Mein Tag ohne Dich

Veröffentlicht von leitmedium am

Zum heutigen Internationalen Frauentag wurde dazu aufgerufen, dass Frauen Ihre Arbeit niederlegen und unter #MeinTagOhneMich Geschichten darüber zu veröffentlichen. Die fraumierau hat ihre hier notiert. Ich möchte kurz meine Vorstellung dazu beisteuern:

Ein Tag ohne Dich, er würde schon funktionieren. Ich wäre heute 5 Uhr statt 6 Uhr aufgestanden, damit ich nicht nur das Frühstück mache, wie jeden Tag, sondern auch noch die Kinder freundlich aus dem Bett herauskomplimentiere, wie Du es so liebevoll währenddessen machst. Diesmal müsste ich auch an die Lunchboxen denken, für die ich morgens Zutaten bereitlege, die Du aber machst, während ich mich schnell anziehe.

Ich wäre gleich zu Tagesbeginn etwas überfordert mit dem Babysohn, der Dich arg vermissen würde, denn er ist es noch gewohnt, in Deiner körperlichen Nähe zu sein. Wir würden das schon meistern, aber zwischen den Phasen des Frohmuts gäbe es sicher Tränen.

Gegen halb acht würden wir alle nervlich leicht fertig aus der Wohnung poltern und ins Auto stolpern, damit ich die Tochter in die Schule und den Sohn in den Kindergarten bringe. Der Babysohn würde in der Schale auf dem Beifahrersitz liegen und alles ein wenig doof finden. Gegen halb neun wäre ich mit dem Babysohn wieder zu Hause und würde mich fragen: Was nun? Eigentlich müsste ich doch arbeiten? Gerade erst habe ich meine Vollzeitstelle in eine Teilzeitstelle umgewandelt, um mehr zu Hause zu sein und flexibler da sein zu können. Aber mit einem Baby auf dem Arm: Wie schaffst Du es da eigentlich vormittags zu arbeiten?

Ich würde den Tag heute als Arbeitsausfall markieren und etwas Praktisches machen. Aufräumen, Wäsche waschen, vielleicht einkaufen gehen. Dabei hätte ich immer dieses unangenehme Gefühl, nichts zu schaffen, obwohl ich doch gerade wichtige Dinge erledige. Dinge, die ich auch gar nicht ungern mache, denn manchmal diskutieren wir darüber, ob ich nun meine Wäsche selber waschen darf oder nicht. (Über das gewaschene Sacko werde ich demnächst schonungslos berichten!). Und aktuell ist unsere Arbeitsteilung: Ich mache jeden Tag das Frühstück und sorge dabei dafür, dass die Küche halbwegs betretbar ist und der Geschirrspüler aus- und eingeräumt wird, wecke alle, bringe die Tochter in die Schule, putze den Kindern die Zähne, hole ein paar Tage in der Woche Tochter und Sohn wieder ab, fahre einmal in der Woche ein Kind zu einer Nachmittags-AG, kümmere mich um Zahnarztbesuche, am Wochenende bereite ich alle Mahlzeiten zu, die großen Wocheneinkäufe bestelle ich bei einem Lieferdienst. Das klingt nach viel, aber es ist nicht einmal die Hälfte der Hälfte vom Alltag und ich verzichte darauf, wie andere Väter öffentlich stundenlang darauf rumzureiten, was für ein cooler Superdad ich bin. Denn es ist ein Anfang, aber mehr auch nicht.

Und dann ist schon Mittagszeit. Ich würde mir zum Essen irgendwas Schnelles auf die Faust mitnehmen, wie Du es oft machst. Manchmal beschwerst Du Dich, dass ich oft zum „Business Lunch“ gehe, während Du kalte Nudeln vom Vortag essen musst. Das tut mir Leid. Mit dem Babysohn im Schlepptau müsste ich eilig die beiden anderen Kinder abholen. Würde ich dann auf einen verhassten Spielplatz gehen? Oder zu Hause sein? Wie kann ich eigentlich die Tochter Hausaufgaben machen lassen, und ihr genug Ruhe verschaffen, weil die anderen Kinder auch noch da sind? Wie machst Du das?

Wenn die Kinder abends irgendwann schlafen, würde ich endlich meine zwei, drei Stunden arbeiten können, wie Du es nachts immer tust. Und irgendwann würde ich ins Bett fallen, um noch weniger Schlaf als sonst zu bekommen.

Aber eigentlich würde ich Dich vermissen. Denn wir würden das schon alles hinkriegen ohne Dich, aber es würde vieles rumpeln, noch stressiger sein und wir hätten weniger Geld. Denn Du arbeitest in den wenigen Minuten am Vormittag, jeden Abend und manchmal am Wochenende. Und als Ergebnis von Deinen Anstrengungen können wir mehr und mehr das Arbeits-Ungleichgewicht zurückdrängen. Es ist weit entfernt davon, gerecht zu sein, aber wir reden drüber, arbeiten dran und verändern unseren Alltag immer und immer wieder. Manchmal müssen wir den Kindern erklären, dass „Mama auch arbeitet, obwohl sie nicht in einem Büro ist“. Langsam verstehen sie es. Und auch das ist doch ein Anfang.

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Kategorien: Allgemein

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Parteiloser Postprivatier.

13 Kommentare

jennifer-heart · 8. März 2017 um 11:19

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Tafjora, einmal Frankreich und zurück · 8. März 2017 um 11:36

Da steckt so viel Liebe und Wertschätzung in Deinen Zeilen, so schön zu lesen. <3

Tanja

Nadine f · 8. März 2017 um 12:04

Wundervoll 🙂

Elter · 8. März 2017 um 12:36

Understatement passt zu jedem guten Vorbild. Ich hoffe das du es bist/ wirst. Deine Selbstverständlichkeit von einer gerechten Rollenverteilung und weiterem Optimierungspotential (wo am Anfang ein bisschen die Biologie dagegensteht 😉 ist fantastisch!
Anm. d. Red.: Kinder würden vllt. sagen elefantastisch

Cordula · 8. März 2017 um 13:13

EinE richtige Liebeserklärung ist das! Toll! !!

Vroni · 8. März 2017 um 13:36

So liebevoll und respektvoll geschrieben. Toll. Kleine Anmerkung: Vermutlich wäre der Kindergarten heute auch zu an einem Tag ohne Frauen. Vermutlich ebenso die Schule. Würden ohne all die Hebammen heute Kinder zur Welt kommen? Wär würde mir heute freundlich Brot verkaufen?

Nadine · 8. März 2017 um 13:52

Jetzt habe ich wirklich Tränen in den Augen! Dein Text drückt soviel Wertschätzung und Achtung aus…und dann freue ich mich gleich wieder auf die Sakkogeschichte!

Kati · 8. März 2017 um 14:09

Was für eine schöne respektvolle Liebeserklärung! Ihr Zwei habt Euch zwar nicht gesucht aber trotzdem gefunden (ich meine mich da an einen Tanzkurs zu erinnern?). Ihr ergänzt Euch so herrlich, danke das man davon lesen darf!

Nastija · 3. September 2018 um 14:33

Ohhhh das ist aber niedlich ?

#MeinTagohnemich - Geborgen Wachsen · 8. März 2017 um 11:01

[…] An einem Tag ohne mich würde mein Mann für die Kinder allein zuständig sein. Das würde bedeuten, dass auch er kein Geld verdienen würde an diesem Tag. Der Ausfall wäre sogar noch höher als meiner, denn er verdient besser als ich. Ein Tag ohne mich bedeutet, ein Tag ohne zwei Einkommen. Allein mit drei Kindern bleibt wenig Zeit für wirkliche Arbeitsmomente. Er ist ein erfahrenes Elternteil und weiß, was er mit den Kindern machen würde. Er macht die Dinge anders als ich, eben auf seine Weise. Aber so, dass er und die Kinder zufrieden damit sind. Einzig bei unserem Baby würde es Probleme geben, denn es ist daran gewöhnt, dass ich es jeden Tag umsorge. Nicht, weil ich die Mutter bin und mein Mann es nicht könnte, sondern weil mein Kind es so gewöhnt ist, von mir die meiste Zeit des Tages getragen und nach Bedarf gestillt wird. Wir hätten – wären die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anders – vielleicht eine andere Verteilung der Umsorgung der Kinder gewählt. Wir sind beständig damit beschäftigt, unsere Arbeitsmodelle zu verbessern, um unser Familienleben zu vereinfachen. Ein Tag ohne mich würde für meinen Mann so aussehen. […]

Freitagslieblinge: Didymos und Frühlingsgefühle | motzmama · 10. März 2017 um 12:39

[…] Texte sind mir diese Woche besonders in Erinnerung geblieben – die von Frau Mierau und ihrem Mann zum Frauentags-Hashtag #meintagohnemich. Wie würde ein Tag ohne die Mama im Hause verlaufen? Lest […]

Linksammlung 26 – 10.03.2017 – patrickwillms.de · 10. März 2017 um 15:14

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Über Astronauten-Wäsche, verdächtige Stille, peppige Brillen, kalte Pizza und Günter Wallraff - vier plus eins · 13. März 2017 um 23:38

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