ich frage sie aber lieber nicht, sonst gibt es einen Kurzvortrag und der Artikel hier wird nicht fertig.

Schulangelegenheiten

Aus der Schule gibt so mäßige Begeisterung. »Hab‘ heute Kunst, Englisch und Musik«, berichtet die Tochter. »Ich hasse Kunst, Englisch und Musik.« (Fächer aus Datenschutzgründen geändert, haha) setzt sie nach. Man will ja Kindern immer einreden, dass alles toll mit rosa Pfirsichduft und Schleifchen drum herum sei, also frage ich mit sanfter Stimme nach »Warum denn?«. Geplant ist ein sanftmütiges Gespräch über den Sinn des Lebens und dass Schule doch toll sei, man ja fürs Leben und nicht für die schule lernen und überhaupt. »Ich kann die Lehrer einfach nicht leiden.«, ist die knappe Antwort.  Was soll ich da jetzt noch groß moderieren? »Ich fand die meisten LehrerInnen auch Kacke. Aber da man viele Jahre zur Schule geht, sind auch ein paar dabei, die man richtig toll findet«, erkläre ich. Ich pfeife bei der Schule mittlerweile auf den rosa Plüsch. So ist es halt.

Letztens kam auch so eine tolle Mail aus der Schule. Zusammenfassung irgendeiner Elternkonferenz. Muss es ja immer geben, so Konferenzen und so. Stand drin, eine Frau Müller (Name geändert – bin gut heute) hätte gesagt, eine Verschiebung des Unterrichts sei „nicht zweckmäßig“. Es ist ja so eine Dauerfrage, warum zur Hölle man seine Kinder zum Unterrichtsbeginn 7:50 in der Schule abgeben muss. Da hört man dann oft überzeugende Argumente wie „Na weil ist so“ oder „Na, weil manche Menschen früh arbeiten gehen müssen“. Stimmt. Das ist halt nur kein Grund, gleich alle Kinder gesundheitlich leiden zu lassen, weil das ist dann nicht gerecht, sondern einfach ein bisschen arschig und Frühbetreuung kann es ja dennoch geben. Aber das ist ja alles noch etwas komplizierter, weil die LehrerInnen finden das ja manchmal auch ganz schnieke mit dem nicht so späten Feierabend. Verstehe ich, ist aber doof. Also fragte ich mal ganz unschuldig nach, wer denn diese Frau Müller nun eigentlich sei und warum sie einen späteren Schulbeginn (wie von vielen Studien nahegelegt) für nicht zweckmäßig halte. Nun, Frau Müller sei ja dann doch die Direktorin der Schule (ups) und der spätere Beginn sei nicht zweckmäßig, da ja dann »der gesamte Schulbetrieb daran angepasst und nach hinten verlagert werden müsste«. Ach was! Captain Obvious hat angerufen. Ich bin ja erstaunt, wie man mit so einer leeren PolitikerInnen-Antwort durchkommt. Würde nur noch getoppt werden von »Wasser ist nass«.

Pferdegeschichten

Zur Zeit werden hier ja ständig Pakete angeliefert wegen der Erstlingsbox. Ich glaube, die Lieferanten haben schon Angst, unseren Namen zu lesen. Es ist also nichts besonderes, wenn am Wochenende wie dieses auch ein riesiges Paket geliefert wird. Ich vermutete Matratzen oder so. War dann aber ein Pferd drin. Also ein Großes. So zum drauf sitzen für Kinder. Ich ziehe eine Augenbraue hoch und frage, warum da jetzt so ein riesen Tier im Zimmer steht. Das auch Geräusche macht. »Beim Bestellen wirkte es… äh… nicht so groß, und dass es Geräusche macht, wusste ich auch nicht.« beruhigt mich als Antwort nicht unbedingt. Die Kinder finden es toll und ein paar Tage hörte ich immer ein schlecht nachgemachtes Pferdegeräusch und Hufklappern, während in der Wohnung „geritten“ wird. Danke, Internet. Vielleicht sollte man doch so Tests in den Bestellvorgang einbauen, die kurz prüfen, ob man noch ganz bei Sinnen ist oder doch zu wenig geschlafen hat. Die gute Nachricht: Das Pferd war irgendwie eine Spende und erfreut jetzt woanders Menschen.

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Zu Pferden in der Wohnung habe ich ja eh ein gespaltenes Verhältnis. Vor kurzem kam jemand auf die glorreiche Idee, die Kinder zu „Build-a-Bear“ einzuladen. Das ist so eine komische Kette, wo man sich aus einer Auswahl von billigen Kuscheltierzutaten durch unangenehm freundliche Menschen mit Dauerlächeln sein ganz persönliches Kuscheltier zusammenbauen lassen kann. Da hofft man als Eltern dann noch, dass so ein brauner Teddybär mit Fell und Brumm entsteht. Statt dessen schleppen die Kinder dann beide Rainbow Dash in fast-Lebensgröße nach Hause. Einmal mit Kleid und einmal mit Schlittschuhen. Und beide haben im Bein vorne links einen Sensor. Wenn man den drückt, ertönt die Vorspannmelodie von My Little Pony. Als ob das nicht schon schrecklich genug ist, liegen die Dinger natürlich mit im Familienbett. Und jetzt ratet, was passiert, wenn man sich so drei Uhr morgens von einer Seite auf die andere Seite dreht:  »My Little Pony, My Little Pony Ahh, ahh, ahh, ahhh… I used to wonder what friendship could be… Until you all shared its magic with me…«. Usw. Ich kann den ganzen Vorspann auswendig. Den ganzen Vorspann! Ich weiß sogar, wie es in Stereo klingt, weil bei besonders viel Glück beide Ponys gleichzeitig angehen. Habe mir überlegt, jetzt einen Tag lang so oft auf die Hufe zu drücken bis endlich die Batterie alle ist.

Huch, Nikolaus?

Das mit Nikolaus ist dieses Jahr aus dem Ruder gelaufen. Die kleinen Aufmerksamkeiten für die Kinder sind so groß, dass sie Schuhgröße 87 bräuchten, damit es auch nur annähernd in die Stiefel passt. Bei uns Eltern hat es dagegen nicht ganz so gut geklappt. Als ich in der Straßenbahn nach Hause sitze, chattet mich fraumierau an:

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Da hilft mir die Kalendernotiz eine Stunde später auch nicht mehr. Warum geht der Alarm nicht am Tag vor vor Nikolaus los? Das wäre doch viel logischer.

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Aber das macht alles nichts, denn dieses Weihnachten schenken wir Eltern uns auch kaum etwas. Wir haben das Geld anderweitig investiert. Oh ja. Aber das erzähle ich ein andermal.

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Kategorien: Montagspost

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18 Kommentare

Susi · 5. Dezember 2016 um 23:11

Ich glaube, ich habe gerade (las dich zum ersten Mal)eine große Vorliebe entwickelt hier weiter Gast zu sein… Freue mich auf weitere Besuche.

Judith · 6. Dezember 2016 um 0:35

Build a bear? Du liebes bisschen, mit dem Zeug habe ich neulich auch Bekanntschaft schließen dürfen. Bin in unseren altehrwürdigen Spielzeuglagen gestolpert, die hatten umgebaut, und das komplette Untergeschoss war eine einzige Plastik-Plüsch-Fantasietier-Zusammenbaufabrik. Eine riesige Waschtrommel voll Füllflusen dreht sich da zwischen Ständern mit Zubehörteilen und sollte das Gefühl von handmade und unique vermitteln. Aber was man auch macht, es ergibt irgendwie immer ein scheußliches, groteskes….., krachmachendes, ….. ach. Ich habe schnell die Kinder genommen und in die Legoabteilung gelotst… Ihr Armen, mein Beileid, hoffentlich ist die Batterie bald leer 😀
Herrlicher Text mal wieder, danke für den amüsanten Tagesbschluss.

Christine · 6. Dezember 2016 um 7:35

Ich lese hier so gern 🙂

Das mit der halben Portion auf der Couch kennen wir die letzten Wochen irgendwie auch, beruhigend das es auch woanders genau so ist.
Die Antwort auf die Döner-Messe ist ja auch genial, das können nur Kinder. Das sind Sätze da möchte man echt mal in den Kinderkopf gucken können 🙂

jennifer-heart · 6. Dezember 2016 um 8:33

Großartig!

Fränzi · 6. Dezember 2016 um 8:44

Super witziger Artikel- wie immer.
Am Besten hat mir der selbstverständliche Vierjährige gefallen mit seinen Riffelchips. Alles richtig gemacht!

Frau Feuervogel · 6. Dezember 2016 um 13:06

Bei uns fängt die Schule um 07:15 Uhr an. Da fällt 07:50 Uhr unter „paradiesisch“ … (und manche Kinder kommen sogar mit dem Schulbus, weißte Bescheid) … ;o)

Franzi · 6. Dezember 2016 um 14:39

Ich muss bei deinen Texten immer so lachen! Vielen Dank dafür

jane · 6. Dezember 2016 um 17:01

Ähm, ich will dich ja nicht demotivieren, aber, was bei den BuildaBear-Dingern wirklich hält sind die Batterien! Sorry!

Januarmami · 6. Dezember 2016 um 20:32

Phänomenal! Mal darüber nachgedacht ebenfalls ein Buch zu schreiben? Würde bestimmt die Bestseller-Listen stürmen!

Lara · 7. Dezember 2016 um 9:53

Mein Kind ist leider/zum Glück noch zu klein und ich kannte die My little Pony Anfassungsmelodie noch gar nicht. Habe ich jetzt nachgeholt.

Gibt es in Berlin keine richtige Teddybärschule? Ich habe so eine mit ca. 11 Jahren mal besucht und in wochenlanger Arbeit einen eigenen Teddybär genäht, gestopft und halt alles selber gemacht. Vielleicht eine Idee für die Zukunft, wenn die Kids mal einen Bär richtig selber machen wollen. 🙂

Dani · 7. Dezember 2016 um 22:57

Bin ich auch eindeutig dafür, bitte ein Buch zu schreiben … ! Was sind Riffel-Chips?? Und find ich ziemlich schräg, den 4jährigen einfach mal so eine Chips-Fernsehaktion um Mitternacht starten zu lassen! Ob der das jetzt öfter macht … :)?? Und ich bin sehr, sehr glücklich, dass unsere Kreuzberger Schule fortschrittlich ist und der Unterricht um 8.50 Uhr beginnt. Zum „üben“ dürfen wir einen Tag um 8.00 Uhr kommen. Hier dürfen die Klassenlehrer/innen selbst entscheiden, wann sie beginnen möchten, jede/er für sich. Eine staatliche Schule wohlgemerkt! Was wollt ihr tun, leitmedium? Hinnehmen oder kämpfen?

Sabrina · 8. Dezember 2016 um 10:02

Hihihihi, danke. Der Artikel hat mir echt den Morgen versüßt. Kicherte erst mal in der S-Bahn fröhlich vor mich hin. Als echter Sitcoms-Fan, lesen sich deine Artikel wirklich herrlich bildhaft und ich sehe eure Familie tatsächlich wie auf der Mattscheibe vor mir.
Captain Obvious kannte ich noch gar nicht. hihihi
Ich freu mich schon auf die nächste Wochenzusammenfassung.

Liebe Grüße
Sabrina

Nadine · 13. Dezember 2016 um 7:55

Hmm, das mit dem Schulstart ist schon so ne Sache. Ich finde 7.50 Uhr jetzt nicht so wahnsinnig zeitig. Mein 5jähriger Sohn schon, meine 3jährige Tochter ist um die Zeit schon locker 2h wach…
Du wirst es wahrscheinlich nie allen Recht machen können. Denn die Kinder, die zeitig aufstehen, haben dann natürlich auch eher ein Konzentrationstief als die Spätaufsteher, sodass sich die gemeinsame, für beide Typen sinnvolle Lernzeit wohl nur über 3h erstreckt, bevor die ersten schon wieder eine längere Pause brauchen…

Kalay · 17. Dezember 2016 um 21:53

Ich möchte über neue Artikel gern per E-Mail informiert werden.

    leitmedium · 19. Dezember 2016 um 12:08

    Ich auch! Also, Spaß beiseite: Es gibt bestimmt Webseiten, die einen Blogs per Mail abonnieren lassen. Hier geht es aktuell leider nicht. Ich hatte eine Weile einen Newsletter, aber das war einfach zu aufwändig.

12 von 12 im Dezember 2016 - Geborgen Wachsen · 12. Dezember 2016 um 21:07

[…] wir müssen früh aufstehen, denn es ist ja Schule. Wie wir das finden, hat mein Mann kürzlich hier beschrieben. Ich brauche ja morgens immer eine ganze Weile, um in Gang zu kommen und bin froh, dass […]

Muss mein Kind seine Leher*innen mögen? - Geborgen Wachsen · 10. Januar 2017 um 8:00

[…] schrieb mein Mann hier in einem seiner Artikel darüber, dass das Kind in Bezug auf die Lehrer*innen in der Schule recht […]

Über Nikolaus, fehlendes Putzzeug und Erfrischungsstäbchen versus Doministeine - vier plus eins · 11. Dezember 2018 um 7:03

[…] Ob sie denn Schuhe mit Velour-Imitat irgendwo hätten?, versuche ich die Situation zu retten. Den Blicken entnehme ich ein tendenzielles Nein. Das sei überhaupt kein Problem, erkläre ich. Da könne man was machen. Man bräuchte nur eine Idee. Wie zum Beispiel… zum Beispiel… Sie könnten die Gummistiefel einfach mit einem Spülschwamm putzen! Meine begeisterte Stimmlage schwappt nicht so recht rüber und nur zwei von drei Kindern finden das Putzen von Gummistiefel in Ordnung. Immerhin. Kind drei lehnt auch meinen Vorschlag ab, doch ein bisschen Gesichtscreme in den Schuh zu massieren, weil Fett sei doch Fett. Immerhin waren wir besser vorbereitet als vorletztes Jahr. […]

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