Über eine Fast-Notlandung, Dropsaugen versus Flughafensicherheit und eine fehlende Badehose

Veröffentlicht von leitmedium am

(Fast) jeden Montag schreibt @leitmedium seine Gedanken zur letzten Woche mit und ohne Familie.

Mayday

»Handy…! HANDY!«. Wir sitzen alle fünf im Flugzeug und fraumierau versucht, mir irgendetwas mitzuteilen. Gerade beschleunigt die Maschine zum Abheben, während sie mit der Hand aufs Gepäckfach zeigt und ihre Augen weit aufreißt. »HANDY! HANDY!«, raunt sie mir zu. »Äh… Du willst mir sagen, dass Du vergessen hast, Dein Handy auszuschalten?«, frage ich. »JA!«. Ich ahne, was in ihrem Kopf vorgeht. Sie überlegt, sich und Babysohn abzuschnallen, »HALT HALT! MEIN HANDY IST NOCH AN! STOPPT DIE MASCHINE!« zu brüllen und wild durch die Gegend zu rennen. Ich kenne sie. Letztens, als sie einen Facebook-Virus hatte, musste ich sie in eine Tüte atmen lassen. Das ist nicht lustig. Das ist seitdem so eine geflügelte Geste. Ich halte kurz die Finger an den Mund und atme durch. »Ist nicht so schlimm. Wirklich. Wir werden nicht abstürzen«, versuche ich, sie beruhigen. Und kichere kurz.

Flughafensicherheit und ich

Eigentlich ging unsere Reise nach Südtirol gut los. Selbst angesichts der Tatsache, dass wir drei Uhr morgens aufstehen mussten, um vier Uhr in Richtung Tegel zu fahren. Denn dort fand eine Wende in meinem Flug-Schicksal statt. Normalerweise werde ich immer gefilzt. Der Name „Mierau“ klingt ja schon ein bisschen terroristisch und wenn man so abgerissen und dunkelhaarig wie ich daherkommt, ist man sehr wahrscheinlich ein Gefährder. Ich muss also jedes Mal meine Taschen öffnen und mich abpiepen lassen. Doch dieses Mal hatte ich eine Knalleridee. Ich habe mir einfach den Babysohn geschnappt, dessen Lächeln wirklich jede_n in die Knie zwingt und bin mit ihm durch den Körperscanner. Und was soll ich sagen? Mission accomplished! Alle guckten die Dropsaugen an, Terror-Papa wurde völlig ignoriert.

Die Kehrseite der Medaille

Es gab nur einen Kollateralschaden: Die Tochter war fällig. Hier, Rucksack bitte öffnen, junge Dame! Junge Dame, ey. Auf diese Redewendung stehe ich ungefähr so wie auf „junger Herr“ für Senioren. Der verdächtige Gegenstand war eine Metall-Wasserflasche. Ich hatte ja dafür plädiert, die Rohrbombe einfach zu Hause zu lassen, aber für unserem ökologischen Footprint beim Fliegen war es offenbar wichtig, wenigstens eine Metallflasche dabei zu haben. Nachdem das Securitypersonal am Wasser gerochen hat und mir Tochter mit einem ultra-gelangweilten Gesichtsausdruck erklärte, ihr sei es wirklich egal, wer in ihren Rucksack schaue, war die Vererbungs-Zerenomie des „nun wirst Du immer gescannt, meine Tochter“ auch vorbei. Ich werde ab jetzt immer mit Baby auf dem Arm durch den Scanner gehen. Und wenn der Babysohn zu alt oder abwesend ist, leihe ich mir von fraumierau so eine gruselige Babymassage-Puppe. Die sind so groß und schwer wie normale Babys und sehen so echt aus, dass mal jemand die Polizei rufen wollte, weil sie im Sommer bei uns um Auto lag.

Selbstbildnis: Ich vor den Alpen vor den Alpen

Badehosengate

Ich habe es natürlich vermasselt, mir rechtzeitig eine Badehose zu besorgen, bevor wir in ein Hotel mit so viel Wasseranlagen fahren, dass es eher eine Schwimmanlage mit Schlafmöglichkeit ist. Also genau genommen, hat die Familie versucht, mir eine Badehose zu kaufen. Die Kinder hatten sie ausgesucht und sie war sehr … farbenfroh … und leider leider hat sie nicht gepasst und ich musste sie wieder zurückbringen. Das eigentliche „leider“ kam dann aber erst, weil mir passte gar keine Badehose und ich überlegte kurz, das Kaufhaus anzuzünden, weil wieso kriegst Du keine Scheiß Badehose, wenn du schon zu viel wiegst, um Sport zu machen, dass Du weniger wiegst, hmm? Das ist diese Sportabteilungsdialektik, aber dann halt eben nicht.

Dann eben ohne

Die Kinder fanden es in jedem Fall bedauerlich und wollten unbedingt, dass ich mit in den Kinderbadebereich bekomme. Da gibt es ein extra flaches Becken mit so bunten Sachen und Rutsche und so. Und sie schlugen vor, ich könne doch einfach nackt mit ihnen in den Kinderwhirpool kommen, dann könnten wir alle zusammen planschen. Ja, also… hüstel… das ginge nicht, weil… man das eben nicht mache. Mittelalter Familienbloggerinnen-Pluseins mit Übergewicht nackt im Kinderwhirlpool, das wäre vielleicht mal eine Schlagzeile. Man gerät ins Straucheln, wenn man Kindern gesellschaftliche Normen erklären muss und immer „warum?“ als Antwort hört. Jedenfalls, erklärte ich ihnen, man schwingt halt seinen Dödel nicht in der Öffentlichkeit durch die Gegend (leichte Enttäuschung bei den Jungs) und ich könne ja auch was lesen, während alle im Wasser sein.

Da wir gerade bei unerklärlichen Dingen sind: Ich bin den Kindern noch eine Antwort schuldig, warum es letztes GURKE zum Nutellabagel gab. Hinweise?

Eine Stunde Stille

Das war natürlich Wunschdenken. Im Hotelprospekt las ich etwas von „Relaxroom“ und vor meinem inneren Auge lag ich mit Buch in der Hand auf einer Liege und ein Cocktail stand neben mir. In der Realität saß ich schwitzend in Anziehsachen im sehr warmen Kinderbereich und wischte die Wasserflecken vom Buch, das ich eh nicht lesen konnte. Da wir noch ein paar Tage hier sind, überlege ich, wie ich es schaffe, mal zwingend in einen Erwachsenenbereich zu müssen. Allein. Für eine Stunde. Nur eine Stunde!

Trampelpfade

Dass wir noch ein paar Tage in Südtirol sind, ist vielleicht auch ganz gut. Unsere Wohnung ist immer noch zerstört von den Malerarbeiten. Zuletzt hatten wir immerhin ein paar Trampelpfade (Kinderzimmer=>Bad=>Küche=>Schlafzimmer) geschaffen. Aber wohnen geht einfach anders. Wenigstens hat der Maler immer mal ein paar ungeplante Tage Pause eingelegt. Acht statt vier Tage ist in BER-Zeiten ja absolut im Zeitplan. Ich vermute, dass manche Handwerker einfach mehrere Aufträge gleichzeitig annehmen, um gut ausgebucht zu sein, und dann nur alle paar Tage kommen und täglich zwischen den Baustellen wechseln. Würde ich wohl auch so machen.

Chaos. Teil 1

Dass ein wenig Erholung zur Zeit ganz gut passt, merkte ich, als letzte Woche mein Telefon im Büro klingelte und mir fraumierau hektisch mitteilte, sie habe wegen des Stresses mit dem Maler vermasselt, dass Kind rechtzeitig in der Schule abzuholen und sie würde das jetzt schnell machen. Ob ich denn irgendetwas tun solle, fragte ich. Neinein! Sie wolle mir das nur mitteilen. Zwei Stunden später, ich bin zu Hause, klingelt wieder das Telefon. Wo ich denn gerade sei. Zu Hause? Ah gut! Weil, sie sei mit der Tochter im Café ihr sei aufgefallen, dass sie ja gar kein Geld bei habe, weil sie das wegen des Malers vorhin bei ihrer Freundin gelassen hätte, weil sie das Mittagessen, dass sie bestellt habe nicht mehr essen und bezahlen konnte und ob ich vielleicht kommen könne, um sie auszulösen? Ich konnte dem Satz nicht ganz folgen, aber immerhin verstand ich, dass ich mit Geld ins Café kommen müsse.

 

Chaos. Teil 2

Am nächsten Vormittag schon wieder ein Anruf. Ja, ob wir uns vielleicht zum Mittagessen treffen könnten? Ja, sie sei heute mal so spontan. Nein, ganz ohne Anlass. Aber ob ich vielleicht meinen Wohnungsschlüssel zum Essen mitbringen könne? Sie würde jetzt nicht gerade „vergessen“ sagen, aber es sei schon so, dass sie jetzt gerade keinen Schlüssel zur Hand hätte, um die Wohnung aufzuschließen.

Von außen nach innen!

Letzte Woche ging es hier unter anderem darum, wie man so als ehemaliger Ossie nach der Wende mit Essen wie Garnelen und Kiwis überfordert war. Ich gebe zu, diese Woche hält mich auch auf Trab. Aber diesmal war ich entspannt genug, einfach zu fragen, wofür was da ist.

Neu in „ihre Woche, seine Woche“

Die Kinder wollen Apfelhälften. Nein, nicht einfach durchschneiden, sagt sie. Sie hätte da so ein tolles Video auf Youtube gesehen. Wartet kurz… … … fünf Minuten später:

Wir waren nicht überzeugt. Und nach Pinterest steht jetzt hier auch Youtube auf der Verbots-Liste.

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Kategorien: 12von12

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7 Kommentare

sternenglück · 26. September 2017 um 12:33

Immer wieder schön zu lesen! Und bei dem toll gedeckten Tisch würde ich mit Kindern wohl Schweißausbrüche bekommen und klammheimlich verschwinden…
Viele Grüße und eine schöne Zeit in Tirol
Sternie

Andrea · 26. September 2017 um 13:47

Wo ist der Link zum Apfelscheiden, um Himmelswillen?!

Amélie · 27. September 2017 um 22:09

Wir sind auch gerade in Südtirol 🙂 In einem Familienhotel im Moos bei Sexten. Wo seid ihr? Liebe Grüße!!

    leitmedium · 29. September 2017 um 21:44

    Guck mal bei Susanne im Blog, die hat was drüber geschrieben.

Sabrina · 13. Oktober 2017 um 8:50

Oh man, bei Chaos Teil 2 kam ihm aus dem lachen nicht mehr raus. Das war schon eine echt niedliche Aktion. Vielen Dank dafür! ???

(ein Viertel) Wochenende in Berlin am 30. September 2017 - vier plus eins · 1. Oktober 2017 um 21:10

[…] es war er der letzte Tag einer einwöchigen Reise, auf der ich so vor mich hin plus einste. Und da ich keine Badehose bei hatte, wünschte ich mir, doch wenigstens das Schreibmaschinenmuseum besuchen zu dürfen. Diesem Wunsch […]

Über verlorene Unterwäsche, Cola Interruptus, Kümmel, ein Nackt-Spa und ein Sprengstoffwischtest - vier plus eins · 2. Oktober 2017 um 23:06

[…] in der Laptop-Tasche auf meinem Schoß eine große Pfütze. Die dämliche Metallflasche, die der Tochter auf dem Herflug schon eine Taschenkontrolle einbrachte, läuft langsam aus. Warum auch immer diese Ökometall-Sachen oft so leicht eklige […]

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