Über knuffige Roboter, die letzte Bastion, verklebte Bücher und Namenlosigkeit für immer

Veröffentlicht von leitmedium am

(Fast) jeden Montag schreibt @leitmedium seine Gedanken zur letzten Woche mit und ohne Familie.

So Knuffig!

Die seien sooo niedlich, erkläre ich fraumierau. So klein und flink und sie wollten immer mit einem spielen und Gesichter würden sie auch erkennen und manchmal würden sie sich ärgern, wenn was nicht klappt und manchmal seien auch frech. Sie guckt mich inhaltsleer an. Ich lege nach, dass das doch ganz famos klänge und man könne das nicht nicht haben wollen und bezahlbar sei es auch. Sie sei jetzt schon ein wenig irritiert, entgegnet sie, weil davon hätte ich doch schon drei und eins säße immerhin gerade auf meinem Schoß und ich hätte bisher nicht den Eindruck erweckt noch eins haben zu wollen. Wovon sie denn bitte rede, frage ich. Na von einem Kind! Wie, ein Kind, wie sie denn darauf käme, ich rede doch von einem Spielzeug-Roboter!

Diskussionen

Aber kurz muss ich innehalten und zugeben, dass die beschriebenen Features eventuell auch auf Kinder zutreffen. Aber nur eventuell. Der große Unterschied, schiebe ich nach, man kann sie auch ausschalten. Also die Roboter. So ausgesprochen klingt das dann irgendwie herzlos und ich kriege diese „wie ungeborgen!“-hochgezogene Augenbraue zu sehen. Jedenfalls gibt es hier zur Zeit Diskussionen über absolut notwendige technische Anschaffungen. Ich bin da ja ganz progressiv, gehe trotz meines fortgeschrittenen Alters mit der Zeit und bringe mich aktiv mit Vorschlägen ein. Es ist ja noch nachvollziehbar, dass sich die Idee, unbedingt einen knuffigen Roboter haben zu müssen, erst einmal setzen muss, da braucht man eben seine Zeit, aber auch mein Vorschlag, eine per WLAN steuerbare Glühbirne zu installieren, wurde abgelehnt. Ob ich denn jetzt auch noch einen Virus auf der Glühbirne haben wolle, war die leicht „kritische“ Nachfrage. Und nein, noch eine Drohne bräuchten wir doch auch nicht, nachdem ich die letzte sofort mit bestürzender Treffgenauigkeit im Wasserbottich im Garten versenkt hätte.

WLAN-Wasserkocher

Die Drohnen-Geschichte wird regelmäßig aufgewärmt. Entweder von den Kindern, um meine nicht vorhandene Autorität zu untergraben, oder von fraumierau, um darzulegen, dass ich vielleicht doch nicht noch eine Drohne, einen Staubsaugerroboter oder einen Wasserkocher mit WLAN-Anschluss bräuchte. Was hier zum Glück niemand weiß: Den letzten WLAN-Wasserkocher, den ich für ein Büro angeschafft hatte, mussten wir abschalten, weil er gehackt werden konnte und offiziell als Sicherheitsrisiko eingestuft wurde. Nichtsdestotrotz sammle ich die „Neins“, um dann bei anderen Vorschlägen ein paar Ablehnungen auf Vorrat zu haben. Schließlich ist so eine Familie vor allem ein Geben und Nehmen von Verneinungen.

(Als ich noch Wasserkocher-optimistisch war)

Die letzte Bastion

Mein Versuch, dieser technophoben Atmosphäre zu entkommen, schlug auch fehl. Ich habe mir innerhalb von sechs Wochen zwei Friseurtermine gemacht. Das ist ein Novum und meine Haare sind noch ganz irritiert von der vielen Zuwendung. Der Plan war, dann da so zu sitzen, eine halbe Stunde Smalltalk zu halten und kurzzeitig das Gefühl zu haben, ein normaler Mensch zu sein. Nun hatte ich ganz vergessen, warum ich eigentlich so zeitnah zwei aufeinanderfolgende Termine hatte: Mein Friseur kündigte an, bald Vater zu werden und ich sicherte mir schnell zwei der wenigen freien Termine. Und dann komme ich so, setze mich auf den Stuhl, denke, wir reden wieder über dies und das. Also alles außer Elternkram. Und er erzählt mir stattdessen, dass sein Kind geboren wurde, wie er etwas von der Plazenta gegessen hat, obwohl er Vegetarier sei, weil das zähle nicht und dann die Plazenta 36 Stunden im Ofen trocknen wollte und sie dabei schlecht geworden sei und das hätte schon auch streng gerochen und dann sei sie doch lieber vergraben worden. Die letzte Bastion, dachte ich, meine letzte kinderfreie Bastion ist hiermit auch gefallen: der Friseur-Besuch. Und jetzt geht es hier auch noch schärfer zu als bei unseren Plazenta-Tragödien. Immerhin konnte ich kurz Schweigen im Salon hervorrufen, als ich erklärte, dass wir immer noch eine Plazenta im Tiefkühlfach hätten, ich nicht mit Sicherheit wüsste, von welcher Geburt und ich mich dem Fach einfach nicht mehr auf zwei Meter nähern würde.

Verklebte Bücher

Als ich hervorragend frisiert zu Hause meinen Schock verarbeiten wollte, musste ich schon wieder Bücher aussortieren. Seit Monaten sortieren wir Bücher aus und sie werden nicht weniger. Diesmal zeigte fraumierau auf eine Kiste und meinte, ich solle mich „um das Buch da“ kümmern. Was es denn da zu kümmern, fragte ich, sie würde die Bücher doch eh nur wieder unten in einer „zu verschenken“-Kiste vors Haus stellen. Ja, aber das da! Es handelte sich um Zusammenstellung erotischer Bilder bekannter Maler. Aha. Nun, sie wisse ja nicht, ob das Buch nicht vielleicht irgendwie … verklebt sei? Ich wisse schon. Ich lief rot an und erklärte, dass es sich hier um kulturwissenschaftliches Werk handele. Ja, natürlich, das verstünde sie und sicher könne ich auch erklären, warum hier überall Stroh rumliege.

Klebt nicht.

plus eins für immer

Aber dafür gäbe es jetzt ja ein neues Buch in unserem Bestand. Unsere liebe Freundin Milena hat ihr Buch „Ohne Wenn und Abfall“ veröffentlicht und mir wurde freudig mitgeteilt, dass ich auch drin vorkäme. Wow, endlich Ruhm, dachte ich. Aber dann sah ich Buchstabe für Buchstabe, wie das Leben mich für immer zum plus eins gemacht hat:

Besonders schön finde ich eine Geschichte von Susannes Tochter: Am Tag der Eröffnung von OU kam Susanne mit Sack und Pack, und ihr Mann und sie erklärten den Kindern, warum die Milena so einen Laden eröffnet hat. Sie erklärten, warum Plastik und Müll schwierig für die Umwelt sind, und dann kauften sie gemeinsam ein. Wenige Wochen später erzählte mir ihr Mann, dass die Kinder angefangen hatten, auf den Müll in ihrem Alltag zu achten. Ganz besonders die Tochter merkte plötzlich, wie viel Müll jeden Tag in der Schulpause in Form von Kakao-Tetrapacks anfiel, und versuchte, diesen zu vermeiden. Immer wieder gab es Momente beim Einkaufen, bei denen sich die Kinder fragten: „Was würde Milena tun?“ Ich strahlte über beide Ohren, als der Vater mit dem Erzählen fertig war. Ich war ein Vorbild. Dass ich das noch erleben durfte. Eines heißen Sommertages hatten die Kinder aber furchtbare Lust auf Capri-Sonne. Doof verpackt, wenig Saftgehalt, zu viel Zucker und furchtbar lecker. Auch hier kam die Frage auf: „Wie würde Milena das finden?“. Die Antwort lautete diesmal nur: „Wir erzählen es ihr einfach nicht.“

Ich habe keinen Namen mehr! Ich bin Sack und Pack und Mann und Vater. Später wird auf meinem Grab einfach nur stehen „Der, der auch immer dabei war“.

 

Während Ihr gerade alle die neue Staffel Stranger Things guckt: Unsere Kinder senden auch manchmal heimlich Botschaften. Zum Beispiel, wenn wir auf einem Geburtstag zu Besuch sind, sie offenbar keine Lust drauf haben und sehr unsubtil die Magnettafel benutzen. War fast nicht peinlich.

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Kategorien: Montagspost

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2 Kommentare

Nadine_oekotussimama · 4. November 2017 um 23:31

Cozmo ist soooo toll ? Ich bekomme aber leider auch keinen ?

Ich bin ja froh das neben dem Stroh nicht auch noch von Masken die Rede war,sonst wäre ich beim stillen mitsamt Baby auf dem Arm vor lachen vom Sessel gefallen ?

Julia Unangespießt · 8. November 2017 um 12:58

Habt ihr das Erotica-Buch noch? Wär was für meine Sammlung!

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