Über Puh statt Pinocchio, Give up early, viel zu lange Ferien, Babyzilla und Strampler für Erwachsene

Veröffentlicht von leitmedium am

(Fast) jeden Montag schreibt @leitmedium seine Gedanken zur letzten Woche mit und ohne Familie.

Geschichtsunterricht

»Was ist das denn?«, fragen die Kinder und zeigen irritiert nach unten. Wir stehen auf dem Bebelplatz in Berlin und sehen durch eine Glasscheibe im Boden das Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung. »… Und es ist nicht in Ordnung, wenn man Bücher verbrennt, oder?«, schließe ich meinen folgenden Vortrag ab. »Nein«. Die Kinder schütteln energisch den Kopf. »Dafür nimmt man Zeitungen!«, setzen sie nach. Ich glaube, irgendwo in meiner Erklärung bin ich falsch abgebogen.

Oder lieber Winnie

Dabei war ich letzte Woche auch dabei, mal wieder Bücher diskret zur Seite zu stellen. Die Kinder konnten nicht einschlafen, ich war zu faul, aufzustehen, also lud ich ein Probekapitel von Pinocchio aufs Telefon (Vergesst die Information, dass ich heimlich das iPhone mit ins Bett nehme, ja?), und begann mit dem Vorlesen. Dann verstand ich, warum es auch kindgerechte gekürzte Fassungen von der Geschichte gibt. In dem Buch willst Du echt nicht tot überm Zaun hängen. Und selbst wenn Du es nicht tust, wirst Du eh verdroschen, erschlagen oder fängst Feuer. Ich stotterte also Seite für Seite im Schnellzensur-Modus (Wer jetzt „Aber das Kulturgut!“ brüllt, kann sich so ein Buch gern an die Stirn nageln.) vor mich hin, bis ich zugeben musste: Ist es nicht Wert. Lese ich halt wieder Puh der Bär. Das Original von Milne. Es. Ist. So. Lustig. Immer wieder.

Das hier ist übrigens der echte Christopher Robin mit seinem Teddy:

Meine Strategie: Give up early!

Aber so ist es mit Sachen, die man als Eltern machen will und die in der Realität dann ganz anders aussehen. Oft stellt sich dann ja raus: Funktioniert einfach nicht. Als wir letztens in Hamburg waren, mussten wir ein wenig kichern, als im Miniaturmuseum ein Familiendisput nebenan mit „Wir haben so viel Geld ausgegeben, wir gehen jetzt hier durch!« endete. Familienstatus: noch nicht vollständig resigniert. Kommt noch. Ich empfehle ja zeitnahes Flinte ins Korn werfen. Oder noch besser: einfach gar nichts vornehmen. Kostet nichts und man ist nicht enttäuscht, wenn es nicht klappt.

Ferien und Kinder, die spielen

Aber von der Seite weiß man ja immer alles besser. Oder man beobachtet. Wie jetzt zum Beispiel im Urlaub. Da hat man ja endlich mal Zeit, sich ganz den Kindern zu widmen und ihnen sechs Wochen lang beim Spielen zuzusehen. Letztens habe ich mich noch in einer Diskussion für acht Wochen Sommerferien wie in einigen anderen Ländern eingesetzt. Ich halte es jetzt lieber mit Galileo (Nicht diese Sendung mit ohne Maus für Erwachsene, Ihr Banausen!), und fasse zusammen: Ich widerrufe! Ich bin ein Elter, holt mich hier raus! Man, was hat man bei sechs Wochen Zeit, den Kindern beim Streiten zuzusehen und darüber nachzudenken, wie man früher mit dem Mietauto durch ferne Länder fuhr. Ok, ok, ganz so stimmt das nicht. Die spielen auch entspannt und man lümmelt ein wenig rum. Und dann sieht man drolligen Szenen zu. Zum Beispiel, wenn die Spielrollen verteilt werden und schnell »Ich bin eine Obstschneide!« festgestellt wird. Ich habe bis heute nicht verstanden, wie und warum man eine Obstschneide spielt. Aber auch »Die Schlümpfe vom Jahreszeitentisch langweilen sich!«, warf einige Fragen auf. Abgesehen davon, dass es hier natürlich keine Schlümpfe gibt oder gab und wenn dann nur aus Holz.

Beim Fußballspielen durfte ich dann mitmachen müssen und die Verteilung »Papa ist Schiedsrichter, ich bin Torwart und Du bist Deutschland!« ergab nach kurzem Überdenken absolut Sinn. Aber es irritiert zur Zeit ein wenig, dass ein Kind ständig Deutschlandfahnen in Herz-Form überall hinmalt. Als ich erklärte, dass man jetzt nicht alles in schwarz-rot-gold bemalen müsse, kam als Alternativvorschlag schwarz-rot-weiß und dann dachte ich, ich mische mich da jetzt einfach nicht weiter ein.

Babyzilla

Mit dem Babysohn ist Spielen ja noch so eine Sache. In der Regel lädt er sich zu allen Spielen selbst ein und hat ein festes Muster, wie jedes Spiel abzulaufen hat: Er kommt, guckt kurz niedlich in die Runde, alle so: „ooooooh, er ist so süß!«, und dann verwüstet er Godzilla-gleich in zwei Sekunden alles, egal, was da war, quiekt kurz zufrieden und zieht weiter. Spricht man ihn drauf und versucht zu erklären, dass das jetzt doof war, gluckst er und wirft auch noch die letzten Steine um. Auch hier hilft nur: Tief durchatmen, gar nicht erst vornehmen, das Riesen-Domino aufzubauen und wenn dann Steine purzeln, einfach wieder aufbauen.

»Irgendwie muss ich hier doch reinpassen?«

Strampler für Erwachsene

Während ich den Babysohn so durch die Gegend quieken sehe, bin ich ein wenig neidisch auf diese bequeme Kleidung. Mitwachsende Strampler – warum habe ich sowas nicht? Ich weiß, ich weiß, das gibt es jetzt in hippen Mitteläden und heißt Onesie oder Jumpsuit. Aber seien wir ehrlich. Ich würde darin aussehen wie eine Boa Constructor, die mich selbst verschlungen hätte. Puh, das war jetzt meta. Wir hatten ja schon mal so einen Jumpsuit. Kurz nachdem sich fraumierau und ich kennengelernt hatten, wollte ich ihr einen schenken, da sie meinte, sie fände diese Dinger so toll. Damals war es noch nicht hipp, Jumpsuits zu kaufen und so googelte ich „Strampler Erwachsene“ und was soll ich sagen: Das ist eine bewusstseinserweiternde Erfahrung. Ich bestellte nämlich im Shop „Privatina“, in dem man sich aussuchen konnte, ob der Strampler eine Poklappe haben sollte und beim Warenkorb-Checkout noch auf die Erwachsenenwindeln hingewiesen wurde. Nein, nicht wie ihr jetzt denkt. Oder eben doch. Ihr wisst schon.  Na, war jedenfalls lustig und fraumierau hatte ihren rosa Strampler und ich stehe jetzt in einer Kundenkartei eines Windel-Fetisch-SM-Shops. (Das schreibe ich hier alles nur, falls ich doch mal Bundespräsident werde und ich eine Ausrede brauche, wenn mich jemand damit erpresst!)

Fragen richtig stellen

Und weil Ihr fleißig bis hierhin gelesen habt , möchte ich jetzt einen Super-Instadad-Wichtig-Tipp belohnen. DIY-Lifesaver. Mit folgender Regeln spart Ihr fünf Jahre Lebenszeit! Bei Regel 1 musste ich weinen. »Regel 1: Stellt den Kindern keine alternierenden Fragen.« Ich machte es ja auch immer wieder falsch. „Möchtest Du Marmelade aufs Brot oder doch lieber nur Butter?“. Antwort: Ja. Jedes Mal. Was hätte ich mit all der Zeit machen können, die ich dann noch zwei Mal nachfragen musste?

Neu in Ihre Woche – seine Woche.

Sie kauft auf die Schnelle das Klebeheft „Lebensretter“, damit die Kinder im Auto etwas Beschäftigung haben. Er ist etwas irritiert über den Inhalt:

Wenn man „Äh… gibst Du das mal kurz?“ zu den Kindern sagt…

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Kategorien: Montagspost

leitmedium

Parteiloser Postprivatier.

8 Kommentare

Rebecca · 22. August 2017 um 11:42

Ich würde ja echt gern mal wissen, warum die Kleinen so einen spaß daran haben, Türmchen / Sandburgen etc kaputt zu machen 😀

Andrea · 22. August 2017 um 13:13

Fahrt ihr eigentlich garnicht in den Urlaub? Dann kommen einem die Ferien auch nicht so lang vor.
Mann kann auch super zu Fünft im Mietwagen sitzen. 🙂

    leitmedium · 22. August 2017 um 16:51

    Nun, wir haben ein Haus auf dem Land. Wenn Haus mit Garten und Kamin in Dorf mit See und viel Wald drumherum als Urlaub gilt, würde ich es als Urlaub bezeichnen. Also andere buchen hier Urlaub.

Alex · 22. August 2017 um 18:19

Immer wieder schön, deine Texte zu lesen. 🙂

Mal was offtopic:
Was mir in letzter Zeit bei deiner Seite (und geborgen-wachsen.de) aufgefallen ist, daß der RSS-Feed irgendwie nicht richtig funktioniert.
Deine Seite hängt am 8. August fest und geborgen-wachsen am 14.8. Habs mit mehreren RSS-Readern probiert und immer dasselbe Ergebnis …

    leitmedium · 22. August 2017 um 20:34

    Oh, danke für den Hinweis. Das Problem gab es letztens schon mal. Da muss ich mal rausfinden, was das Problem ist.

Katharina · 24. August 2017 um 21:50

Ich habe noch nie irgendwo was kommentiert und finde es eigentlich albern. Aber jetzt tue ich es mal um zu sagen wie witzig ich die Texte finde. Danke dafür!

Heike · 27. August 2017 um 23:12

Das war einer der Besten seit langem – wollt ich schnell noch vorm Nächsten loswerden! Danke dass Du uns Woche für Woche so gut unterhältst!

Weniger Stress im Familienalltag an Schlechtelaunetagen - Geborgen Wachsen · 22. August 2017 um 8:13

[…] gerade geben können. Und wenn der Tag anstrengend ist, hilft es meistens mehr, den Familienalltag mit Humor zu sehen (Meine Strategie: Give up early!) und die Regeln und Verabredungen ein wenig zur Seite zu legen, um entspannt durch den Tag zu […]

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