Über gefährliches Toastbrot, brennende Bausteine, sprechende Steckdosen und Knisterschokolade

Veröffentlicht von leitmedium am

(Fast) jeden Montag schreibt @leitmedium seine Gedanken zur letzten Woche mit und ohne Familie.

Gefährliches Toastbrot

Sonntag Morgen. Ich schlage die Augen auf. Draußen ist es hell. Ich liege im Bett. Allein. Etwas stimmt nicht, signalisiert mein Gehirn. Gefahr! Warum bin ich allein im Bett? Und warum riecht es nach Toastbrot? Wir essen fast nie Toastbrot! Scheiße, ich habe einen Schlaganfall! Ich liege allein im Bett, alle sind weg und ich habe einen Schlaganfall! Verdammt, so habe ich mir das Ende nicht vorgestellt!

Die Zeiten, in denen ich es Sonntag morgens wieder genießen kann, wenn die Familie mich mal ausschlafen lässt, müssen wohl noch etwas warten. Zumindest sollte sich die Schlaganfall-Angst legen, wenn die Kinder beim Frühstück machen die Brötchen nicht mehr in Briketts verwandeln. Zu ihrer Verteidigung: Das mit dem Elektro-Ofen ist für uns alle neu. Ich verfluche jedenfalls regelmäßig den Tag, an dem ich gelesen habe, dass man oft vor einem Schlaganfall einen Toastbrotgeruch wahrnimmt. Im Büro hat mich das auch regelmäßig aus der Bahn geworfen, als sich KollegInnen mittags (MITTAGS!) scheibenweise Brot durch den Toaster gezogen haben. Ich bin dort viele theoretische Tode gestorben.

Plätzchen in Abwesenheit

Aber bleiben wir beim Backen. Ich wurde letztens mit den Kindern rausgeschickt mit dem Hinweis, dass fraumierau jetzt backen müsse. Es sei beruflich. Das sollten wir schon mal verstehen. Wir könnten ja um den See laufen oder so. Nachdem hier noch die Mär gilt, ich würde beruflich Matratzen umschubsen, frage ich mich langsam, was eigentlich passiert, wenn ich nicht da bin. So beruflich. Und überhaupt. Letztens wurden zum Beispiel Gardinenstangen mit Geschenkbändern aus Wolle aufgehängt. War das jetzt hygge, beruflich oder einfach nichts anderes da? Ich traue mich kaum, zu fragen.

Ist das Wolle?

hygge versus lagom

Nur mit dem Gedanken, dass es drinnen warm ist und nach Plätzchen riecht, draußen um den See stiefeln, ist bei dem Wetter jetzt jedenfalls nur so halb hygge. Ein bisschen aus Rache wollte ich mit der Neuigkeit nach Hause kommen, dass hygge jetzt sowieso out und lagom in sei, musste aber feststellen, dass das auch schon wieder nicht stimmt. Jedenfalls ist lagom wie ein leicht unmotiviertes hygge, nur ohne Kerze. Also wie morgens nicht aus dem Bett kommen und das dann gemütlich finden, oder so. Wahrscheinlich wenn man dabei nicht gleich denkt, dass man einen Schlaganfall hat. Wenn ich hier in Zukunft jedenfalls mal nicht mitbasteln will, behaupte ich jetzt einfach immer, das sei mir einfach nicht lagom genug.

Holz sägen

Nach dem Plätzchen-Exil wieder im Haus angekommen, wollte ich endlich Feuer machen. Das ist im Moment noch ein bisschen kompliziert, weil der Kamin ist klein und es gibt nur selten kleine Holzscheite zu kaufen. Also muss man erstmal in den Garten und im Regen mit einer Säge große Holzstücke kleinsägen. Letztens war eine Gastfamilie da und der Gastvater wollte beim Feuer machen helfen. Hier so Männersache und so, höhö. Als ich ihn in den Regen schickte zum Sägen, dachte er erst noch, es sei ein Scherz. Tschja. Ich hab ihm dann von drinnen mit einer warmen Tasse in der Hand zugewunken. Wenigstens einmal auf der anderen Seite stehen ist ja auch ganz schön. Für die wirklich gefährliche Sägearbeit habe ich übrigens so Angsthasen-Handschuhe gekauft, damit man sich als Städter nicht selber in die Hand sägen kann. Sie haben Metallplattenverstärkung, leuchten sehr Gefahr-abweisend und es steht etwas mit Forstwirtschaft drauf. Ich fühle mich sehr professionell damit. Die Dorf-Nachbarn schütteln immer leicht mit dem Kopf, wenn sie mich damit verzweifelt im Garten sägen sehen. Die haben einfach keine Ahnung, wie man sowas richtig macht.

Sammeln im Wald

Jedenfalls ist passendes Holz rar und man muss immer etwas zusammenklauben, um genug für den Kamin zu finden. Ich hatte ja schon überlegt, mal beim Förster so einen Holzsammelschein zu beantragen. Wobei das vielleicht auch keine gute Idee ist, weil dann denken die anderen hier, wir müssten noch mehr aus dem Wald mitnehmen. Als wir am Wochenende mit einem Körbchen in den Wald gingen und fraumierau Wurzeln und Moos suchte, fiel mir auf, dass sie da wie in einer IKEA-Filiale umherwandelt und aus „Nur Kerzen und Servietten!“ schnell eine halbe Birke und zwei Kilo Moos wird. Die letzte Birke wurde inzwischen übrigens aus dem Schlafzimmer wieder ausquartiert, nachdem wir feststellten, dass sich mit der Birke auch der Rest des Waldes eingeladen hatten und sehr unangenehm aussehende schwarze Käfer das Bett erobern wollten. Ohne Natur wäre Natur viel angenehmer.

Kaminanzünder

Moment, wir waren beim Kamin. Nachdem das große Holz besorgt war, war ich überrascht, bereits genug kleines Anzündholz parat zu haben. Bis der Kamin brannte und die Kinder entsetzt davor standen und riefen, dass ich Kapla-Steine angezündet hätte. Das war bisher immer nur ein Scherz („Und wehe Du verwendest die Kaplas zum Anzünden!“), doch jetzt war es so weit und so richtig wollte mir niemand glauben, dass es ein Unfall war. Ich schwöre. Auch wenn ich zugeben muss, dass sie sich wirklich gut zum Anzünden eignen.

Na, wer findet den Baustein?

Mehr Technik!

Als wir letztens aufs Land fuhren, stellten wir auf halber Strecke fest, dass wir die Espressomaschine zu Hause angelassen hatten. Das ist jetzt nur halb so schlimm, weil sie für den Dauerbetrieb ausgelegt ist, aber ideale Gelegenheit, hier endlich mehr Technik einzuführen! Kieka, wer jetzt morgens in die Küche geht und den Tag mit „Echo, schalte die Espressomaschine an!“ beginnt?! Ja, selbst fraumierau war von der leuchteden WLAN-Steckdose ein wenig begeistert, weil sie jetzt auf dem Nachhauseweg schon die Maschine anschalten kann. Und weil das Technik-Tor gerade geöffnet ist, habe ich gleich noch sprechende Rauchmelder angeschafft, die nicht gleich losheulen, sondern einen dezent drauf hinweisen, dass es in der Küche jetzt schon nach Rauch aussehen würde und ob man da nicht mal was machen könne. Das ist auch ganz gut, weil als der gerade selbst gebastelte Adventskranz mit Kerzen an Bindfaden unter dem Holzbalken aufgehängt wurde, fand ich, könne man ja nochmal über Sicherheit und Brandschutz reden.

Ich plädiere für: Nicht anmachen!

Wann ist erster Advent?

Am Sonntag haben wir kurz einen Herzinfarkt bekommen, weil wir dachten, wir hätten den 1. Advent verpasst. Da waren wir wohl nicht die Einzigen. Wir standen jedenfalls in der Küche und fragten hektisch die nächstbeste Spracheingabe „Wann ist der erste Advent?!“. Was für eine Erleichterung, als eine sonore, leicht abgehackte Computerstimme anteilsnahmlos verlautbarte, dass wir noch eine Woche hätten. Da ist also noch genug Zeit, Knisterschokolade zu besorgen. Alle, denen man zum ersten Mal davon erzählt, denken immer, das sei was Doofes. Aber im Mund knallende Schokolade: Hallo? Viel Spaß beim Suchen im Supermarktregal. Und dann beim Lutschen denken, ob der Knall jetzt gefährlich war und man doch zum Zahnarzt müsse. Geht mir jedes Mal so. Knisterschokolade ist mein Punk.

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6 Kommentare

Ina · 28. November 2017 um 8:38

Ich will auch Knisterschokolade, gibts hier aber nicht . Ich finde es immer wieder komisch diese skandinavischen Wörter plötzlich im Deutschen zu sehen und auch leicht irritierend ;-). Ich möchte dir noch ein drittes Wort aus dieser Richtung mitgeben nämlich:kos , das istnoch mehr hygge auf Norwegisch, hygge ist ja eigentlich auch ein Norwegisches Wort was sich die Dänen zu eigen gemacht haben, lagom ist ja schwedisch, aber kos ist das hyggeligste Wort von den dreien, kannste jeden Norweger fragen ;-)!
Euch eine schöne Woche und nein den Adventskranz würde ich definitiv nicht anzünden.

Hilsen aus Norwegen
Ina
http://www.mitkindimrucksack.de

Staubpilz · 28. November 2017 um 20:20

Ich musste sehr lachen. Wir waren auch mal verliebt in einen Birkenstamm aus dem Park, der uns als Garderobe ungefähr ein halbes Jahr lang ungezieferfreie Freuden bereitet hat. Bis dann plötzlich ein riesiger weißer Pilz aus dem Stamm gewachsen ist, der bei einer Berührung von Kinderhand staubig explodierte. Das Kind lebt aber noch und ist gesund. Die Birke wieder im Park.

Steffi · 28. November 2017 um 21:42

An die Knisterschokolade habe ich mich noch nicht rangetraut. Zu Schulzeiten, ganz früher ;-), war ich jedoch schwer begeistert von den Lollies, die auch in so Knisterpulver getaucht werden konnten. Erinnert mich daran.
Zum Kamin anzünden gehen übrigens trockene Tannenzapfen wunderbar.
Noch eine gute Woche.

fraurage · 30. November 2017 um 15:06

wir haben eine bartagame und die bekommt ab und zu grosse neue stecken und rinden (das terrarium ist 150 cm gross). wir legen alles immer zwei tage in die badewanne mit wasser ein und lassen es dann trocknen. ist zwar nicht unbedingt tierfreundlich für die heimischen käfer, aber super für den gebrauch des endverbrauchers. 😀

Julia Unangespießt · 1. Dezember 2017 um 18:02

Einmal roch ich morgens toastendes Toast und erfuhr Tage später, dass die Nachbarskinder an jenem Morgen in ihrem Kinderzommer über unserem Schlafzimmer ein tiefes Loch in den Dielenboden gekokelt hatten.
Ein anderes Mal misstraute ich ob dieser Erfahrung dem frühmorgendlichen Toastgeruch und konnte so feststellen, dass der betrunkene Mitbewohner eine Tiefkühlpizza bei 250 Grad Ion den Ofen gepackt hatte, um dann für einige Stunden in komatösen Schlaf zu fallen.

Toastgeruch kann also auch Brandgefahr bedeuten. Wir brauchen wohl auch Rauchmelder.

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