postfaktische Nasenspray-Diskussionen, Laserschwert-Laternen und Plastiklöffel-Globuli

Veröffentlicht von leitmedium am

(Fast) jeden Montag schreibt @leitmedium seine Gedanken zur letzten Woche mit und ohne Familie.

„Warte Papa, ich brauche noch kurz eine Pause vorher!“ Es ist mal wieder Nasenspray-diskutier-Zeit. Zu Hause haben alle eine verstopfte Nase und abends vorm Schlafengehen gibt es für alle noch abschwellendes Spray zum besser Durchschlafen. Bzw: sollte es. Das medizinische Hilfsangebot auf freiwilliger Basis wird unterschiedlich gut akzeptiert. Der Babysohn findet es lustig und quiekt immer, wenn es in der Nase kribbelt. Ein Geschwister trägt es mit Fassung und bringt es hinter sich. Und ein Geschwister beginnt jedes Mal mit einer mehrstündigen politischen Debatte. In der Regel werden verschiedene Argumente vorgetragen, warum es ausgerechnet jetzt gerade nicht passt. Der Nase würde es gerade nicht so gut gehen, sie bräuchte auch mal Ruhe und man könne ja vielleicht morgen unverbindlich einen Termin machen? Der Einwand, dass es der Nase ja nach dem Sprühen besser gehen würde und es gestern doch auch nicht schlimm war, wird als postfaktisch zu den Akten gelegt. Hier wird nur über Gefühle gesprochen. Und das Gefühl empfindet offenbar „Nase sagt nein!“. Ist ja dann so eine Sache mit der achtsamen Erziehung. Da dem Kind ganz offenbar nicht der kurzfristige Tod durch fehlendes Nasenspray bevorsteht, gibt es kein Grund, sich über den Willen des Kindes hinwegzusetzen. „Ok, Dein Körper, Deine Regeln“, antworte ich und rolle über mich selber die Augen. Gewissheit, dass es morgen Abend auch wieder nichts wird. Ärgerlich nur, mal wieder Nasenspray umsonst gekauft zu haben. Mit drei Kindern und zwei Erwachsenen vermisst man in der Apotheke ja schon Großpackungen.

Die Kinder sind jedenfalls zu Hause und haben viel Zeit. Zum Beispiel zum Telefonieren. Hatte ich hier ja schon mal erwähnt. Neuer Spitzenanruf während der Arbeit: Das Telefon klingelt. Ich verlasse kurz ein Meeting. „PAPA“ brüllt es. „Ja?“. „PAPA, DAS TELEFON IST ZU LEISE!“. „Achso, ok. Wolltest Du mir noch was sagen?“ „NEIN, TSCHÜSS!“. Klick. Das Gespräch hätte auch in einen Tweet gepasst. Genau mein Humor. Ich denke drüber nach, dass es keinen Sinn macht, anzurufen, um sich zu beschweren, dass das Telefon zu leise ist, weil dann wäre der Anruf ja selbst der Inhalt des Gesprächs und… Na toll, jetzt philosophiere ich über die vormittaglichen Spaßanrufe der Kinder.

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Weniger Spaß war das mit der Laterne. Wir hatten ja eine längere Vorgeschichte. Erst habe ich im Kindergarten leicht gegen meinen Willen eine Plastik-Upcycling-Laterne gebastelt, dann habe ich mir bei einem Kirchen-Laternen-Umzug mit schnell gebastelten Notfall-Papier-Laternen den Tod geholt, nun war der eigentliche Laternenumzug dran. Da hat das andere Kind stolz die Papierlaterne mitgebracht, während der Sohn elegant mit seiner Techno-Plastik-Laterne umherzog. War auch schlau, denn es regnete in Strömen und die anmutige Papierlaterne mit Kerze segnete schneller das Zeitliche als man „Laterne, Laterne“ singen konnte. Ich gebe zu, batteriebetriebene Laternen haben unter Gewissen Umständen eventuell auch ihre Vorteile. Die anderen Kinder hatten so Laternenhalter, wo selbst die Stäbe beleuchtet waren. Ja was soll das denn nun wieder, dachte ich. Als nächstes bringen sie gleich ein Lichtschwert als Laternen-Stab mit. Wusch.

Und da wir gerade beim Basteln sind: Hihi. Letzte Woche habe ich leichtes Chaos angerichtet in BloggerInnenhausen. Ich habe einen kurzweilig schnodderigen Artikel über Adventskalenderbasteln von Frau Ruth geteilt. Kannte niemand, die Bloggerin. Fand dasnuf auch lustig und teilte es. Und dann gab es große Entrüstung. Ein Bastelgate sogar. Also wie kann man nur so despektierlich über Basteln schreiben? Neben diversen Blog-Artikeln, empörten Kommentaren und einem kurzen Interview im Radio war alles dabei. Die Nachricht, die unterging: Macht doch, was Ihr wollt. Und lasst ihnen ihre Supermarkt-Kalender. Oder Plastik-Laternen. Habe mich jedenfalls köstlich amüsiert. So viel Aufregung um nichts. Danke, Internet.

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Das mit den kranken Kindern ist immer noch nicht so richtig ausgestanden. Bzw. fängt es immer wieder von vorn an. Mit drei Kindern hat man eben 18 Jahre + Altersdifferenz ältestes Kind – jüngstes Kind Dauerkrankenbestand. Vor allem im Herbst. Und Schule und Kindergarten tun ihr Übriges als Hort des Dauerkeims. Ich hoffe, dass irgendwann jemand diese Einrichtungen einfach aus Seuchenschutzgründen verbietet. Dann brauche ich auch keinen Artikel mehr über Schulpflicht zu veröffentlichen. Hatte ich schon über Läuse geschrieben? Ach ja, hier. Jedenfalls rotieren wir gerade alle Krankheiten der Saison durch. Ich denke bis Ende November haben wir dann alles geschafft, was gerade so angesagt ist.

Babysohn mischt jetzt leider auch mit und legt mit einer Mittelohrentzündung gekonnt vor. Bei der Kinderärztin haben sie ein wenig zu viel Hustensaft getrunken und tatsächlich eine starke Mittelohrentzündung des acht Monate alten Kindes diagnostiert und dazu dann was verschrieben… na? Na? Genau, Globuli. Aber nicht nur so nehmen, ne! Schön in Wasser auflösen und mit Plastiklöffel umrühren. Erst Plastiklaternen, jetzt Plastiklöffel. Was ist da nur los?! Und was passiert, wenn man mit einem Metalllöffel umrührt? Wirkt der Zucker dann nicht mehr?! ? Ich war kurz davor, hinzufahren, und die Ärztin mit den Kügelchen zu bewerfen. Leider ist man vor Ort erstmal zu platt, um sich zeitnah aufzuregen.

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A propos Mittelohrentzündung: Sie sorgte auch dafür, dass @fraumierau und ich heute Nacht vielleicht so drei Stunden Schlaf hatten. Zusammen oder jede_r für sich ist mittlerweile unklar. Da wir noch im Landhaus waren, mussten wir dann morgens um sechs los. Ich staune dann immer, wie man als Eltern so im Autopilot-Modus Dinge geregelt kriegt. Sachen einpacken, Kinder versorgen, an Essen denken, alles ins Auto verfrachten, nach Hause fahren – nicht in der falschen Stadt landen. Dann kommst Du gegen acht im Büro an und irgendwer erzählt von seinem anstrengenden Wochenende. Hihihi, denkst Du. Hihihi.

Zum Landhaus es gute und schlechte Neuigkeiten. Die schlechten zuerst: Das mit der Küche wird so alles nichts. Die nette Frau von IKEA hat mir geschrieben, dass die Küche dann so 5.500 Euro, na oder doch 6.400 kosten wird. Eine Auflistung, warum eigentlich, bekam ich nicht. Ich dachte so, huch, dachte ich, nichtmal Oberschränke und dann doch ein halbes Auto ist das doch ein bisschen viel. Und Aussehen tut es dann trotzdem wie IKEA. Die gute Nachricht: Und als fraumierau und ich dann im Haus in der Küche standen, beschlossen wir, dass wir uns dann lieber was selber basteln. Das wird dann alles ein wenig schief, aber hat Charakter. So wie wir. Wir haben schon ein altes Küchenbuffet reingeschleppt und überlegen, wie man da ein Waschbecken reinkriegt. Es wird sicher kurzweilig. Also für Außenstehende.

p.s.: Bisheriger Wochenhöhepunkt: Habe eben geduscht. Das erste Mal seit… keine Ahnung? Könnte ich mich glatt dran gewöhnen!

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Kategorien: Montagspost

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Parteiloser Postprivatier.

9 Kommentare

anne · 22. November 2016 um 9:32

Bitte mehr bloggen! Muha. Es gibt übrigens von Otriven Einzeldosis-Nasentropfen für Erwachsene, das löst hier zumindest das Problem zum Teil, weil man nicht mehr dauernd neue Flaschen kaufen muss und auch mehrere Menschen 1 Packung nutzen können – für Kinder gibts das aber leider nicht.
Mein Pharmakologie-Professor war übrigens auch Nasenspray-Hasser, ist euer Kind also im guter Gesellschaft.

Sandra · 22. November 2016 um 10:37

Köstlich…. besten Dank für die wöchentlichen Berichte!

Bei Mittelohrentzündung hat sich bei uns übrigens „Otowen“ sehr bewährt. Dann kann man sich die Kügelchen (die ja in anderen Fällen durchaus helfen können/sollen) sparen.

Gute Besserung!

    Anne · 22. November 2016 um 11:36

    Otovowen ist auch homöopathisch, ist dann auch egal ob das oder Kügelchen…

Laura · 22. November 2016 um 11:05

Duschen, was ist das? Ich habe vage Erinnerungen. Ich glaube, es war schön!

Ja, das mit dem Autopilot ist der Wahnsinn. Wahnsinnig beeindruckende Eltern-Hormone oder was auch immer dafür verantwortlich ist.
Wenn ich mich daran zurück erinnere, wie ich in jungen Jahren nach durchfeierten Nächten den nächsten Tag einfach nur in irgendeiner Ecke hing.
Heute „schlafe“ ich pro Nacht wenn es gut läuft 3 plus 2 Stunden plus nochmal eine halbe und stehe wenig später im Büro und bin bereit die Welt zu erobern. Easy.

Daniela · 22. November 2016 um 11:18

Hallo,

klasse Blog!
Wenn eure Kinder dann auch bald Bloggen seit ihr die super duba blog familie ;))

lg aus Bonn

Daniela

Daniela · 22. November 2016 um 15:46

Toller Post 🙂 und da sich hier die Tipps quasi die Tür in die Hand geben: bei uns war das Nasenduschen der wahre Durchbruch… auch bei unserem 4jährigen. Da gibt es so kleine Nasenduschen (mit dann aber entsprechend weniger Salz bitte!) – nimmt den Druck vom Ohr und Nasenspray hat bei uns immer irgendwann in AB geendet.

jennifer-heart · 23. November 2016 um 21:52

Ich lese hier immer sehr gerne! Bitte mehr davon!

Elter · 24. November 2016 um 11:22

Beim schnell lesen erstmal so : WAS, die haben dem Baby beim Arzt Hustensaft eingeflöst 😕 Wobei unsere KA meint, Hustensaft wäre auch nur für die Eltern, haben also vllt noch weniger Wirkstoff als Globuli!? Mein selbstgemachter aus Spitzwegerich, Wasser u Honig wirkt auf jeden Fall. 100%ig dermatologisch bestätigt 😉
Zur Küche: dachtet ihr Ikea wäre günstig? oder besonders praktisch? Zweiteres würde i bestätigen, ersteres ist nahezu unmöglich wenn man jedes Scharnier einzeln bezahlen muss.. Und kein/kaum Echtholz.. Ihr habt die richtige Wahl getroffen! Und: Was man selbst gebaut hat kann man auch reparieren, weil man jede Schraube kennt! 🙂

Klappernde Reiskocher, ein Schreck, (k)ein Geheimnis, Lautstärke und Gilmore Girls - vier plus eins · 28. November 2016 um 21:14

[…] Weil man sich schnell wichtige Sachen sagen muss und so. Also zum Beispiel, wenn der Sohn anruft und mitteilt, dass das Telefon zu leise ist. Diese Woche gab es wieder drei Telefonate, die ich festhalten […]

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