Fenster auf, Fenster zu, Fenster auf …

Veröffentlicht von leitmedium am

Es ist abends. Die Kinder schlafen, sie bloggt, ich quäle mich mit meiner Dissertation rum. Ich brauche jetzt einen schwarzen Tee. Barfuß laufe ich in die Küche und erleide nahezu einen Kälteschock. Es ist bitterkalt. Draußen schneit es, das Fenster ist offen. Ich rolle kurz mit den Augen, schließe das Fenster und gehe wieder ins Arbeitszimmer. »Du… Liebste… Das Fenster in der Küche war offen. Wir können das im Winter nicht so lang offen lassen« versuche ich freundlich das Gespräch zu eröffnen. »Ich habe gelüftet!«, antwortet sie. »Ja… Ich weiß. Aber im Winter sollte man nur Stoßlüften. Zehn Minuten reichen. Wie lange war denn das Fenster offen?« versuche ich vorsichtig zu entgegnen. »Keine Ahnung. Habe das heute Morgen aufgemacht. Ist Dir nicht auch so warm? Meine Güte ist das heiß hier. Dir ist auch heiß, oder? Hier ist es wirklich heiß!« Ich sehe aufs Thermometer. Es sind 19°C in der Wohnung.

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Mir ist nicht heiß. Den Kindern auch nicht. In letzter Zeit ziehen wir eher Pullover in der Wohnung an oder nehmen nachts mehrere Decken, denn ihr ist heiß. »Ich habe einfach eine kleine Heizung in mir drin«, sagt sie und damit hat sie wohl recht. Ein Mensch ist in ihr drin, turnt zunehmend fröhlich umher (haben Babys vor der Geburt eigentlich schon Humor?) und heizt. Sonst ist immer kalt. Immer. Der plötzliche Sinneswandel ist gar nicht so einfach zu berücksichtigen. Die Kinder sind an eine eher warme Wohnung gewöhnt. Aber ein Kompromiss muss eben her. Während wir nicht-schwangeren uns warm anziehen können, braucht sie die Kälte um sich herum. Also frösteln wir alle etwas. Ein paar Wochen noch, dann wird unser drittes Kind wahrscheinlich eine warme Wohnung einfordern. Und sie ohne Zweitheizung ebenso.

Nur nachts, da wird es weiterhin schwierig. Wir schlafen seit Jahren im Familienbett und es ist schön und funktioniert gut für uns. Nur ein Problem haben wir festgestellt: Die Atemluft wird bei vier Personen in einem Raum nachts dramatisch schlecht. Ich habe so ein Gerät zur Messung der Luftqualität angeschafft und plötzlich war klar, warum wir öfters mit Kopfschmerzen aufwachten. Also schlafen wir nachts nun mit offenem Fenster. Nicht weil ihr zu warm ist, sondern weil wir die Luft zum Atmen brauchen. Es tut gut und man fühlt sich morgens so frisch. Und kalt. Die Kinder beschweren sich etwas, aber da müssen sie eben durch. Bei 13°C im Zimmer schlafen ist kein Luxus, aber mit der richtigen Decke und Bettkleidung geht das schon.

Nur was machen wir, wenn noch ein Kind mit Zimmer schläft und atmet? Gerade Babys brauchen frische Luft im Schlaf. Aber 13°C sind auch keine Option. Oder doch? Wir müssen noch eine Lösung finden. Meine Suche nach brauchbaren automatischen Fensteröffnern war ergebnislos. Bisher. Erstmal warten wir ab, was passiert und dann finden wir eine Lösung. Wie wir das immer tun.

Ich schließe jetzt heimlich ein paar Fenster in der Wohnung und tu so als sei nichts. Dann habe ich eine knappe Stunde, bis sie wieder die Fenster aufreißt. Wir lassen es beide geschehen, denn Schwangerschaft ist auch ein bisschen Ausnahmezustand. Ein schöner.

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Bildnachweis: Public Domain auf Pixabay

 

Kategorien: Allgemein

leitmedium

Parteiloser Postprivatier.

17 Kommentare

Sophie Marlene · 26. Februar 2016 um 11:58

Ich brauche auch grundsätzlich ein offenes Fenster zum Schlafen, damit ich morgens nicht mit Kopfschmerzen oder schon mitten in der Nacht mit Erstickungsängsten aufwache.
Da ich jetzt auch schwanger bin, habe ich mir auch schon meine Gedanken gemacht, wie wir das dann mit dem Baby machen.
Der aktuelle Plan ist, das Schlafzimmer vor dem Schlafen eine Stunde ordentlich zu lüften und dann mit geschlossenem Fenster zu schlafen. Ob das reichen wird, weiß ich nicht.
Ich würde mich freuen, wenn du nochmal berichtest, welche Lösung ihr findet.

Liebe Grüße und danke für die inspirierenden Einblicke

Nadja · 26. Februar 2016 um 12:26

Das Problem kennen wir auch. Bei uns bleibt allerdings das Fenster zu (zu laut und zu kalt, die Kleine akzeptiert auch keine Decke) Wir lassen einfach die Schlafzimmertür offen. Das hilft auch ganz gut.
Viele Grüße 🙂

m · 26. Februar 2016 um 13:02

Die Schlafzimmerfenster sind jetzt im Winter auch eher selten auf, weil es direkt aufs Bett zieht, aber mit offener Tuer und offenem Fenster im Flur geht es auch.

m · 26. Februar 2016 um 13:03

Und von der Schwangerschaft kenne ich das auch – sonst immer absolute Frostbeule, aber da war mir warm (wenn auch nicht heiss). Ich haette nichts dagegen gehabt, wenn mir ein bisschen Waerme erhalten geblieben waere. Jetzt klebe ich also wieder an der Heizung.

Sina · 26. Februar 2016 um 14:52

Ökolüfter – tauscht die Luft aus aber nicht die Wärme. Bei einer Mietwohnung aber wohl eher schwierig. …

Calliope · 27. Februar 2016 um 10:30

Wie oben geschrieben: Schlafzimmertür auf lassen. Die Verbindung zu einem kleinen Flur und dem benachbarten, kaum geheizten Arbeitszimmer reicht bei uns aus. Ist auch säuglings- und winterkompatibel. Tröste dich: ein paar Wochen noch, dann ist das Kind da und der Frühling relativiert das Fenster-auf-Problem. Gute Nerven bis dahin!

Miss S. · 28. Februar 2016 um 21:15

Da man mit dem Baby vermutlich mehrmals nachts kurz wach wird zum Stillen und wickeln, kann man da doch jedes mal kurz aufmachen.
Und wenn es dann durchschläft mit zwei, ist es groß genug, damit es offen bleibt…

Marie · 28. Februar 2016 um 22:16

Ach herje…oder habt ihr am Ende die Tür zum Flur auch immer auf und wir Flurlüfter haben alle schlechte Luft??? Da wird mir ja ganz anders…und nun? Gute Nacht (jetzt bin ich nervös) und ein schöner Text:-)

leitmedium · 28. Februar 2016 um 22:26

Vielen Dank für die vielen Hinweise. Die Tür zum Flur lassen wir mittlerweile so weit offen wie möglich. Das reicht leider nicht aus, da die Luft zu langsam umgewälzt wird. Ich habe jetzt eine recht gangbare Lösung gefunden: Unser Fenster kann so auf Kipp gestellt werden, dass es fast geschlossen ist. Das ist keine beabsichtigte Funktion, man kriegt es aber im richtigen Winkel so hingebastelt. Dadurch ist der Luftzustrom deutlich geringer. In den letzten Nächten ist die Schlafzimmertemperatur nur auf 17 statt 13 Grad gefallen – damit können wir alle gut Leben. Mal sehen, ob es weiterhin so gut klappt, dann reicht mir das erstmal als dauerhafte Zwischenlösung. Und in meinem nächsten Leben erfinde ich einen einfachen Aufsatz für Kippfenster, der mit einem CO2- und Temperatursensor ausgestattet automatisch das Fenster öffnet und schließt. So schwer kann das nicht sein.

Nicole · 28. Februar 2016 um 23:12

Habt Ihr schon einmal über einen Luftwäscher nachgedacht. Der befeuchtet und reinigt die Raumluft. Wir haben einen im Büro- da ist er richtig klasse. Und leise Modelle gibt es auch. LG Nicole

    leitmedium · 29. Februar 2016 um 8:27

    Hallo Nicole. Haben wir tatsächlich – der löst aber erstmal nicht das Problem mit dem CO2. Wir probieren das aber sicher mal aus. Danke für den Tipp!

Katharina · 29. Februar 2016 um 11:35

Es gibt Zimmerpflanzen die speziell nachts CO2 zu O2 umwandeln. Zum Beispiel der (fast unkaputtbare) Bogenhanf!
Oder die Aloe Vera Pflanze.
Ansonsten wäre mir auch nur das fast-kippen bzw ankippen statt richtig kippen des Fensters eingefallen.
Viel Erfolg und allzeit fröhliches Atmen 🙂

Laal · 8. März 2016 um 22:39

Servus!

Unsere Kinder sind Ende August, beziehungsweise Ende September geboren. Wir haben unser Schlafzimmerfenster des nächtens stets mindestens gekippt, einzige Ausnahme waren Nächte mit Außentemperaturen von unter -10°C, dann haben auch wir über den Flur gelüftet, und den Kindern hat es nicht geschadet. Einfach mehr anziehen, zusätzliche Wolldecke drüber, das Baby bekommt noch ein Mützchen auf und gut ist.

LG

Wochenende in Bildern 27./28. Februar 2016 - Geborgen Wachsen · 28. Februar 2016 um 20:50

[…] Es ist schönes Wetter und ich genieße die frische Luft. Mein Mann hat ja gerade über mein Frischluftbedürfnis […]

Montag: der Nicht-Urlaub ist vorbei, die Luft fehlt und IKEA ist furchtbar freundlich - vier plus eins · 24. Oktober 2016 um 20:48

[…] es keine Geräte, die Frischluft pro Geräuschbelästigung messen. Zu Hause geht es auch oft ums Fenster auf – Fenster zu. […]

Knisternder Saft, Schummel-Lebkuchen und unerklärliche Baby-Pflanzenwut - vier plus eins · 15. November 2016 um 9:25

[…] auch ein bisschen hässlich, aber sie war doch für die Luft. Ich hatte letztens so eine Macke, dass wir zu wenig Luft hätten und im Internet stand, welche Pflanzen man sich kaufen muss, damit man die Fenster nie wieder […]

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