Adventskalenderchaos

Veröffentlicht von leitmedium am

»Papa, Papa, ich habe nur 23 Kästchen in meinem Adventskalender!«. Ein Kind steht kurz vor dem Nervenzusammenbruch, als es am Abend vorm 1. Dezember in Vorfreude den Kalender durchzählt. Neinein, das könne nicht sein, versuche ich zu beruhigen. Doch, schon. Ich solle selbst mal zählen. Leider stimmt es. Da sind nur 23 Kästchen. Es war besser, als die Kinder nicht zählen konnten.

Jedes Jahr das gleiche Problem mit den selbst gebastelten Kalendern aus Kästchen und Säckchen. Immer fehlt mindestens ein Teil. Und jetzt stellt sich auch noch raus, dass ausgerechnet der 1. fehlt. »ICH KRIEGE MORGEN NICHTS!«. Ein weiterer nervous breakdown. In der Tiefe meines Herzens könnte ich ja auf die Zeit vom 1. bis 31. Dezember verzichten. Ersatzlos. Tatsächlich würde mir dann nicht Lebenszeit fehlen, sondern ich würde länger leben.

Lange macht die Wand das nicht mehr mit.

Jedenfalls komplimentiere ich das Kind ins Bett und versichere, dass bis morgen mit Sicherheit etwas da sein werde. Als die Kinder im Bett sind, bastle ich weiter den Kalender für fraumierau zusammen. Es fehlen zwei Säckchen. So ein Mist. Ich versuche, die 22 Beutel so aufzuhängen, dass sie es nicht merkt. So richtig mit der Aufhänge-Ästhetik habe ich es ja nicht raus. Egal, was ich mache, es sieht blöd aus. Also mache ich es einfach wie fraumierau bei meinem: in zwei Reihen. Das hat zwar auch kurz zu politischen Staatskrisen geführt, weil den Kindern nicht vermittelbar war, dass ich nur einen Kalender habe, der aber aus zwei Reihen besteht, weil 12 plus 12 gleich 24 ist, aber das sollten sie jetzt hoffentlich verstanden haben. Sie wird schon nicht so schrullig sein und durchzählen. Dann habe ich ein paar Tage Zeit, den fehlenden Rest zu ersetzen. Oder noch besser: Beutel heimlich nochmal befüllen. Nachhaltig!

 

Nein, das ist nur *ein* – mein – Kalender.

Im Wohnzimmer hat fraumieraus Kalender keinen Platz mehr. Ich hänge ihn dezent im Flur auf. Das gibt bestimmt Ärger, weil das nicht geborgen ist und sie sich jetzt isoliert fühlt. Aber ich erkläre ihr einfach, dass wir halt keine Kinder mehr kriegen können, weil zu wenig Platz für Adventskalender ist. Mit drei Kindern ist man ja immerhin offiziell kinderreich.

Nach getaner Arbeit jedenfalls fühle ich mich ein bisschen gut, weil ich es geschafft habe, vor 24 Uhr immerhin 22 Beutel aufzuhängen. Das war auch schon knapper in den letzten Jahren. Ich lehne mich zurück, doch dann: Auftritt fraumierau. Für den Babysohn hätte sie einen Beutel zu wenig. Sie müsste jetzt einen von ihrem Kalender, den ich gerade fertig gestellt hatte, nehmen. Ich gebe betroffen zu, dass sie eh nur 22 habe. Etwas trotzig nimmt sie den roten Samtbeutel mit der Nummer 24 ab und erkundigt sich mit Engelsstimme rhetorisch, ob sie den Inhalt dann jetzt gleich haben könne. Ich sage lieber nichts, aber ein wenig nach schlechtem Gewissen sieht sie aus. Gut, das werde ich nochmal benutzen.

Erwischt. Einen Tag vorm 1.12. schon das 24.12. Beutelchen geraubt! Bitte nicht die Beutel zählen!

Moment. Jetzt werde ich erstmal durchzählen, wie viele Beutel ich eigentlich in meinem Kalender habe. Ich habe den Überblick verloren. Ich denke mal, durchschnittlich hat hier jeder 23,27 Tage Adventskalender. Und nächstes Jahr bin ich dafür, einfach eine große Landschaft aus allen Kalendern zu bauen. Oder einfach eine Schüssel zum Reingreifen. Das erkläre ich dann zu einem achtsamen Gemeinschafts-Minimalismus-Kalender und dann wird das schon. Hier habt Ihr es zuerst gelesen!

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Kategorien: Allgemein

leitmedium

Parteiloser Postprivatier.

9 Kommentare

Key · 1. Dezember 2017 um 0:23

Was wäre mit einem Beutel pro Person, der sich täglich neu füllt? Säcklein füllt dich!“….oder so ähnlich ?
Nachhaltig und platzsparend…

Julia Krohmer · 1. Dezember 2017 um 10:39

Respekt – ich schaffe es grad so, im allerletzten Moment einen einzigen Kalender für den Sohn fertigzukriegen, obwohl ich jedes Jahr den gleichen wiederbenutze!
Bei uns früher gab es einen einzigen Adventskalender, an dem man an jedem vierten Tag dran kam – da war die Freude dann noch viel größer!
Braucht ein Baby wirklich schon einen eigenen??

Enen entspannten Advent wünscht
Julia

Andrea · 1. Dezember 2017 um 11:29

Wir haben für unseren Sohn einen größeren Sack in dem 24 kleine Stoffsäckchen ohne Numerierung stecken. Da fällt es garnicht auf, wenn es nur 22 sind (wie jetzt) und ich noch ein geleertes wieder auffülle. Mit 12 ist die Vorweihnachtseuphorie eh schon der Coolness gewichen. Gefreut wird sich natürlich trotzdem und morgens mit geschlossenen Augen im liegen die erste Schokolade des Tages verspeist.
Meinem Mann ist das ganze Weihnachtszeug relativ egal und ich stelle uns einen guten Schokokalender hin, den jeder abwechselnd öffnen darf. Ihr macht euch jeder einen Kalender?? 😀 Da hat du bestimmt immer richtig Lust drauf.

Innilisi · 1. Dezember 2017 um 11:39

Hallo Herr Leitmedium,
Gestern Abend kurz vorm Schlafengehen habe ich Sie verflucht… Ich dachte dass morgen erst die Deadline ist. Es war schon sehr, sehr spät als ich die Säckchen befüllt aufgehängt hatte. Im Nachthemd draußen barfuß die Kiste für den Kalender des Mannes lackieren um 2 Uhr Nachts muss auch wahre Liebe sein. Heute morgen war ich aber glücklich dass ich mich noch überwunden habe. Das Drama im Kindergarten will ich mir gar nicht ausmalen. Da war das erste Türchen nämlich DAS Thema heute… Und ja, bei mir ist auch ein Säckchen leer – ich habe anscheinend letztes Jahr eine kleine hölzerne Krippenfigur eingesaugt… Der Frosch war nicht mehr auffindbar. Aber ich habe noch bis zum 18.12 Zeit für Ersatz zu sorgen. Grüße, Elisabeth

    leitmedium · 1. Dezember 2017 um 21:57

    Moment, Moment: Habe ich jetzt vor Vergessen des 1.12. bewahrt, oder nicht? 🙂

Nadine B. · 1. Dezember 2017 um 19:10

….so cool….
Bei uns gibts 24 Familien-Säckchen…und es ist eben für alle 5 was drin…hat sich bewährt! Ähm und ich hab noch einen von meinem Mann und er von mir….mal sehen, wann die Kinder das richtig checken??…sie sind 8,6,1 ….also Hoffnung, dass es stillschweigend akzeptiert wird???

Innilisi · 2. Dezember 2017 um 23:35

Nachtrag für Herrn Leitmedium:
Um 1 Uhr Früh am 1.12 waren Sie mein Untergang – um 8 Uhr früh mein Tagesheld! Danke dafür!!!
Mit liebem Gruß, Elisabeth

Viviane · 4. Dezember 2017 um 12:33

Boah, was ein Luxus!! Wir hatten für drei Kinder immer nur einen Kalender, und jeder war halt nur alle drei Tage dran!
Eingene Adventskalender gabs erst so ab Grundschulzeit, und dann auch nur die mit Bilder. Und den dann jedes Jahr aufs Neue.
Ich bin neidisch auf euch!!!

Sag auch noch was · 4. Dezember 2017 um 13:56

Wir kaufen seit letztem Jahr Kalender! Das hilft ungemein und ist gar nicht so ungeborgen, wie ich dachte. Zumindest die Kinder finden es cooler als früher…

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