Über fehlende Ostersüßigkieten, geschlossene Tankstellen, Abschied vom Küchenpapier und eine nicht brennende Hüpfburg

Veröffentlicht von leitmedium am

Fast jeden Montag schreibt @leitmedium seine Gedanken zur letzten Woche mit und ohne Familie. 

»Shit, Shit, Shit«

»Shit« tönt es aus dem Nebenzimmer. »Shit, Shit, Shit«. Ich werde hellhörig. Wenn es bei uns einen Superlativ des Schlimmen gibt, dann »Shit«. Doch wenn der Super-GAU vor der Tür steht, heißt es „Shit, Shit, Shit«. Was denn los sei, frage ich leicht besorgt. Sie starrt blass auf die Osterdekoration, die sie für den folgenden Ostersonntagmorgen aufbaut. Ich ahne, dass, egal, was jetzt kommt, etwas Ungemütliches für mich dabei herausspringt. Es täte ihr ja sehr leid, gibt sie zu, aber sie hätte die Ostersüßigkeiten vergessen. Alle. Kurz will ich einwerfen, dass ich ja schnell zum Späti kann. Dann fällt mir ein, dass wir ja auf dem Land sind und zur Landromantik gehört ja, dass man immer dann, wenn man etwas dringend braucht, sich einredet, es sei toll, dass man das jetzt nicht bekommt und dann entweder lange wartet und davon schlechte Laune bekommt oder mit dem Auto hunderte Kilometer fährt, die Umwelt versaut und davon schlechte Laune bekommt. Jedenfalls versuche ich die Situation hinzumacguyvern und erinnere mich an die Schale mit Weihnachtssüßigkeiten, die wir mal auf einem Schrank deponiert haben. Leider befinden sich darin nur noch Hustenbonbons. Na die würden den Kindern doch bestimmt auch schmecken, stelle ich betont euphemistisch fest. Sie sieht mich mitleidig kopfschüttelnd an.

Oster-Roadmovie

Hätten wir es nur wie alle gemacht und den Kindern erzählt, keine Süßigkeiten würden sie zu glücklicheren und besseren Menschen machen. Jetzt muss ich also kurz vor Mitternacht noch einmal los. Mir fällt die eine Tankstelle ein paar Dörfer weiter ein. Da wird sich schon was finden, mache ich uns Mut und fahre los. Zwanzig Minuten später lerne ich, dass es Tankstellen gibt, die nachts schließen. Eine Grundfeste meiner Weltanschauung bröckelt. Die nächste ist spürbar entfernt. Kurz überlege ich, einfach mal den Dienst zu verweigern. Dann stelle ich mir vier enttäuscht.grimmige Augenpaare vor und gebe innerlich auf. Weitere zwanzig Minuten später bin ich auf einer Autobahnraststätte. Während ich durch die Regale streife und irgendwas halbwegs passables suche, beobachtet mich die Kassiererin misstrauisch. »Mittelalter Mann um Mitternacht auffällig lang am Süßigkeitenregal« scheint verdächtig zu sein. Als ich zwei Hände voll Kekse und Schokoladeneier auf den Zahltresen lege, sagt Ihr Blick, dass sie weiß, warum ich hier bin. Ich beschließe, diesen Ort der Scham in Zukunft zu meiden.

Nicht zu viele Süßigkeiten!

Immerhin, der nächste Morgen, der natürlich noch früher als sonst begann, lief wunderbar. Glückliche Kindergesichter und kurz fünf Minuten Ruhe, als alle gefundenen Osternester auf einmal verspeist wurden. Ich nutzte die Gelegenheit, als Kind verhasste Tipps wie „Esst nicht zu viele Süßigkeiten, sonst müsst Ihr kotzen“ von mir zu geben. Manche Dinge sind ja einfach Tradition. Auch, dass die Kinder dann mit den Augen rollen und unbeirrt weitermachen. Job ist Job. Leider entschied sich ein Kind am selben Tag abends, dass ich ja doch recht hätte und kotzte mir zum Dank meine einzige Hose voll. Ich bin unsicher, was überwiegt: Die Freude, mal wieder so richtig Recht gehabt zu haben oder der Schrecken, den Ostermontag mit einer notdürftig gereinigten Hose zu verbringen. Wenigstens wurde mir von der Familie für nächste Woche ein 45minütiges Zeitfenster für das Besorgen einer Zweithose eingeräumt. Man soll die Feste feiern wie sie fallen.

Küchenpapier, adé

Beim Reinigen der Küche jedenfalls war ich froh gewesen, dass die Zeit noch nicht so vorangeschritten war. Vor kurzem wurde nämlich verkündigt, dass es bei uns bald keine Küchentücher aus Papier mehr geben würde, sondern nur noch welche aus Stoff zum selber auswaschen. Den Schrecken in meinem Gesicht beim Gedanken an all die vielen Reinigungsorgien auf dem Fußboden, versuchte ich noch Sonderkonditionen auszuhandeln, wurde aber abgewiesen. Ökoschnöko, Pech gehabt Herr Mierau. Kannst ja Deine Kinder nicht zu Fridaysforfuture lassen und währenddessen den Müll verstopfen, wa? Ich habe jetzt aber aus Selfcare-Gründen den Plan gefasst, mir heimlich ein Notfalllager anzulegen. Eine Rolle oder zwei. Nur so fürs Gefühl. Wie ein Spickzettel, den man nicht benutzt, aber dessen Anwesenheit einen sicherer in die Prüfung gehen lässt. Einem Kind ist übel? Ich bleibe ruhig! Vielleicht verstecke ich die Rollen einfach hinterm Toilettenpapier. Sehen ja ähnlich aus und fallen nicht so auf. Aber, Moment mal: Ich hoffe, wir bleiben dabei, Toilettenpapier zu haben oder ist das jetzt auch aus der Mode? Dann stecke ich sie vielleicht in einen Kopfkissenbezug. Irgendwie habe ich ja kein eigenes Kopfkissen mehr. Dann behaupte ich, die Papierrollen im Bezug seien jetzt ein veganes Kissen und werde vielleicht sogar reich mit der Idee.

Hüpfburg

Arm geworden sind wir letzte Woche, als die Kinder nach Monaten endlich ihren Traum erleben durften: Ein Nachmittag im Hüpfburgland. Das Hüpfburgland sieht von außen ja so einladend aus wie eine Geburtstagsfeier mit Ronald McDonald. Hässliche Hüpfburgen, diese großen schlabbrigen Luft-Figuren, laute Kompressoren, brüllende Kinder und genervte Eltern. Aber Wunsch ist Wunsch und es waren Ferien. Etwas misstrauisch wurden wir ja schon beim Cocktail-Aufsteller in der Mitte des Hüpfburg-Geländes. Von Mai Tai bis Sex on the Beach alle „Cocktail’s“ (augenrollsmiley) vorhanden.

Und während wir noch über die mögliche Weishei des Konzepts »Sich den Hüpfburgparadies-Besuch schöntrinken« diskutierten, löste eins unserer Kinder, das wir auch hin und wieder „Alarmi“ nennen, fast einen Feuerwehreinsatz aus, als es händewedelnd „FEUER FEUER FEUER – ES BREENNNNNTTT“ brüllend von einer Hüpfburg angerannt kam. Die Menge drehte sich panisch um und wären wir nicht betont ruhig auf unser Kind zugegangen, hätten wir wohl noch einen Feuerwehreinsatz bezahlen müssen, weil Alarmi von der Hüpfburg gesehen hat, wie ein Geburtstagskind auf dem Gelände Knallerbsen auf den Boden geworfen hat. Zugegeben, es ist Waldbrandstufe. Aber über Eskalationen bei Feuer werden wir noch einmal reden müssen.

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Kategorien: Montagspost

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Parteiloser Postprivatier.

4 Kommentare

Steffi · 23. April 2019 um 12:55

Danke für den Post – sehr sehr lustig ?, eine schöne Woche euch 4+1

A. Gaida · 24. April 2019 um 8:02

? Das Thema Küchenrolle… Kurz war ich selber schon davor, sie durch waschbare Tücher auszutauschen.
Dann schossen mir Bilder vir mein inneres Auge: Pipikaka Unfälle vom Kind und von der alten leicht dementen Hundedame, Reste von Mäusen die unsere Kater uns geschenkt haben oder (oder ausgekotzt)… Nicht zuletzt die tote Maus, die sich der Saugroboter gefangen hatte…. Ne, ne… Die Küchenrolle bleibt. Manche Dinge müssen unwiederbringlich entsorgt werden.

Anna · 26. April 2019 um 16:16

Zum Thema Küchenrolle kann ich meinen Erfahrungsschatz der letzten ca. 5 Jahre beisteuern. Das geht, sogar mit Kleinstkindern und Speibaby, ganz gut. Allerdings gibt es bei uns auch einen Satz alte Shirts etc. die zu Putzlappen herabgestuft wurden (Oma lässt grüßen). Passiert mal ein Malheure der üblen Sorte, nehmen wir einen davon und entsorgen ihn dann ganz ohne schlechtes Gewissen. Vielleicht funktioniert das auch fü euch?

elter · 26. April 2019 um 22:06

„Eure“ Hüpfburgen stehen auf einer Wiese! Bei uns ist Asphaltwüste drunter & drum.. Da hilft nur Grüne Wiese 😉

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