Über Halloween-Tourismus, nicht-nicht-gruselige Hunde, die Waschbecken-Saga und Freund!

Veröffentlicht von leitmedium am

Fast jeden Montag schreibt @leitmedium seine Gedanken zur letzten Woche mit und ohne Familie.

Gruselig

Und dann würden sie sich als Vampire verkleiden. So richtig gruselig! Während die Kinder in Halloweenvorfreude schwelgen, frage ich mich, was für eine Vorstellung von „richtig gruselig“ sie eigentlich haben. Schließlich haben wir es immer noch nicht geschafft, Disneys „Elsa“ zu gucken, oder wie das Eisdrama heißt, weil der Film doch ein wenig zu heftig sei, wie beim letzten Versuch alle einhellig befanden. Was immerhin den Vorteil hatte, dass bisher die Elsa-Mappe, Elsa-Federtasche, Elsa-Leggings und allgemein Elsa-alles-Phase spurenfrei an uns vorbeigegangen sind und wir auf Schulhof und im Kindergarten immer nur die Kinder suchen mussten, die nicht die hellblaue Eisprinzessin waren.

Der Skelett-Hund

Ich hatte mir unter Halloween-Ausstattung ja ein bisschen Schminke und ein paar alte Lumpen vorgestellt, war mit dieser Idee aber offenbar allein. Plötzlich zierten Spinnenweben unser Haus, Kerzen glommen überall, es roch nach professioneller Theaterschminke und ein tatsächlich ziemlich gruseliger Skelett-Hund stand im Flur. Auf meine Frage, warum sie ausgerechnet einen Skelett-Hund ausgesucht hätten, wussten niemand eine Antwort. Er sei eben voll gruselig! Aber selbst der Babysohn fand ihn lustig und spielte damit wie mit seiner sonstigen Holzfigurenausstattung. Als eine Nachbarin vorbeischaut und das täuschend echte Hundeskelett erblickt, erkundigt sie sich möglichst unauffällig, wie das damals eigentlich genau mit dem Hund lief, den wir nur eine Woche hatten. Das patzige „Na, der ist jetzt weg“ der Kinder hat die Geschichte wahrscheinlich nicht ganz zufriedenstellend aufgeklärt.

Halloween-Tourismus

Halloween auf dem Dorf scheint mittlerweile feste Tradition. Zumindest in diesem. Die Häuser sind dekoriert und Horden von Kindern ziehen stundenlang umher und sammeln in großen Beuteln kiloweise Süßkram. Ich wundere mich jedoch jedes Mal, wo jetzt eigentlich die ganzen Kinder plötzlich herkommen, weil man die sonst nie sieht. Rechnerisch scheint plötzlich in jedem Haus eine fünfköpfige Familie zu wohnen. Gehen die sonst nie vor die Tür? Bis ich jetzt das erste Mal von Halloween-Tourismus hörte. Halloween-Tourismus! Aus den umliegenden Städten und Dörfern wird wohl extra angereist, weil die Beute hier besonders hoch sei. Das ist eigentlich gut, denn in Anbetracht der erdrückenden Menge Zucker ist geteiltes Leid ja halbes Leid.

Halloween-Entsorgung

Am nächsten Morgen im Büro geht der unbekanntere Teil des Halloween-Rituals weiter: Eltern schleichen sich in die Teeküche und schütten mit leicht gerümpfter Nase Berge von Süßigkeiten auf den Tisch. Was die Kinder nämlich noch nicht wissen: So bald sie im Bett sind, beginnt der eigentliche Spuk. Magisch verschwinden Großteile der Beute in elterlichen Taschen. Besonders betroffen jene Süßigkeiten, die in fragwürdigen Farben strahlen oder den Kalorienbedarf einer Kleinstadt decken. An KollegInnen kann man sowas ja ruhig verfüttern. Die freuen sich und man selbst fühlt sich gleich noch ein bisschen nachhaltiger. Während ich drüber nachdenke, ob es jetzt eigentlich nett ist oder nicht, merkwürdiges Essen im Büro zu verfüttern, rufen mich die Kinder atemlos an. Sie wären gerade mit fraumierau im Wald gewesen und da hätten sie Reste von einem Hund gefunden! Ein Schädel – mit Zähnen! Es sei so schrecklich gewesen! Äh, Moment mal, hake ich nach, sie hätten ein Hundeskelett gefunden? Ja, genau, so gruselig! Ja, aber, gestern hätten sie Hundeskelette doch noch witzig gefunden? Das sei etwas völlig anderes! Völlig! Sie würden nie wieder schlafen können. Und in den Wald auch nicht mehr gehen. Nie wieder. Mit etwas Glück, denke ich, können wir jetzt wenigstens den blöden Skeletthund wieder entsorgen, bevor noch andere NachbarInnen Fragen nach seiner Herkunft stellen. Man soll ja immer das Positive sehen.

Die Waschbecken-Saga

Ein bisschen positive Bewegung ist bei uns auch wieder ins Bad gekommen. Wir haben ja mittlerweile das dritte Waschbecken mit einem Loch drin. Ich kann bis heute nicht genau sagen, wieso, aber ich vermute, dass sich jedes Kind das Recht herausnimmt, mindestens ein Waschbecken persönlich zu zerstören. Alte Familientradition. Jedenfalls wollten wir es diesmal richtig machen und haben uns gleich ein neues Becken mit Unterschrank und Menschen, die was davon verstehen, bestellt. Und weil ich immer sterbe, wenn sich jemand drei Sekunden die Hände wäscht und dafür nutzlos die Gastherme anspringt, durfte ich mir sogar zwei verschiedene Hähne wünschen. Einen für kalt und einen für warm, wie damals vorm Krieg. Dann müssen sich die Kinder auch nicht mehr das „DEN HAHN GANZ NACH RECHTS DREHEN“-Genöle von mir anhören, wenn sie nach der Toilette im Vorbeigehen so tun, als würden sie sich die Hände waschen und die Therme unter Ächzen kurz anspringt, ohne dass warmes Wasser je irgendwo ankommt.

Freund!

Jedenfalls treffen die Handwerker mit der Lieferung ein und beschweren sich erst einmal, dass sie ja gar nicht beauftragt seien, das alte abzubauen. Ein wenig „So hatten se ditt aba nich bestellt!“ gehört inklusive „doch, natürlich!“ in Berlin zum gepflegten Handwerksauftrag nämlich dazu. Die Show war aber spätestens vorbei, als sie unser neues Waschbecken auspackten und es einen Sprung hatte.  Wenigstens lockerte der Babysohn mit einem „Mist, kaputt!“ die Stimmung. Wobei fraumierau für mehr Heiterkeit sorgte, als sie mich „Freund“ rief. Was wir eben so tun, seit nun 13 Jahren: Uns Freund und Freundin nennen. Als die Handwerksarbeit beendet war, rief man mich in den Flur mit „Chef… äh… Freund!“ und brach in schallendem Gelächter aus und ich glaube, so richtig ernst werden wir hier auch nicht mehr genommen. Immerhin auch nur zwei Wochen Wartezeit, bis das nächste Waschbecken geliefert wird. So lange haben wir ein altes Defektes im Bad, ein neues Kaputtes im Flur und weiterhin die Frage: Warum?

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Kategorien: Montagspost

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2 Kommentare

Lilm · 13. November 2018 um 21:33

… und wenn da einfach jemand seinen Skeletthund im Wald entsorgt hat, weil die Nachbarn zu viele Fragen gestellt haben?

j.hillerkuß · 3. Dezember 2018 um 8:36

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