Über nachher, 40° Farben, Stockbrot, Rhabarber und sarkastisches Küchenpapier

Veröffentlicht von leitmedium am

Fast jeden Montag schreibt @leitmedium seine Gedanken zur letzten Woche mit und ohne Familie. 

nachher…

Ob ich jetzt was mit ihm spielen können, fragt der kleine Sohn, während er an meinem Hosenbein zupft und mich pausbackig herzerweichend von unten ansieht. Ja, also, jetzt gerade nicht, aber nachher auf jeden Fall!, erkläre ich. Sein Blick verfinstert sich. Er wolle nicht NACHHER, sondern HEUTE! Ich erkenne meinen kapitalen Fehler: Ich habe das nachher-Spiel eingeläutet. Ja, erläutere ich hektisch, nachher sei ja heute. Also später. Später, ja? Nein, heute wolle er. Nicht nachher. HEUTE. Ich beginne zu schwitzen. Ja, es sei auf jeden Fall heute. Heute könnten wir spielen. Nachher sei doch heute. Und später auch. Später sei nachher und das sei heute. Ich verheddere mich in Sätzen. Er schaut grimmig. Ich fange unpädagogisch hilflos an zu kichern. Mach mich nicht lustig!, schmettert er mir entgegen, kneift mir ins Bein und geht. Vielleicht sollte ich zu einer Hypnosetherapie gehen und mir das Trigger-Wort „nachher“ wegtherapieren lassen.

Harry Potter Teller – vorher…

40° Farben

Jetzt jedenfalls habe ich es mir mit allen Kindern gleichzeitig verscherzt. Vor kurzem kamen die großen Kinder mit selbst bemalten Harry Potter Tellern nach Hause. fraumierau veranstaltet in der Schule einen völlig überlaufenen Harry Potter Bastelkurs, der wohl mittlerweile dazu führt, dass das Schulkind mantraartig auf dem Schulhof „Nein, ich kann Dich nicht in den Bastelkurs meiner Mutter schmuggeln“ vor sich hersagt. Jedenfalls räume ich in der Küche auf und sehe ein paar Farbtöpfe und denke, ach mensch, da kann ich ja auch einen Teller bemalen! Vielleicht mit einem Obstmandala? Das wäre doch lustig. Zumal wir doch noch zwei unbemalte Teller haben, wie ich beim Ausräumen des Geschirrspülers merke. Ja, erklärt fraumierau, wir hätten JETZT wieder zwei unbemalte Teller. Weil die Farbe bis 40 Grad halte und ich sie ja unbedingt in den 50 Grad heißen Geschirrspüler habe stecken müssen. Das dürfe ich jetzt den Kindern beibringen. Betroffen sehe ich die Teller an, deren eben noch verführerisches „bemal mich“-Weiß sich binnen Sekunden in ein „danke für nichts! und viel Spaß mit den Kindern“-Weiß verwandelt hat. Nach einem kurze Zeit später erfolgten Geständnis beschimpfen mich die Kinder etwas und finden jegliche „aber das wusste ich doch nicht“-Erklärungen wenig überzeugend.

Harry Potter Teller – nachher…

Stockbrot

Um meine Beliebtheit wieder zu steigern, schlage ich vor, Stockbrot zu machen. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nie wieder im Leben Stockbrot zu machen und das Wort Stockbrot, wenn ich schon mal bei der Hypnose bin, neben „nachher“ gleich mit zu vergessen. Denn Stockbrot geht eigentlich immer so: Man macht viel zu viel oder viel zu wenig Teig, stellt fest, dass man wirklich keine passenden Stöcker hat, sucht hektisch welche in der näheren Umgebung und findet nur zu kurze oder zu dünne und umwickelt sie zu dick mit Teig. Die Kinder sind erst völlig enthusiastisch, halten das Stockbrot für genau eine Minute, finden es dann langweilig oder zu anstrengend und man verbringt den Rest des Abends mit nachhaltigen Haltungsschäden damit, eine außen verkohlte, innen noch rohe Masse davor zu bewahren, direkt in die Flammen zu fallen. Die Kinder jedenfalls waren gleich Feuer und Flamme, ich wieder rehabilitiert und dann durfte ich, naja, den Abend eben auf Knien neben dem Lagerfeuer verbringen und drüber sinnieren, ab wann so ein Stockbrot eigentlich krebserregend ist, was es für nachher-Synome gibt und warum man Teller-Farben herstellt, die bei 50°C schon das Zeitliche segnen.

Rhabarber

Am nächsten Tag dann aber gibt es meinen Garten-Moment! Das erste Mal im Leben ernte ich meinen eigenen Rhabarber und gehe allen ein wenig auf die Nerven damit. Alles ist schön! Wie eine grüne Elfe schwebe ich durch den Garten. Rhabarber hier, Rhabarber da. Immerhin mögen die Kinder auch Rhabarber und freuen sich über meinen frischen, warmen Kompott. Besonders ein Kind, das gleich drei Schüsseln verlangt. Und während ich noch drüber doziere, dass man wirklich öfter Rhabarber machen sollte und oh wie schön ist Rhabarber, höre ich ein merkwürdiges Geräusch aus dem Flur.

Nie wieder sarkastisches Küchenpapier!

Fünf Minuten später finde ich mich im Flur kniend Kinderkotze aufwischend wieder und schwöre, nie wieder im Leben Rhabarber zu essen. fraumierau merkt an, dass es ja schon lustig sei, dass auf den Küchentüchern „bon appetit“ stehe. Das habe ich jetzt davon, dass ich nicht auf sie gehört und wiederverwendbare Ökoschnöko-Küchentücher selbst gemacht habe.

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Kategorien: Montagspost

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7 Kommentare

Richard & Hugo · 16. April 2019 um 8:09

Wenn’s läuft, dann läuft’s oder wie war das? 😉
LG, Richard & Hugo vom https://www.vatersohn.blog/

Ekia · 16. April 2019 um 22:11

Danke für die ‚Stöcker‘ – ich wurde letztens am Lagerfeuer gemobbt, dass ich unfähig sei die Mehrzahl von Stock zu bilden und ob ich denn auch Eierstöcker hätte. Das hat mich kalt erwischt, aber immerhin scheine ich nicht allein mit diesem Fehler zu sein 🙂

Jetzt wo ich schonmal dabei bin zu kommentieren kann ich ja auch gleich noch ein bisschen klugscheißen und mein Selbstwertgefühl wieder aufpeppen: Ich habe im Chemie-LK gelernt, dass Kinder nur sehr wenig Rhabarber essen sollen, weil etwas darin Calcium bindet, das Kinder für die Knochen brauchen. Keine Ahnung bis zu welchem Alter. Hat der Kindermagen also alles richtig gemacht.

mIES · 17. April 2019 um 21:47

Rhabarber enthält Oxalsäure & sollte in jeden Fall nur in Maßen verzehrt werden..

LeRö · 18. April 2019 um 21:25

Ist nur mir aufgefallen, dass noch ein weiteres Wort der Vergangenheit angehört und aus dem Babysohn der kleine Sohn geworden ist? 🙂

Anne · 18. April 2019 um 22:08

Oh vielen Dank für diesen Artikel! Mir geht es gleich besser,denn ich habe einen Leidensgenossen- ich erinnere mich gut an letzte Woche, ein toller Frühlingstag und die Kinder und ich wollten Stockbrot- für eine Minute,doch dann kam der Qualm und der Rauch und ich fragte mich,ob wir nun alle an der hohen Feinstaubbelastung in unserem Garten sterben werden ?zu allem Überfluss waren die Kinder frisch gebadet, und wir dufteten gefühlt noch 3 Tage lang…
„Mama,baden wir jetzt nochmal?“ – NACHHER,mein Spatz ? wenn du eine erfolgreiche Hypnose hinter dich gebracht hast,bitte melden!!!

Beatrix goes Bern · 24. Mai 2019 um 21:45

Stöcker ist sooo ein norddeutscher Begriff. im Süden kennt das keiner und ich werde auch immer schief angeschaut.

Habe herzlich lachen müssen bei deiner Beschreibung. Nur die Anspielungen mit der Hypnosetherapie habe ich nicht verstanden 😀 vielleicht ist es schon zu spät für mich heute..

Wünsche dir alles Liebe und Alls Gute weiterhin,

Bee

vierpluseins: Familiengeschirr - Geborgen Wachsen · 16. April 2019 um 21:40

[…] montags schreibt Herr Mierau hier über den Familienalltag. Diesmal geht es unter anderem um das Familiengeschirr, Stockbrot und das […]

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