Ferbern schadet nicht – das weiß der WDR wirklich ganz genau

Veröffentlicht von leitmedium am

Lieber WDR,

ich habe eigentlich ein schönes Montagabend-Ritual: Ich schreibe einen Wochenrückblick, der, meistens ein wenig zugespitzt, mir und den LeserInnen Freude macht. Gerade kann ich noch nicht damit beginnen, weil ich mich ärgere. Maßlos. Und zwar über Euch. Warum? Vor ein paar Monaten lief bei RTL ein ziemlich hirnverbranntes „Schlafexperiment“, das Kinderquälerei vor laufender Kamera präsentierte und als Ratgeber deklarierte. Falls Ihr Euch nicht erinnern könnt: Hier habe ich den Unfug zusammengefasst. Nun wendet Ihr Euch dem Thema Kinderschlaf zu. Das finde ich eigentlich gut, weil, denke ich, WDR, das ist doch was. So besonnenes drittes Programm, öffentlich-rechtlich und so.

Aber was muss ich da lesen bei Euch? Wieder einmal einen dieser zusammengeschusterten Artikel mit zweieineinhalb knappen Expertinnnen-Zitaten, in dem so getan wird, als sei das gezielte Schreienlassen von Kindern auch nur irgendwie zu Rechtfertigen. Das sogenannte Ferbern, WDR, ist kein Schlaftraining, es ist das Brechen von Willen, das Auslösen von Angstzuständen und Ihr verbreitet diese Methode weiter. Natürlich könnt Ihr jetzt sagen, Euer Artikel sei doch ausgewogen, weil ihr ja sogar auf Studien verweist, die belegen, dass das alles gar nicht schlimm sei. Das stimmt – fast, denn Ihr solltet die in der Regel alles andere als repräsentativen Studien auch wirklich einmal lesen.

Doch bevor wir das gleich einmal zusammen tun – eine Studie wirklich ansehen – schauen wir uns noch einmal Euren Text genauer an. Ihr schreibt:

Die Methode ist umstritten, weil sie Eltern einiges abverlangt.

Das ist eine völlige Verdrehung der Tatsachen. Die Methode ist vor allem umstritten, weil sie eine Zumutung für die Kinder ist. So zu tun, als ginge es nur um Eltern, zeigt bereits, dass Ihr das Problem ganz offenbar nicht verstanden habt. Und weiter heißt es…

Aber sie funktioniert, wenn sie wie empfohlen durchgeführt wird und sie schadet auch nicht.

Aha? Jahrzehntelange Diskussion, Studien, aber Ihr habt die eine, richtige Einschätzung parat? Hier wird völlig unbedarft etwas behauptet, was dann wie folgt begründet wird:

Eine australische Studie stellte 2012 fest: Kinder, mit denen im Säuglingsalter ein Einschlaftraining durchgeführt wurde, zeigten Jahre später in ihrer emotionalen Entwicklung und seelischen Gesundheit keine Unterschiede zu Altersgenossen. Auch die Beziehung zu ihren Eltern hatte nicht gelitten. Andere Studien bestätigen, dass Kinder durch Schlaferziehung keinen Schaden nehmen.

Lesen wir in dieser vielfach von Ferber-Befürwortern zitierten Studie von 2012 doch einmal nach, zu welchem Ergebnis sie genau kommt:

RESULTS: Two hundred twenty-five families (69%) participated. There was no evidence of differences between intervention and control families for any outcome, including (1) children’s emotional (P = .8) and conduct behavior scores (P = .6), sleep problems (9% vs 7%, P = .2), sleep habits score (P = .4), parent- (P = .7) and child-reported (P = .8) psychosocial functioning, chronic stress (29% vs 22%, P = .4); (2) child-parent closeness (P = .1) and conflict (P = .4), global relationship (P = .9), disinhibited attachment (P = .3); and (3) parent depression, anxiety, and stress scores (P = .9) or authoritative parenting (63% vs 59%, P = .5).

Hinter den vielen Zahlen versteckt sich eine Aussage: Es ist egal. Kinder brauchen nicht schlafen lernen, weil sie eh irgendwann schlafen. Es hat keine Auswirkung auf die Elterngesundheit, weil die Eltern nach einer paar Monaten gleich gut oder schlecht drauf sind. Viel Aufwand für: nichts.

Nehmen wir also an, es stimmt, dass das Auslösen von Angstzuständen bei Babies keine nachhaltigen Effekte hat. Dann überlegen wir doch einfach, ob es nicht schon völlig reicht, dass es bereits kurzfristig eine nicht zu verantwortende Zumutung ist. Der Spruch „Bis zur Hochzeit ist alles wieder gut“ ist ja vielleicht nicht unbedingt der beste Erziehungsratgeber. Ich sperre auch nicht Menschen ein und sage „Hey, in paar Monaten hast Du es überwunden! Gibt es Studien zu!“.

Letztlich ist es egal. Das ist zumindest das Ergebnis der Studie. Und das kann auch Eltern mitgeteilt werden: Quält Eure Kinder nicht. Selbst wenn sie keinen langfristigen Schaden haben sollten – sie werden eh bald von allein schlafen und in ein paar Monaten geht es Eltern mit und ohne Ferbern gleich (gut oder schlecht).

Das, lieber WDR, wäre doch mal eine Recherche gewesen. Nachlesen, abwägen*, und nicht etwas nachplappern, was man sich zusammengoogelt.

Danke fürs Mitlesen,

leitmedium.

* Oder Ihr lest tatsächlich die Kritik an der Studie: Über die Randomisierung, die fehlende Übertragbarkeit, den Bias – wie zum Beispiel hier zusammengefasst. Dann sieht es alles nicht mehr so eindeutig aus. Aber das kostet natürlich Zeit und es lassen sich nicht mehr so schnittige Erziehungstipps geben.

Kategorien: Allgemein

leitmedium

Parteiloser Postprivatier.

28 Kommentare

anja · 30. Januar 2017 um 22:20

Hallo
Man spürt als Leser deine Enttäuschung und ich bekomme nun, nach so vielen Jahren ein zustimmung zu meinen inneren Verhalten als meine Kinder klein wahren. Das schreien bzw. Nicht einschlafen deutete ich als Angst und nahm die Kinder zu mir. Meinen Mann war das zuviel. Er ist anders erzogen und geprägt worden.
Er wollte sie schreien lassen doch das ging für mich gar nicht.
Nun sind die Kids schon groß und ich kann mit guten gewissen sagen .es war genau richtig. Es ist natürlich nicht leicht und es ist kräfte zehrend 4 Oder 5 xmal nachts aufzustehen, doch man wird schnell entschädigt. Durch ein lächeln und …so war es bei uns.

Grüße
Anja

Dee · 30. Januar 2017 um 23:11

Meine Schwiegermutter erzählt immer wieder (fast stolz) wie sie meinen Mann als er 9 Monate alt war 4 Nächte hat durchschreien lassen und mit dem Nudelholz vor der Tür stand um meinen Schwiegervater daran zu hindern, das Kinderzimmer zu betreten.
Da blutet mir noch heute das Herz und ich kann kaum hinhören, zumal mein Mann emotional sehr sensibel ist. Ich liebe meine Schwiegereltern aber dafür, was sie meinem Mann damals angetan haben, hasse ich sie schon fast. Und dann auch noch stolz immer und immer wieder diese Geschichte zu erzählen, furchtbar. Ich kann mir nicht ausmalen wie er sich gefühlt haben muss als Baby, ganze 4 Nächte nicht erhöhrt zu werden und Todesangst ausstehen zu müssen.

    Corina · 31. Januar 2017 um 10:38

    So eine „schöne“ Geschichte hab ich auch. Der Opa meines Ex-Mannes erzählte immer grinsend, dass er damals seine Frau ins Schlafzimmer eingesperrt habe, damit sie nicht zum brüllenden Kind kann. Ich könnte mich übergeben.

      Shuck · 31. Januar 2017 um 12:50

      So ne tolle Geschichte gibt es bei uns auf. Mit 2 Wochen hat meine Vater uns so lange aus dem Schlafzimmer entfernt nachts bis wir wieder rein durften. Ich war ja „lieb“ und hab es nach 2 Tagen kapiert, meine Schwester war „stur“ und hat 6 Naechte gebraucht. Wie viel Glück sie haben, dass dabei nichts passiert ist, wissen sie denke ich nicht.

Anica · 31. Januar 2017 um 6:42

Danke für diesen Beitrag. Da bin ich ja froh drum, dass ich gestern kein Fernsehen konnte, da unser Nachtschwärmer wieder Nähe brauchte. Ja es ist meistens hart das Richtige zu tun, aber in diesem Fall ist es auch einfach, da Schreien lassen einfach keine Alternative ist.
PS: Die Berichte meiner Schwiegereltern machen mich auch immer wieder fassungslos.

Frau H aus DA · 31. Januar 2017 um 6:43

Danke für diesen Artikel. Sie sprechen mir aus der Seele. Immer und immer wieder stolpere auch ich über diese Art von „Zusammenfassungen“, die so pseudo-ausgewogen daher kommen.
Wenn ich dann noch Eltern höre, die sagen, man höre ja, ob so ein 2 Monate altes Baby aus Angst schreie oder „nur“ aus Protest, und in letzterem Fall wäre es ja nicht so schlimm… Dann kann ich gar nicht mehr antworten sondern nehme nur noch meine Kinder in den Arm und meine Augenringe in Kauf.
Wie gesagt, Danke. Ich lese hier sehr gerne die lustigen Rückblicke, aber auch so etwas darf/ muss mal Platz haben!

Sarah · 31. Januar 2017 um 7:02

Danke für diesen Artikel. ich stolperte ebenfalls über diesen Beitrag des WDR und habe mich maßlos geärgert. doch hätte ich es nicht so treffend auf den Pubkt bringen können. Danke!

maren · 31. Januar 2017 um 9:18

Na da wollen wir doch mal hoffen, dass viele Eltern ihre Kinder gerade zu der Sendezeit ins Bett bringen und viel zu beschäfigt sind um fern zu sehen und so der Ferbermist an ihnen vorbeigeht… lg

Claudia · 31. Januar 2017 um 10:12

Ich bin 50 Jahre und mein Sohn fast 26 und meine Tochter 28 1/2 Jahre u auch Oma von zwei süßen Mädchen von 7 Monaten u 2 1/2 Jahren u ich nehme sehr viel Anteil an der immer noch stattfindenden Diskussion!
Meine Tochter u mein Schwiegersohn lassen ihre Kinder nicht aus Bequemlichkeit leiden, genauso wenig wie ich sie damals hab aus Bequemlichkeit leiden lassen…
Schon dieses Thema zu diskutieren zeigt mir immer wieder, wieviel Manipulation das Gehirn einer Mutter bzw. eines Vaters braucht, um seinen Urinstinkten nicht mehr nachzugeben! Tiere, die wir als ungebildet abwerten, denken nicht nach, wenn ihr Junges ruft! Sie handeln sofort, indem sie ihrem Urinstinkt folgen u das einzig Richtige tun!
Sie sind bereit ihr Leben für ihr hilfloses Junges zu geben u Erschöpfung u Hunger zählen nicht!
Wie kann man Müttern helfen, fit zu bleiben?
Indem man sie unterstützt mit Hilfe u für einander da sein u dem vermitteln: du tust das richtige… ja und irgendwann schlafen sie eh besser!
All die Sendungen u Diskussionen sind nur dazu gut, den natürlichen Instinkt zu übertönen und die stärkste Kraft der Natur, den Mutterinstinkt auszuschalten! Starke Kinder lassen sich nicht so einfach manipulieren u am Ende geht es aus meiner Sicht darum…ob beim Stillen oder Konsumverhalten….
Studien zu trauen, die schon dem Instinkt eines jeden Säugetieres widersprechen, kann nichts Gutes hervorbringen!
Und das Fernsehbeiträge objektiv sein sollen….
Ich freu mich sehr, dass so viele junge Mütter ihrem Herzen folgen und sich nicht einfach von Meinungen leiten lassen!

Eike Papa · 31. Januar 2017 um 11:05

Najaaaa. Das ist eins von diesen Themen, da schlaumeistern die Bessereltern, und fühlen sich so gut, weil sie meinen etwas richtiger als andere zu machen, nur um dann mit dem nackten Finger auf sie zu zeigen… ?

Die Diskussion ist komplett übertrieben! In JEDEM Mehrkind-Haushalt der letzten 1 Mio Jahre mussten die zweiten bis xten Kinder notgedrungen mehr schreien als das erste – einfach weil Mama nur zwei Arme hat. Und dadurch lernen 99% der Kinder irgendwann automatisch sich selbst zu regulieren, wenn sie eine zeitlang geschrien haben, ohne dass die Eltern sofort gesprungen sind.
Die 1%, die Schwierigkeiten mit der Selbstregulierung haben, sind dann fast immer (!) die ersten Kinder. Und die können das sehr wohl lernen, wenn sie einfach mal nicht bei jedem Piepsen auf den Arm kommen… Dass das ein angebliches Urvertrauen zerstöre ist einfach Humbug (wie können dann die anderen 99% überhaupt leben?!) Und wird auch von keinem ernst zu nehmenden Experten mit Fakten untermauert. Klar, das hat mit Angst der Erst-Eltern zu tun. Verständlich. Aber liebe Schreikind-Eltern: lasst euch nicht einschüchtern! Fragt einfach drei Kinderärzte (vielleicht unter 60), dann bekommt ihr brauchbaren Rat hierzu.

Ich muss sagen: Die Bessermenschen sind ja schon schlimm, aber die Bessereltern sind kaum zu ertragen mit ihrem „auf andere zeigen“. Never forget: es zeigen immer drei Finger zurück… ?

P.S.: bin gespannt, ob der Autor diese Kritik stehen und zulässt, oder meinen Kommentar löscht. 😉

    leitmedium · 31. Januar 2017 um 11:42

    Der Autor lässt diese Kritik stehen, findet aber schon das Wort „Bessermenschen“ disqualifiziert zur weiteren Diskussion.

      Eike Papa · 31. Januar 2017 um 11:47

      Ok, den Part würde ich editieren wenn ich könnte. 😉
      Ist etwas aufgeheizt und emotional das Thema – auch für mich, siehe unten.
      LG

        Annika · 31. Januar 2017 um 13:10

        Hier ist es wichtig zu wissen, dass der heute übliche Altersabstand von unter drei Jahren nicht dem natürlichen Altersabstand entspricht (von Mehrlingen einmal abgesehen). Mit einem natürlichen Altersabstand von durchschnittlich vier Jahren (größtenteils da in früheren Zeiten das lange Stillen für die natürliche Verhütung verantwortlich war und leider auch wegen der höheren Kindersterblichkeit), ist die bedürfnisorientierte (natürliche) Erziehung mehrerer Kinder gleichzeitig schon wieder viel realistischer. Dies sollte man auch immer bedenken. Die heutigen Kinder sind oft Opfer ihrer Zeit. Trotzdem ist das keine Entschuldigung, die das Ferbern rechtfertigen würde. Es ist selbstverständlich schwieriger, mehrere Kinder im Kleinstkindalter bedürfnisorientiert zu erziehen, aber man hat sich als Eltern bewusst dazu entschieden, die Kinder so knapp hintereinander zu bekommen und trägt deshalb allein die Verantwortung dafür, ein Kind notgedrungen auch mal schreien lassen zu müssen, weil man sich nicht zerreißen kann. Aber dies ist eine Diskussion übers Ferbern und da geht es um das bewusste schreien lassen. Das ist in meinen Augen mit nichts zu rechtfertigen!

    anne · 31. Januar 2017 um 12:28

    Komisch, ich habe zwei Kinder und schaffe es, auch allein, beide ohne Tränen ins Bett zu bringen. Kind 2 weint eher noch weniger als Kind 1. Es gibt da so Dinge, die nennt man Spielsachen, vielleicht schon mal gehört – mit denen beschäftigt sich dann das wache Kind, während wir alle zusammen im Bett liegen.. oder auf dem Sofa sitzen.

    Die Problematik „Schreikind“ (und daraus resultierende Ohnmachtsgefühle der Eltern) ist ja wieder eine andere und hat m.E. nichts mit dem Thema Ferbern zu tun.

    Marion · 31. Januar 2017 um 13:57

    Also ich finde es erstmal unerhört andere Eltern abwertend als Bessereltern zu titulieren. Aber dann kam etwas was mich si richtig aufregt, zu behauoten das mehrfach Eltern ihre nachfolgenden Kinder mehr schreien lassen. Das ist dich totaler Unsinn. Ich habe 7!!!!! Kinder und nicht eines jemals schreien lassen. Niemals. Und ich hatte auch ein Schreikind. Mein 2. Kind war die ersten Monate nur am weinen so lange sie nicht an meinem Körper war. Ich hab dann das Tragetuch für uns endeckt und hatte sie oft eingebunden und so haben wir diese Zeit gut überstanden. Kind nummer 3 folgte in 20 Monaten abstand aber auch sie wurde trotz sehr fordernder großer Schwester nie schreien gelassen. Auch nicht Kind Nr 4 als meine Ehe zerbrach und ich alleinerziehnd war. Danach hab ich mit neuem Partner noch 3 Kinder bekommen und weißt du was… bei großen Familien müssen sich keine Kleinen selbst regulieren… im Gegenteil! Sie haben nämlich viele Menschen um sich die angerannt kommen, wenn sie schon nur schief schauen… Mama, Papa, die großen Geschwister. Wir sind eine sehr liebevolle Familie und keiner wird hier sich selbst überlassen. Nicht mal ich auf der Toilette ?. Ich finde es sehr anmaßend solche Behauptungen aufzustellen. Im übrigen ist das bei allen Großfamilien so, die ich kenne und das sind einige.

Eike Papa · 31. Januar 2017 um 11:45

Nachtrag:
Das können Nicht-Schreikind-Eltern leider nicht nachfühlen. Wir haben diese Methode irgendwann machen müssen (!), weil unser Kind auf unserem Arm geschrien, erbrochen und weiter geschrien hat… Über Stunden.
Wenn ich mit einer Stoppuhr die Zeit festgehalten hätte, die unsere Tochter in jeder einzelnen Nacht auf unserem Arm (oder im Kinderwagen oder im Auto nachts) geschrien hat, wäre ich in der Summe auf mehrere Stunden Geschrei pro Nacht gekommen. Über Monate!
Mit der Methode, die wir wegen dieser Diskussion mit den schlimmsten Gewissensbissen – aber auf Anraten von zwei Kinderärzten – dann gemacht haben, hat sie in der ersten Nacht 45 Minuten, in der zweiten 32 Minuten, in der dritten Nacht 11 Minuten und in der vierten Nacht 0 Minuten geschrien.
Ich weiß, wie sich das für Außenstehende anhören mag… Aber du kennst den Zustand vorher ja nicht.
Sie hat zwischen 45 Minuten (an guten Tagen) und 1,5 Stunden (in der Regel) gebraucht, um auf dem Arm einzuschlafen – mit Singen, Laufen, Wippen, Tanzen, Schunkeln… Und ist nach 50 Minuten pünktlich wieder wach geworden. Dann wieder 45-90 Minuten Versuche, sie in den Schlaf zu kriegen. Und während dieser Zeit hat sie minutenlang gebrüllt – natürlich war sie schon bei der ersten Zeremonie völlig übermüdet! Und so ging das die ganze Nacht durch…
Ich glaube nicht, dass diese drei Nächte „Ferbern“, zu denen wir uns nach 3 Monaten am Stück solcher Nächte durchgerungen haben, mehr Schaden angerichtet haben, als die ganzen Nächte davor!
Es war für uns schlimm, gar keine Frage. Wir haben beide während dieser Minuten „Warten“ geweint! Aber wir haben damit im Nachhinein betrachtet unserer Tochter wirklich geholfen, das kann ich dir echt bestätigen!!!
Nach diesen 3 Nächten war für sie und uns alles gut. Du glaubst gar nicht, wie sich ihr und unser Leben durch erholsamen Schlaf wieder verändert hat. Plötzlich hatte sie auch tagsüber wieder Energie, weil sie einfach selber guten Schlaf bekommen hat, und den Tag verarbeiten konnte usw.
Wie gesagt, wer kein solches Kind hat(te), kann sich kaum vorstellen, welche Belastung für alle Beteiligten (besonders das Kind) diese Situation über Monate bedeutet, in der man sich dann für diesen Weg entscheidet.
Sie hat dadurch gelernt, durch zu schlafen – und ist heute ein glückliches, sehr aufgewecktes und Eltern liebendes Kind!
Ich würde es immer wieder machen.

    Shuck · 31. Januar 2017 um 13:00

    Wenn ein Kind so viel brüllt und sich übergibt, dann würde ich als erstes schauen, was denn da los ist und nicht überlegen, wie man das „abstellt“. Ich hatte auch ein Schreikind, wir haben oft zusammen geweint. War schwer, klar. Ich habe viel gezweifelt, geweint, war übermüdet. Aber es war bestimmt noch schwerer für mein Kind. Aber es gibt Studien die zeigen, dass viel weniger Cortisol ausgeschüttet wird, wenn ein Kind beim Weinen getroestet wird, nahe an einer Bezugsperson ist.
    Es tut mir leid, dass die Methode für Sie die einzige war und dass vom KiA nicht mehr Unterstützung kam.
    Es tut immer weh, zu lesen, dass etwas das man getan hat im Nachhinein wiederlegt wird. Ich habe da auch so meinen baustellen. Aber deswegen kann man es nicht weg reden

    Nadine · 31. Januar 2017 um 13:23

    Ich habe beide Kommentare gelesen und kann gut verstehen, dass das Thema für dich sehr emotional ist, trotzdem habe ich eher den Eindruck, dass hier bei dir ein wunder Punkt getroffen wurde. Und zwar der des schlechten Gewissens. Leitmedium verurteilt kein einziges Mal die Eltern, die geferbert haben oder zeigt gar mit dem Finger auf sie. Er prangert lediglich die schlechte Recherche des WDR an bzw. dass so eine Methode im Fernsehen beworben wird.

    Brendan · 16. März 2017 um 15:57

    Alles gut, Eike. Für Fälle wie Deinen hat der gute Ferber seine Methode entwickelt. Aber das sind doch eher Ausnahmen. Schlimm ist es, wenn aus reiner Bequemlichkeit oder aus pädagogischen Gründen ein Kind nicht ins Bett geholt oder auf den Arm genommen wird, obwohl das sofort das Kind beruhigen würde.

Bettina Landwehr · 31. Januar 2017 um 12:36

Schön, dass du schon schreibst, was ich auch wollte! Wenn ich mich hier mal als studierte Pädagogin und 2-fach-Mutter äußern darf: ich habe immer gern GEZ bezahlt, weil ich dachte, dann gibt es ein informatives und qualitatives Gegengewicht zum RTL-Niveau… und dann das! Ferbern schadet! Wenn Sie schon Experten zitieren, wie wäre es dann mit Herrn Ferber selbst, der sich schon bald danach vehement von dieser Methode distanzierte und gegen ihre Nutzung kämpfte?! Wenn Sie schon von „Schlaftraining schadet nicht“ sprechen, dann bitte darauf achten, dass damit im Normalfall Schlaftraining ohne ferbern gemeint es – also ein liebevolles Umstellen von Gewohnheiten ODER ein begleitetes Weinen von Kindern, die so Stress abbauen (ich dachte wirklich mal, zumindest die öffentlich-rechtlichen Sender wären in der Lage über ein Stammtisch-Niveau hinaus zu differenzieren).
So – können wir uns GEZ sparen und die Bevölkerung endgültig unter Halbwahrheiten verdummen lassen.

Jana · 31. Januar 2017 um 15:44

Mega schade! Ich habe mich ganz klar dagegen geäußert. Leider wurden aus ’ner halben Stunde Interview, die Sätze so rausgepickt, dass es nicht wirklich klar wird. Mir wurde eine Bindungsorientierte Berichterstattung versprochen, in der einfach nur erklärt werden sollte, was Ferbern ist, und dann vor allem Elternstimmen eingefangen werden sollten.
Hätte ich beim WDR jetzt auch nicht so erwartet.

    leitmedium · 31. Januar 2017 um 15:47

    Hallo Jana,

    das ist ja wirklich ärgerlich. Ich habe so etwas ja schon vermutet. Man erahnt ja an Deinen kurzen Zitatfetzen, was Du sagen willst, aber es wurde wirklich völlig an den Rand gedrängt, um den Rest des Artikels zu rechtfertigen. Ich gebe aus diesem Grund auch kaum noch Interviews. 🙁

      leitmedium · 31. Januar 2017 um 15:47

      Aus dem letzten Sach-Interview wurde bei uns eine sexistische, persönlich beleidigende Homestory gemacht.

        Nadine f · 1. Februar 2017 um 14:08

        Gibt es diese Homestory zum nachlesen? Das interessiert mich jetzt aber *ironischlachend*

      Jana · 31. Januar 2017 um 16:16

      Meine Erfahrungen mit der Presse waren bisher ganz gut. Und ich habe beim WDR wirklich was anderes erwartet. Aber wahrscheinlich ist es weise, sich nur auf dem eigenen oder auf befreundeten Blogs zu äußern.
      Und danke für den Artikel. Sonst hätte ich im Urlaub gar nicht so schnell mitgekriegt, dass die Sendung schon online gegangen ist.
      LG

Frau Kröhnchen · 1. Februar 2017 um 19:16

Schlimm, dass sowas tatsächlich noch kursiert. Die Babys schreien doch nicht ohne Grund, besonders in den ersten Wochen ist Nähe so wichtig! Mein Vater erzählt ganz oft so stolz, dass er mich als ich 4 Monate alt war mal richtig angeschrien hat, als ich geweint habe. Dann war ich scheinbar ruhig. Und für ihn war das der totale Erfolg. Mein Baby ist jetzt auch 4 Monate alt und auch wenn meine Nerven manchmal echt blank sind, es würde mir das Herz zerreißen den kleinen schreien zu lassen oder zurück zu schreien. Garantiert würde ich darauf nicht auch noch stolz sein.

Alex · 8. Februar 2017 um 19:07

Wir schlafen alle in einem Bett – und wenn die Tochter nicht allein einschlafen kann, will, soll, mag, … legen wir uns mit ihr hin. Das tue ich meist sogar freiwillig – mit einem guten Buch in der Hand. So komme ich endlich mal zum Lesen. Meine Gedanken zu „Gemeinsam statt einsam“ gibt es hier: http://mama-im-laendle.de/allgemein/gemeinsam-statt-einsam/

Über die Dinkelverschwörung, Apfel-Werkzeuge und Technik-Proteste - vier plus eins · 31. Januar 2017 um 7:42

[…] reicht auch für heute. Gerade musste ich mich nämlich noch über den WDR aufregen. Beim nächsten Mal erzähle ich Euch vielleicht, wie das so mit dem Verstecken-Spielen bei uns […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.