Über Wuh-Macher, Frieren und Nicht-Singen an St. Martin und die Kissen-Nahrungskette im Familienbett

Veröffentlicht von leitmedium am

Fast jeden Montag schreibt @leitmedium seine Gedanken zur letzten Woche mit und ohne Familie.

Wuh-Macher

Die Wuh-Macher sollen endlich weggehen, beschwert sich der Babysohn. Wir stehen auf der Straße, halten Laternen in der Hand und versuchen gemeinsam mit anderen Familien, einen eloquenten Kita-Martinsumzug auszurichten. „Wuh-Macher“ ist zur Zeit die lautmalerische Bezeichnung für Menschen, die mit Geräten Krach machen. Natürlich haben wir mit dem Martinsumzug das Glück, dass genau hinter uns eine Horde Laubbläser der Stadtreinigung herläuft und leicht schuldbewusst in unsere Richtung bläst, während wir uns Mühe geben, um mit Gesang das Getöse zu übertönen. Vom Lautstärkepegel bewegt sich unser Gesang wahrscheinlich auf Anti-Atom-Demo-Niveau, was aber nichts macht, da man eh nichts versteht.

St. Martin: Singen

Eigentlich ist es mir gar nicht so unrecht, dass niemand etwas hört, weil wir es wie immer geschafft haben, die blöde Kopie der Liedertexte, die man uns ganz ordentlich in der Kita ans Fach geheftet hat, zu verlegen. Ich versuche mit „St. Martin-Teilen-hihi“-Scherzen anderen Eltern leicht auf die Pelle zu rücken und auf ihr Blatt zu starren. Das ist vom Licht ja auch möglich, weil man irgendwie der Meinung war, dieses Mal noch bei Tageslicht mit dem Laternenumzug loszuziehen. Meine schnippische Bemerkung, dass wir bei den Lichtverhältnissen ja die Laternen ganz auslassen könnten, zumal ja ganz offenbar auch noch Arbeitszeit bei der Stadtreinigung sei, verhallt im Getöse. Jedenfalls starre ich auf die Liedtexte und bin wie jedes Jahr irritert, wie man eigentlich Lieder vom Blatt singt, die man gefühlt das erste Mal hört. Also nicht, dass ich jetzt ausgiebig Noten lesen könnte, aber warum können immer alle anderen Eltern die Lieder und man selbst steht wie angewurzelt, starrt sprachlos den Chor an und bewegt dabei möglichst geräuschlos die Lippen? Und wo bleiben eigentlich „Laterne Laterne“ und „Ich geh mit meiner Laterne“? Restlos gestrichen! Die einzigen Lieder, die ich auswendig kann und immerhin einmal pro Jahr laut schmettern darf – totgeschwiegen. Ich vermute eine subtile Schikane gegen unvorbereitete Eltern dahinter, während ich leicht missmutig singen-vortäuschend dem Umzug in den Sonnenuntergang hinterherlaufe.

St. Martin: Frieren

Aber St. Martin ist ja immer so ein bisschen ein Wechselbad der Gefühle. Pünktlich zum 12.11. – einen Tag nach St. Martin – ereilt uns jedes Jahr zu Hause die erste Erkältungswelle. Das könnte damit zusammenhängen, dass ich jedes Jahr am 11.11. draußen stehe und irgendwann denke, dass es jetzt ja doch auch ganz schön frisch ist und ich mir doch letztes Jahr vorgenommen hätte, das nächste Mal endlich warm genug angezogen zu sein. Aber wahrscheinlich kann man einfach nicht warm genug für St. Martin gekleidet sein und vielleicht passt das Frieren ja auch zum Thema des Tages. Das mit dem Teilen hatte aber auch nicht so recht geklappt. Bei der kurzen St. Martin Aufführung auf dem Spielplatz hat niemand sein frisch gebackenes Brot mit mir geteilt, und ich stand, wieder sechsjährig, ein wenig vereinsamt herum und fand das Leben blöd. Als es dann eine halbe Stunde später mitten im Umzug zu regnen begann und alle missmutig in den Himmel blickten, zückte ich meinen Miniregenschirm aus der Manteltasche, legte mein „Tschja, der ist leider zu klein zum Teilen“-Lächeln auf und genoss ganz kurz den Moment, bevor erst das schlechte Gewissen kam und dann die Kinder den Schirm mit einem strengen Blick konfiszierten.

Kissen am Ende der Nahrungskette

Es gilt ja weiterhin die Regel, dass ich quasi am Ende der Nahrungskette stehe und da habe ich es mir auch eigentlich ganz bequem eingerichtet. Nur manchmal gibt es diese Momente, in denen ein kurzes Aufbäumen, ein Auflehnen gegen die herrschenden Zustände versucht, doch ein kleines Stück des Kuchens zu erhaschen. Zum Beispiel wenn ich abends ins Familienbett gehe und Kinder, die mir nicht mal bis zur Hüfte gehen, ein riesiges Kissen allein okkupieren, während für mich so ein Fingerhut-großes Kissen mit Motivations-Sprüchlein aus einem dämlichen Deko-Laden übrig bleibt. Ein paar Wochen konnte ich schwungvoll einfach das große Kissen unter dem Kind hervorziehen, wie damals die TV-Zauberer die Tischdecke unter einem gedeckten Tisch, doch diesmal klirrte es und es gab einen frühkindlichen Aufstand, was ich mir einbilde, einfach ein großes Kissen zu wollen. Ich habe mir dann einen Pullover untergelegt und beschlossen, mich irgendwie zu revanchieren. Vielleicht mache ich den Obstteller linksdrehend und die Toilettenpapierrolle ist ein Wochenende lang falsch herum im Halter.

Wenigstens der Rest vom Obstteller versteht mich.

Ende der Waschbecken-Saga

Die gute Nachricht zum Schluss: Wir haben wieder ein Waschbecken im Bad! Nachdem zunächst ein kaputtes Waschbecken geliefert wurde und wir zwei Wochen über den Brocken im Flur stolperten, kamen endlich die neuen Handwerker mit einem Ersatz und… stellten fest, dass sie gar Anschlüsse ans Wassersystem vornehmen dürften und gingen wieder. Ich war zugegeben kurz davor, eine kleine Hasskappe zu schieben, aber diesmal schaffte man es dann doch am selben Tag nochmal vorbeizukommen, das Becken anzuschließen und uns nochmal aufzuklären, dass man die Waschmaschine ja nicht anschließen dürfe, weil die sei ja ein Altgerät, aber man hätte sie, sage man mal, rangesteckt, hust hust und na ja der neue Unterschrank sei ein wenig schief, aber wir seien doch nicht pingelig, oder? Auf Wiedersehen. Handwerker in Berlin muss man einfach lieben, sonst verzweifelt man. Die Kinder finden es jedenfalls toll und mein Plan, dass mit dem neuen Doppelwasserhahn nicht mehr warm und kalt gleichzeitig aufgedreht wird, wenn man mal nur kurz die Hände wäscht, ist fast aufgegangen: Plötzlich sind hier alle LinkshänderIn und es wird einfach nur noch warm aufgedreht. Der Wille zählt. Der Wille zählt.

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Kategorien: Montagspost

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Parteiloser Postprivatier.

2 Kommentare

Nika_82 · 20. November 2018 um 21:25

Hm, tja nun, ich schmunzelte schon im vorherigen Beitrag ob des Planes mit dem Doppelwasserhahn. Ich würde ja auch fast behaupten, dass ein so erfahrener Vater bezüglich der Kombination von Kindern mit sanitären Einrichtungen es eigentlich hätte besser wissen müssen. ?
Viele Grüße aus RLP.

    Robert · 20. November 2018 um 21:55

    …oder einfach nur noch einen Kaltwasserhahn für das Waschbecken! Würde die Sache dann grundlegend klären.

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